Aus der 1928 erschienen, von Otto Tschirch verfassten „Geschichte der Chur- und Hauptstadt Brandenburg“ zur Eisenbahnlinie Berlin-Magdeburg über Brandenburg: „Von großer Wichtigkeit für den Aufschwung des gewerblichen Lebens der Stadt war die Fortsetzung des Baues der Berlin-Potsdamer Eisenbahn über Brandenburg hinaus bis Magdeburg. Es erscheint die Anlage, die ja im ganzen den Zug des alten Postweges vom Osten nach dem Westen des altem Brandenburg-Preußens, Memel-Cleve, verfolgt, den ja der Große Kurfürst schon geschaffen hatte, uns heute so natürlich und selbstverständlich, daß man sich nicht versucht fühlt, darüber viele Worte zu machen.

Eine Geschichte voller Wechselfälle und Schwierigkeiten

Und doch ist die Geschichte dieses Baues, der in das erste Jahrzehnt deutscher und preußischer Eisenbahnbauten fällt, voller Wechselfälle und Schwierigkeiten… Im August 1840 trat en Ausschuß an die Öffentlichkeit, der aus Potsdamer, Brandenburger und altmärkischen Persönlichkeiten bestand und dem auch der Oberbürgermeister Ziegler als eifriger Förderer angehörte. Der Plan hatte damals eine von der späteren Ausführung abweichende Form. Man wollte Potsdam (und dadurch Berlin) mit Hamburg verbinden, wobei Magdeburg durch eine Zweigbahn angeschlossen werden sollte.

Über Hamburg nach Magdeburg?

Die Bahnlinie sollte von Potsdam über Brandenburg nach Genthin gehen und von dort über Tangermünde, Stendal, Salzwedel, Lüneberg nach Bergedorf führen, wo sie die schon vorhandene Strecke Bergedorf-Hamburg erreichte. Von Genthin sollte eine Zweigbahn nach Magdeburg gehen und auf diese Weise diese Elbhandelsstadt auf einem Umwege mit Hamburg verbunden werden. Man rühmte diesem Plan den Vorzug der Billigkeit nach, weil die abschließenden Bahnhöfe Hamburg und Berlin bereits vorhanden waren und weil dieses eine Unternehmen, die Herstellung von drei getrennten Linien, Berlin-Hamburg, Berlin- Magdeburg und Magdeburg-Hamburg, ersparte...  

Und doch Potsdam-Magdeburg

Als Magdeburg mit Halberstadt verbunden wurde und die Weiterführung über Braunschweig-Minden-Köln-Aachen-Antwerpen sich als nahe bevorstehend zeigte, als andererseits die Berlin-Anhalter Bahn durch Entstehung der Thüringer Bahn über Halle die Aussicht auf reichen lohnenden Verkehr gewann, fielen endlich die Hindernisse für die Ausführung der Potsdam-Magdeburger Bahn weg, und auch die Geländeschwierigkeiten, die zwischen Potsdam und Brandenburg nicht gering waren, wurden nun überwunden.

Mit mehreren Havelbrücken und einem Damm

Man hatte sich lange ernstliche Gedanken gemacht, wie man aus dem Kessel, in dem die Insel Potsdam liegt, herauskommen könne. Endlich gelang das nicht leichte Werk mit Hilfe mehrerer Havelbrücken und eines Dammes, der durch das Golmer Bruch gezogen wurde. Arge Schwierigkeiten machte dann noch das Jeseriger Loch, das ja auch heute noch öftere Ausbesserungen und Nachschüttungen verlangt. Es wird erzählt, dass diese Sumpfniederung am Götzer See sich zuerst fast als unüberwindbar gezeigt habe, bis man schließlich eine mit Steinen und Sand gefüllte alte Zille in den Abgrund versenkte und auf dieser Grundlage dann den Bahndamm schüttete.

Einst und jetzt



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