Fachkräftebedarfsanalyse
: Migration - ja, Inklusion - Fehlanzeige

Die Wirtschaftsregion Westbrandenburg sucht Facharbeiter. Das zeigte die Veranstaltung „W vor Ort“, die erste Austauschveranstaltung mit dem Ziel, Wissen und Know-how der Unternehmen untereinander zu teilen.
Von
Erhard Herrmann
Brandenburg
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"W vor Ort":  Die erste Austauschveranstaltung mit dem Ziel, Wissen und Know-how der Unternehmen untereinander zu teilen, fand auf Einladung und in Kooperation mit der Gross Brandenburg GmbH statt. Geschäftsführer Karl-Heinz Fussenegger führte die Teilnehmer durch die Produktionshallen.

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Vorgestellt wurde sie zur Premiere des neuen Veranstaltungsformats „W vor Ort“ der Wirtschaftsregion Westbrandenburg. Die erste Austauschveranstaltung mit dem Ziel, Wissen und Know-how der Unternehmen untereinander zu teilen, fand auf Einladung und in Kooperation mit der Gross Brandenburg GmbH statt. Die Firma mit ihrem Stammwerk im baden-württembergischen Böhmenkirch fertigt auf 8500 Quadratmetern Produktionsfläche Präzisionsdrehteile. Sie ist seit 50 Jahren Stammlieferant für ZF. Beschäftigt sind zurzeit etwa 130 Mitarbeiter. „Wir brauchen Fachkräfte die Qualität herstellen können. Fehler in unserer Produktion verzeiht der Markt nicht“, erklärte der Geschäftsführer Karl-Heinz Fussenegger. Dabei mangelt es laut der Analyse vor allem in Industrie und Handwerk an Bewerbern mit einer technischen Ausbildung, wie etwa Mechatroniker oder Zerspaner.

Kopfzerbrechen bereitet auch der demografische Wandel. Die Bevölkerungsprognose für Brandenburg an der Havel, Rathenow und Premnitz sieht für 2030 ein Absinken auf unter 100.000 Menschen vor. 33,2 Prozent werden dann älter als 65 Jahre sein. Die Analyse ergab zudem, dass mehr als zwei Drittel der Unternehmen Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. 44 Prozent der befragten Firmen haben Nachwuchssorgen. Doch wie dem gegensteuern?

„Die Maßnahmen im Bereich Fachkräftesicherung umfassen unter anderem Instrumente zur Information und Unterstützung von Schülern bei der Suche nach geeigneten Ausbildungsberufen und –unternehmen. Dazu gehört der Berufemarkt, Unternehmensbesuche und Aktivitäten in den sozialen Netzen“, erklärte Torsten Wiemken vom Projektbüro. Erreicht werden soll so, dass Arbeitskräfte, die berufsbedingt auspendeln, zukünftig in der Region arbeiten. Verstärkt soll nach Rückkehrer- beziehungsweise Zuzügler-Initiativen gesucht werden.

Ausgiebig wurde das Thema Migranten in den Arbeitsmarkt zu integrieren diskutiert. Zwar hält eine Mehrheit der Betriebe eine Integration von Geflüchteten in ihren Unternehmen noch für möglich, 36 Prozent sehen jedoch keine Perspektive für Migranten in ihrem Unternehmen. Gründe sind mangelnde Sprachkenntnisse, unsicherer Aufenthaltsstatus, fehlende Zertifikate und Berufsnachweise. Das Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bestätigt, dass trotz aller Anstrengungen bisher nur eine geringe Prozentzahl der Migranten in der Industrie arbeitet.

Laut der aktuellen Analyse scheint sich die Wirtschaftsregion Westbrandenburg aber dafür den Luxus leisten zu können, auf die Inklusion zu verzichten. Im Fragebogen, den die Unternehmen für die Umfrage ausfüllen sollten, spielen die Menschen mit einer Behinderung keine Rolle und fanden ebenso bei den Lösungsvorschlägen keine Beachtung. Dabei wären viele Menschen mit einer Behinderung durchaus in der Lage, ohne generelle Leistungsunterschiede, auf dem ersten Arbeitsmarkt einsetzbar. Größter Bremsklotz ist jedoch meist das Lohnniveau, das in der Wirtschaftsregion deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Hier empfiehlt die Analyse in bestimmten Bereichen die Bezahlung anzuheben, um Fachkräfte an die Region zu binden.