Kreativer Kopf für Brandenburg
: Urban Luig ist ein kultureller Tausendsassa

Die Havelstadt Brandenburg ist um einen kreativen Kopf reicher:Urban Luig ist der neue künstlerische Leiter der Wredow’schen Kunstschule und der BT-Bürgerbühne.
Von
Th. Messerschmidt
Brandenburg
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Wahl-Brandenburger Urban Luig ist Lokalpatriot geworden und künstlerisch vielseitig aktiv, u. a. als künstlerischer Leiter der Wredow’schen Kunstschule sowie als Leiter der BT-Bürgerbühne.

Th. Messerschmidt

Urban Luig ist gebürtiger Westfale, Jahrgang 1971, und hat sich als Schauspieler für ein Leben mit vielen Stationen entschieden – ausgehend vom Besuch der Schauspielschule in Leipzig ab 1992. Anschließend ging es für eine Zeit lang ans Theater nach Kiel, Paderborn und Berlin – und mit Start des neuen Jahrtausends in die Selbstständigkeit. Um beruflich flexibler zu sein, befleißigte er sich als Moderator und ließ sich zum Personalentwickler und -trainer ausbilden, was ihm die Türen zu großen Firmen wie Siemens, Bosch und deutsche Bahn öffnete. Beim Teambildungstraining hat er sich aufs „Unternehmenstheater“ spezialisiert, setzt auf Rollenspiele, Improvisationstheater und andere Theaterprojekte und verstrickt somit geschickt seine Einsatzgebiete, zu denen sich örtlich vor zehn Jahren Brandenburg an der Havel gesellte. Längst in Berlin ansässig, hatte sich sein Improvisationstheater bis in die Havelstadt herumgesprochen und gastierte nun monatlich bei René Kolldehoff  in der „TheaterKlause“. Sein Glücksfall, wie sich bei der Vorstellung im Herbst 2016 zeigen sollte. Spontan warf er in die Runde, dass seine Familie raus aus Berlin und ins Umland wollte, „was eine Frau in der ersten Reihe mit dem Hinweis quittierte, dass bei ihr im Haus eine schöne Wohnung frei würde. Genau das ist unsere Wohnung geworden. Ein Fingerzeig für mich – und für uns die richtige Entscheidung. Wir wohnen wunderschön am Fuße des Marienbergs und haben Brandenburg als ebenso wunderschöne Stadt entdecken können“, schwärmt Urban Luig, der sich über die Kulturszene immer stärker vernetzt. Er suchte den Kontakt zum event-theater, spielte mit Hank Teuffer „Mit Fontane zu Tisch“, ging auf „Kreuzfahrt mit Fontane“, lernte dadurch Jugendtheater-Leiter Steffan Drotleff kennen, der wiederum Theaterkurse an der Wredow-Schule gab und einen Kurs abgeben wollte. Luig übernahm und bekam, als im Herbst 2019 deren künstlerische Leiterin ging, vom Kuratorium im Dezember die Stelle angetragen. Seine Ideen, beispielsweise die darstellende Kunst durch freie Kurse zu stärken, überzeugten. Zwar ist der Job nur eine Teilzeitbeschäftigung, die aber in Luigs vielfältige Arbeitswelt perfekt passt. Denn er ist weiterhin als Personalentwicklungstrainer eingespannt, als Moderator beispielsweise im Friedrichstadtpalast im Einsatz, mit seinem Impro-Theater deutschlandweit gern gesehener Gast und als Schauspieler z.B. im Kabarett-Theater Distel aktiv. Allerdings wird auch ein „Dauerläufer“ wie er von der Corona-Krise eingebremst. Beim Klostersommer 2020 wär‘ er „Im Wirtshaus im Spessart“ dabei gewesen und muss auch im Brandenburger Theater zurückstecken. Dort leitet er seit Februar 2020 die BT-Bürgerbühne, „eine großartige Einrichtung“, wie er findet, „23 Laienschauspieler, die Lust haben, Theater zu machen, sind derzeit dabei.“ Eigentlich sollte im März die Probenarbeit für eine Weihnachtskomödie beginnen, „dann kam die Eindämmungsverordnung. Seitdem machen wir regelmäßig Online-Meetings, um an Texten zu arbeiten und ein neues Stück zu finden. Vielleicht sind ab Mai wieder Treffen auf der Probebühne möglich“, hofft Luig, der an verschiedenen kulturellen Online-Angeboten beteiligt ist. „Die Corona-Krise eröffnet auch uns Kulturschaffenden neue Möglichkeiten in der digitalen Welt.“ Auch entschleunigt die Krise ein wenig – durch den Wegfall der Vorstellungen in Berlin, von Workshops, Moderationen und Firmen-Auftritten. So bleibt Urban Luig mehr Zeit für die Familie und für die Erkundung der Wahlheimat, „in der es so viel Schönes zu entdecken gibt.“ Sicher ist er sich: „Wir haben die richtige Stadt gefunden!“