Seit dem 8. Januar hat unser Brandenburg eine weitere „Hundertjährige“. Allerdings handelt es sich bei dieser Jubilarin um die Gottfried-Krüger-Brücke. Doch wo befindet sie sich eigentlich? Wer vom Humboldthain aus den Weg zum Salzhof nimmt, dem fällt zweifelsohne beim Blick über die Havel sofort jene so eigenartige Konstruktion auf der gegenüberliegenden Seite ins Auge. Prächtig geschwungen überspannt ihr Bogen den Pumpergraben unmittelbar vor dessen Einmüdung in unseren heimatlichen Fluss. Wohl die allermeisten Brandenburger kennen sie indes unter der Bezeichnung „Bauchschmerzenbrücke“. Und das nun seit genau 100 Jahren.
Übrigens 2009 war die elegante Holzbrücke erneuert worden. Zuvor hatte es dank mehrerer Patenschaften, u.a. seitens der Bundeswehr und kleinerer Firmen, notwendige Instandsetzungsarbeiten gegeben (sie wären inzwischen wieder erforderlich). Anlässlich der BUGA installierte man 2015 parallel zur Brücke eine Passage eigens für Rollstuhlfahrer.

Einweihung am 08. Januar 1922

Werfen wir nun einen Blick zurück in das Jahr 1922. Am jenem 8. Januar war besagte Brücke – damals geschmückt mit Girlanden und Kränzen –, von Oberbürgermeister Walther Ausländer eingeweiht worden. Zuvor hatte es über ihren Bau immer wieder heftige Diskussionen gegeben. Zugleich taten sich vielerlei Probleme auf, wie dazu später Günter Kreschel – ein Experte in Sachen Brandenburger Wasserstraßen – sowie der einstige Museumsdirektor Günter Weigelt bei ihren Recherchen herausfanden.
So wird davon berichtet, dass sich bereits zum Ausklang des 19. Jahrhunderts im Vorfeld des öfteren Streitigkeiten entwickelten. Stellten sich doch nach 1890 vornehmlich der Besitzer der Mostrichfabrik, Heinrich Pintus, sowie der Grundstückseigner August Spitta aus der Grabenstraße gegen das städtische Vorhaben, eine befestigte Ufertraße samt Brücke zu errichten.

Firmeninhaber verhinderten Brückenbau

Schließlich wollten sie als Anlieger ihr Recht durchsetzen, dass ein sogenannter Finowmaß-Kahn mit seiner Höhe von 2,90 Meter über dem Wasserspiegel weiterhin den Pumpergraben passieren könne. Dieser zweigt oberhalb der Stadtschleuse ab, teilt sich im Verlauf der Grabenpromenade (Höhe heutiges Theater). Doch fließt er dann wieder zusammen, dort, wo die Mostrichmühle ihren Standort hatte.
Gleichermaßen wurde dereinst darauf gedrungen, eine Klappenbrücke mit einer Durchfahrtsbreite von sieben Metern zu errichten. Die beiden vorgenannten Firmeninhaber hatten mit ihrer Beschwerde 1893 dann Erfolg. Ein neuer, vom Magistrat 21 Jahre später (!) vorgelegter Entwurf für eine provisorische Fußgängerbrücke scheiterte wiederum an deren Veto. Und so gelang es erst, als die Kommune das Gelände am südlichen Havelufer durch Kauf vergrößern konnte, die geplante Grünanlage nebst Promenadenweg – damals benannt nach dem Lederwarenfabrikanten August Spitta –, von der Langen Brücke aus zu schaffen. Endlich begann 1921 der Bau besagter Überführung, nun aber im Einvernehmen aller „Parteien“.