Historisch: Sommertheater als Besuchermagnet auf dem Brandenburger Marienberg
Begonnen hatte dort alles 1855. Vor nunmehr 165 Jahren lud nämlich die Restauration „Börners Berg“ erstmals zum Besuch. Schon bald danach, so schrieb später Heimatforscher Friedrich Grasow, etablierte sich in eben diesem Etablissement ein Vergnügungsgarten samt Sommerbühne. Als dann Gebrüder Ahlert die Lokalität erwarben, ging es fortan oberhalb der Kurfürsten-(Wall-)Promenade unter ihrer Regie als „Ahlerts Berg“ erst so richtig los. Dabei war der 17. Mai 1861 ein markantes Datum. An jenem Tag eröffnete dort ein Sommertheater mit eigens dafür hergerichteter Holzbühne.
Mehr als 500 Sitz– sowie 120 Stehplätze boten nach dessen Einweihung beste Möglichkeit, vielerlei Inszenierungen zu erleben. Die Brandenburger waren überaus angetan von dem, was ihnen da so alles angeboten wurde. Renommierte Schauspieler, aber auch Sänger kamen gern auf „Ahlerts Berg“. Sie erfreuten, ja, begeisterten oftmals auf dieser Bühne im Grünen. In dem schönen, großen Garten mit seinen schattenspendenden Laubbäumen, den Kolonnaden sowie attraktiven Bauten gab es Aufführungen von erstaunlich hohem Niveau. Dieses Freilichttheater stand den Großstadtbühnen in keiner Weise nach. Je Saison gab es gar mehr als 120 Vorstellungen, wobei dann über 60 verschiedene Stücke gespielt wurden. Da verwunderte es kaum, dass der Besucherzuspruch jegliches Maß übertraf. Ja, diese seinerzeit wohl beste Spielstätte ihrer Art im deutschen Raum brachte es bis zum 18. September 1911, als sie dann für immer schließen musste, auf 2.800.000 Besucher. Aber schon als der hoch geschätzte Theaterleiter Steingoetter dann Brandenburg verlassen hatte (1904), ging es nach fast vier Jahrzehnten der Blütezeit zunehmend bergab. Zudem setzten inzwischen erhebliche Schäden an der Bausubstanz wie auch Brandschutzmängel dieser Sommerspielstätte immer mehr zu.
Dem hiesigen Stadttheater allerdings war diese Sommerbühne am Marienberg ohnehin von Anfang an ein unwillkommener Konkurrent geblieben, hatte es doch bereits seit 1855 zunehmend an Bedeutung und auch Anziehungskraft eingebüßt. Überdies mussten ab 1862 — bald nachdem im Garten an der Bergstraße die Musen lockten — gar für eine längere Zeit die Vorhänge geschlossen bleiben.
Auf „Ahlerts Berg“ indes waren Abwechslung und Amüsement geradezu garantiert. Selbst die hiesigen Gymnasiasten wussten diesen Ort zu schätzen, als sie beispielsweise im Sommer 1889 anlässlich ihrer Festspielwoche dort eigene Vorstellungen gaben. Und der Blick auf eine Offerte aus dem Jahr 1900 macht nur allzu deutlich, was die Besucher dort jederzeit erwartete. So versprach ein Ph. Schmidt als Betreiber den Brandenburgern und ihren Gästen „das größte Etablissement der Stadt, am Fuße des Marienbergs und an der Wallpromenade belegen, einen großen Garten mit Kolonnaden und Kegelbahn“. Elegante, allem Komfort der Neuzeit aufweisende Restaurationsräume wurden da ebenso gepriesen wie ein Saal mit Tunnel oder auch die Gesellschaftszimmer und zwei Billards. Hinzu kamen u. a. diese Empfehlungen: „vorzügliche Küche, wohlgepflegte Weine und Biere“.
Doch damit nicht genug! Wer sich damals neben dem Sommertheater auf Ahlerts Berg noch weitere Unterhaltung wünschte, konnte des Sonntags dort ein „großes Konzert“ erleben. Jede Woche, so hieß es abschließend in der erwähnten Anzeige, stehe zudem das Abonnements–Konzert auf dem Veranstaltungsprogramm. Ergänzend sei hinzugefügt, dass die Kapelle des Brandenburger Füsilierregiments „Prinz Heinrich von Preußen, Nr. 35“ stets besonders viel Anklang bei den Havelstädtern fand.
Das Gartenlokal „Ahlerts Berg“, wo es übrigens 1908 am 1. April mit einem „Deutschen Abend“ die offizielle Einweihungsfeier für die Bismarckwarte gegeben hatte, blieb dann auch ohne seine so geschätzte Sommerbühne vorerst weiterhin ein Anziehungspunkt. Schließlich aber endete diese ereignisreiche Epoche: Zu Beginn der 1920er Jahre wurde nämlich von Dominikanerinnen innerhalb des Gebäudeensembles der Lokalität das Krankenhaus „Paulusberg“ — Vorgänger des eingangs bereits erwähnten heutigen St. Marien — gegründet.
Aus „Der Marienberg im Wandel der Zeiten“ (M. Lutzens). Erhältlich u.a. bei Thalia, in der Wichern–Buchhandlung, im Archäologischen Landesmuseum.

