Herbst 1896: Der Brandenburger Bauunternehmer und Architekt Carl Jurth erwirbt zum Ende der Berliner Gewerbeausstellung (1. Mai bis 15. Oktober) im Treptower Park ein modernes, überaus attraktives Gebäudeensemble für sein Brandenburg. Welch eine kluge Entscheidung vor genau 125 Jahren!
Dieser „Sektpavillon Kloss & Foerster“ fügte sich dann ab 1899 bestens in den neuen, damals noch außerhalb Brandenburgs angelegten, weitläufigen Sportpark ein. Er wurde an der Wilhelmsdorfer Landstraße zwischen Schlachthof und Planebrücke am 13. August jenes Jahres im Beisein von mehreren tausend erwartungsvollen Havelstädtern eröffnet. Alsbald erlangte dieses „Schmuckstück“ enorme Anziehungskraft.

Ein Maurermeister bescherte Brandenburg einen gastlichen Traum aus Holz

Einmal mehr hatte dieser Carl Jurth sein fachliches Wissen als versierter Architekt, Maurer- und Zimmerermeister unter Beweis gestellt. Das besagte Restaurationsgebäude bot bis zu 1.200 Besuchern Platz, lockte mit Festsaal, Vereinszimmern, zwei Billards, überdachten Kegelbahnen sowie mit einer riesigen Kolonnade und dem gern bestiegenen Aussichtsturm.
Unweit davon entstand „eine allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Radrennbahn mit 333 1/3 m Metern“. Hinzu kamen u. a. noch Turn- und Spielsäle bzw. -plätze. Viel Zuspruch fanden zugleich eine Lehr- und Promenadenbahn für Räder sowie der für den Wasser- und Eissport bestens geeignete Teich. Auf dem Renn-Oval gab es über ein Vierteljahrhundert lang oft packende Kämpfe, zu denen die Elite – darunter damalige Weltmeister – antraten.

Auch Weltmeister fuhren im Brandenburger Sportpark Rennen

Zu ihnen gehörte der Münchener Thaddäus Robl (1877 - 1910), der mit Brandenburger „Corona“- wie auch „Brennabor“-Rädern zu begeistern wusste. Die seinerzeit für einen Stichkanal zwischen Sportpark-Gelände und der unweit fließenden Niederhavel ausgehobenen Erdmassen verwendete man umgehend zum Bau dieser Radrennbahn.
Carl Jurth machte sich vor 125 Jahren mit dem Erwerb eines Pavillons um den Sportpark verdient.
Carl Jurth machte sich vor 125 Jahren mit dem Erwerb eines Pavillons um den Sportpark verdient.
© Foto: Archiv M. Lutzens
Dank der künstlich geschaffenen Wasserstraße konnten die hiesigen Schiffseigner ihre Dampfer zur Freude der Ausflügler dorthin fahren lassen. Außerdem bestand für die noch wenigen Besitzer von Segel-, Ruderbooten usw. die Möglichkeit, ebenfalls den Weg zum Sportpark zu nehmen. Besonders an den Sonntagen steuerten vor allem die einfachen Brandenburger diesen beliebten Treffpunkt an. So ging es zumeist auf Schusters Rappen über eine heute kaum noch denkbare Entfernung.

Ein Feuer zerstörte 1913 den Pavillon

Neben Droschken rollte ab 1901 die Pferdebahn, abgelöst ein Jahrzehnt später von der „Elektrischen“. Am 28. April 1913, zu nächtlicher Stunde, wurde der Sektpavillon weitgehend ein Raub der Flammen. Die Radrennbahn blieb davon verschont, verlor aber ihre Attraktivität. Ende der 1920-er Jahre war es endgültig vorbei, zumal das Oval immer mehr absackte (morastiger Untergrund, zeitweilig hohe Wasserstände).
Ab 1930 entstanden dort Kleingärten, eine Kolonie heißt noch heute „Am Sportpark“. Der kleine Hafen nebst Verbindung zur Havel wird weiterhin von Wassersportlern genutzt.