Einstimmig beschlossen
: Brandenburger Ehrenbürgerrecht für Marga Goren-Gothelf

Große Anerkennung für das Lebenswerk der letzten bekannten Holocaust-Überlebenden aus Brandenburg an der Havel.
Von
Th. Messerschmidt
Brandenburg
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Marga Goren-Gothelf bei ihrem letzten Besuch ihrer Geburtsstadt Brandenburg an der Havel im April 2015.

A. Linckus

„In Würdigung ihrer Verdienste für die Aufarbeitung der Geschichte und ihres Beitrages zur Völkerverständigung wird Frau Marga Goren-Gothelf das Ehrenbürgerrecht der Stadt Brandenburg an der Havel verliehen“, lautete der Beschlussvorschlag, der bei der Februar-Sitzung der Stadtverordneten Einstimmigkeit erzielte.

Sie ist somit die 35. Person, der diese Würdigung zuteil wird – wobei 1991 drei Ehrenbürgerschaften aberkannt worden sind: Adolf Hitler (1933), NSDAP-Gauleiter Wilhelm Kube (1934) und SEDler Ernst Altenkirch (1976). Zudem distanzierte man sich von der Ehrenbürgerschaft für Paul von Hindenburg (1933). Gültig sind somit 31, angefangen 1834 bei Postdirektor Wilhelm Ludwig Ritter.

Ehrenbürger der Stadt Brandenburg an der Havel

Bekannter sind Prof. August Wredow (1872), Carl Reichstein (1921), Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow (1993) und Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (2012). Und nun Marga Goren-Gothelf, die neben Birgit Fischer (2004) erst die zweite Ehrenbürgerin ist und den Beschluss der Brandenburger Stadtverordneten via Livestream von Israel aus verfolgte.

Marga Goren-Gothelf ist die letzte bekannte Holocaust-Überlebende aus Brandenburg an der Havel. Sie wurde am 16. Mai 1925 als Tochter jüdischer Eltern in der Havelstadt geboren und aus ihr am 28. Oktober 1938 durch die nationalsozialistischen Machthaber vertrieben.

Von Brandenburg nach Israel

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wanderte sie von England nach Palästina aus und lebt bis heute in Israel. In den vergangenen Jahren besuchte sie wiederholt ihre Geburtsstadt und engagierte sich als Zeitzeugin des Holocausts für die Aufarbeitung der Geschichte und die deutsch-israelische Völkerverständigung. In zahlreichen Zeitzeugengesprächen berichtete sie vor jungen Brandenburgerinnen und Brandenburgern in bewegenden Worten aus ihrem Leben.

In der Begründung zur Beschlussvorlage heißt es: „Wir können damit auch unsere große Achtung und Anerkennung für das Lebenswerk einer heute fast 97-jährigen Frau zum Ausdruck bringen, die vor mehr als acht Jahrzehnten ihre Heimatstadt gegen ihren Willen verlassen musste und später trotzdem Brücken zwischen Brandenburg an der Havel und Israel baute, über die schon viele junge Menschen gegangen sind und noch viel gehen werden… Ihr besonderer Einsatz für die Aufarbeitung der Geschichte auch in unserer Stadt Brandenburg an der Havel und die Völkerverständigung zwischen Deutschland und Israel ist außergewöhnlich.“