Historisches im Fläming
: Strom bringt Licht ins Dunkel

Im Januar 1910 heißt es im Zauch-Belziger-Kreisblatt: „Es wird ernst mit der Einführung des elektrischen Lichtes in unseren Nachbargemeinden Rottstock, Gömnigk, Trebitz, Linthe und Neuendorf.“
Von
Bärbel Kraemer
Fläming
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Die Trafostation in Ziezow.

Chronik Locktow/Ziezow

Auch andernorts waren um diese Zeit Vertreter der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Berlin unterwegs, um für die Idee einer Überlandzentrale in der Region zu werben. Mit ihr sollte es möglich werden, auch die abseits gelegenen Dörfer des Kreises Zauch-Belzig am Fortschritt teilhaben zu lassen und an das Elektrizitätsnetz anzuschließen.

In Cammer fand aus diesem Anlass eine Versammlung in der Gastwirtschaft Block statt. Mehr als 200 Menschen waren anwesend. Eröffnet wurde die Zusammenkunft durch Lehrer Hönow, der nachfolgend das Wort an Ingenieur Borges von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Berlin übergab. Letzterer erklärte Funktion und Kosten die mit dem Anschluss an eine Überlandzentrale verbunden waren. „Er hatte schon im Laufe des Tages verschiedene Gehöfte besucht und dabei den Besitzern erklärt, wie sich am zweckmäßigsten eine solche Anlage gestalten und auf welchen Preis sie sich etwa stellen würde“, heißt es später im Kreisblatt. Außer Rittergutsbesitzer Major von Brösigke, der beim Neubau seines Schlosses in Cammer bereits eine elektrische Lichtanlage vorgesehen hatte, erklärten am Abend knapp 45 Besitzer ihren Eintritt in die Genossenschaft. Damit war die elektrische Anlage auch für Cammer mit Oberjünne und Damelang gesichert.

Im Anschluss reiste Ingenieur Borges in die Niemegker Region. Über den Niemegker Anzeiger waren die Besitzer aus Mörz, Dahnsdorf, Lüsse und Locktow aufgerufen, dem Informationsabend in Bergemanns Gasthof in Mörz zu besuchen. Die Versammlung dort eröffnete Lehrer Krüger, dann sprach - wie in Cammer - Ingenieur Borges. Er wies auf die Vorteile hin, die die Elektrizität der Landwirtschaft bringen würde und empfahl den Beitritt zur Genossenschaft. Später war im Kreisblatt zu lesen, dass an jenem Abend 27 neue Genossen gewonnen wurden. In Neschholz erklärten sich weitere 14 Besitzer bereit und auch Rittergutsbesitzer Engelhardt aus Dahnsdorf trat der Genossenschaft bei. Zu diesem Zeitpunkt war etwa die Hälfte der nötigen 300 Teilnehmer für das Projekt, für den Bau der Überlandzentrale, gefunden. Der erste Genosse, der in die Genossenschaft eintrat, war Landrat von Tschirschky. Schnell folgten immer mehr Besitzer aus den verschiedensten Orten dem Beispiel.

Zum Vorstandsvorsitzenden der Genossenschaft war der Belziger Justizrat Winkler, zu seinem Stellvertreter Belzigs Bürgermeister Stahlberg gewählt worden. Weitere Vorstandsmitglieder waren die Herren von Lochow auf Lübnitz, Eschholz aus Neschholz, Habdank aus Mörz, Paul aus Preußnitz und Jahn aus Grubo. Gewählt wurden außerdem 15 Aufsichtsratmitglieder. Es waren Landrat von Tschirschky, Dr. med. Jahn aus Golzow, Ortsvorsteher Regenstein aus Ragösen, Maurermeister Meier aus Pernitz, Lehrer Hönow aus Cammer, Ortsvorsteher Schulze aus Dippmannsdorf, Ortsvorsteher Rettig aus Schwanebeck, Molkereibesitzer Buschner aus Lütte, Mühlenbesitzer Franz aus Fredersdorf, Hüfner Lüdicke aus Baitz, Hüfner Friedrich Hübner aus Neschholz, Zimmermeister Berkholz aus Wiesenburg, Hüfner Hönow aus Kuhlowitz, Gutsbesitzer Bergemann aus Kranepuhl und Amtsvorsteher Senf aus Dahnsdorf.

Nach der Wahl begann die Kleinarbeit, denn schon im Frühjahr 1910 sollte mit dem Bau der Hochspannungsleitungen begonnen werden. Die Hoffnungen, die in das Projekt gesetzt wurden, waren enorm. In einer von vielen Berichterstattungen, die im Zauch-Belziger Kreisblatt veröffentlicht wurden, heißt es beispielsweise: „Und wenn auch unsere Umgebung erst im elektrischen Lichte erstrahlt, wird der ihr gegebene Beinahme ‚Hundetürkei‘ verschwinden müssen.“ Bis dahin, war es jedoch noch ein weiter Weg und so schnell, wie anfangs gedacht, ließ sich das Werk nicht vollenden. Zumindest hatten Ende des Jahres 1913 bereits die Orte Glindow, Werder, Alttöplitz, Leest, Phöben, Schmergow, Deetz, Krielow, Großkreutz, Damsdorf, Trechwitz, Michelsdorf, Nahmitz, Göhlsdorf, Bochow, Rädel, Altplötzin, Plessow und Derwitz Anschluss an die elektrische Leitung. Im Bau begriffen war die Leitung nach Wust, Schmerzke, Göttin, Reckahn, Krahne, Pernitz, Golzow, Ragösen, Dippmannsdorf, Lütte und Schwanebeck. Als dringendste Bauarbeiten im Rechnungsjahr 1914 waren die Hochspannungsleitung Rädel-Schwina mit Ortsnetz Schwina, Hochspannungsleitung Pernitz-Cammer mit Ortsnetzen in Cammer und Oberjünne sowie die Hochspannungsleitung Schwanebeck-Fredersdorf mit Ortsnetz Fredersdorf vorgesehen.