Marktschwärmerei
: Regionale Produkte auf Bestellung in Schönwalde

Vor einem halben Jahr eröffnete Ingeborg Schwenger auf dem von ihr betriebenen Landgut Schönwalde die erste Marktschwärmerei im Landkreis Havelland.
Von
Silvia Passow
Schönwalde-Glien
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Inge Schwenger verteilt nicht nur Waren auf dem Landgut Schönwalde, wie auf jedem Markt gehört der Plausch mit den Kunden dazu.

Silvia Passow

Dazu müssen die Kunden einige Tage vorher ihre Waren bestellen. Das Prinzip stellt sicher, es wird nur geerntet wird, was bestellt und damit auch verkauft wird. Die Ware ist frisch und es bleibt nichts übrig. Schwenger kann in ihrer Marktschwärmerei auf die Angebote von fünfzehn Erzeugern aus der Umgebung zurückgreifen. Das Angebot findet sich auf der Internetseite der Marktschwärmerei: Obst, Gemüse, Kräuter, Eier, Milch und Milchprodukte, Honig, Brot, Fleisch, Wurst und Speck. Zubereitete Spezialitäten, wie Pestos, Marmeladen und Sirup, dazu Kosmetik, Kleintierstreu und Dünger.

Neu dabei sind Anbieter, die Marktschwärmereien im Ausland beliefern. Denn das Konzept selbst ist inzwischen in vielen europäischen Ländern bekannt. So kommt das Olivenöl zum Beispiel von einem griechischen Anbieter. 626 Mitglieder um fasst der Kundenstamm mittlerweile. Die Sache hat nur einen Haken: Nur rund die Hälfte der Mitglieder kauft regelmäßig bei der Schwärmerei ein.

Der Wille sei da, glaubt Schwenger. Die Nachfrage nach regionalen Produkten sei vorhanden und erst recht beim Fleischkonsum wollten ihrer Erfahrung nach viele Menschen wissen: Wo kommt das Tier her? Wie hat es gelebt? Wurde es artgerecht gehalten? Wurde ihm, wenn das Tier in der Nachbarschaft lebte, der lange Weg zum Schlachthaus erspart? All diese Fragen können die Tierhalter direkt in der Marktschwärmerei beantworten.

Gerade beim Fleisch sieht Schwenger im Prinzip der Schwärmereien einen großen Vorteil. Anders als im Supermarkt wird hier nach Bedarf verkauft und damit auch geschlachtet. „Es ist doch unendlich traurig, wenn Tiere geschlachtet und ihr Fleisch dann nicht verkauft und gegessen, sondern weggeworfen wird“, sagt Schwenger.

Allerdings, gerade das bestellen im Vorfeld, erscheint nicht für jeden Kunden praktikabel. Es erfordert eine gewisse Planung. Wer in der Marktschwärmerei einkauft, weiß bereits, was am Ende im Einkaufskorb landet. Kein stöbern und schauen, keine Verlockungen, aber auch nicht die Gefahr, zu kaufen, was man eigentlich gar nicht gar nicht braucht. Marktschwärmen ist bewusste Entscheidungen treffen.

Um diese Hürde zu nehmen, kann an jedem ersten Freitag im Monat gekostet, probiert und getestet werden, was die Erzeuger anzubieten haben. Und man kann sich beraten und inspirieren lassen. Neu dabei sind Freshtasia aus Spandau, asiatische Salate, Kräuter und Raritäten wie Bitter–Melone werden von dort angeboten. Ratschläge zur Zubereitung und Rezepte können vor Ort in der Schwärmerei eingeholt werden.

Angelika Glawe sitzt mit ihren Blumen, Kräutern, Obst und Gemüse aus der Luch–Gärtnerei hinter einem der Tische. Sie empfiehlt besonders ihren Löwenzahnsirup. „Der hilft wunderbar gegen Husten und beugt Erkältungen vor“, sagt sie. Sie hat auch Brennnesseln aus ökologischem Anbau dabei. Brennnesseln sollen gegen allerhand Beschwerden helfen, aber brennt das nicht auf der Zunge? Glawe lacht schallend, gibt aber ohne zu zögern zu, dass die Frage naheliegend ist. „Man muss vorher mit dem Nudelholz rüber, dann brennen die nicht mehr“, erklärt sie.

Sie reicht einem ihrer Kunden seine Waren. Der ältere Herr hält die sorgsam zusammengebundenen Radieschen in die Höhe. „Det sind ja schon Rettiche“, ruft er aus und zieht weiter, um sich sein Brot abzuholen. Glawe sieht ihm nach. „Ja, und frischer geht es kaum. Die habe ich vor zwei Stunden aus der Erde gezogen“, sagt sie. Kurz nach dem Herrn kommt einen Neukundin. Sie kommt aus Falkensee, wo ihr ein Angebot an regionalen Waren fehlt, wie sie sagt. Sie ist mit ihren zwei Kindern da. Nach dem Einkauf gehen sie noch die Pferde besuchen. Eine andere Kundin kommt regelmäßig, sagt sie. „Ja klar, weil die Waren von hier sind“, sagt sie und fügt hinzu: „Und weil es schmeckt, was ich hier bekomme. Frischer, lecker, selbstgemacht.“ Eine andere Stammkundin sagt: „Ich komme gern hierher. Nicht nur wegen der regionalen Produkte. Hier stresst mich der Einkauf nicht, hier komme ich beim Einkaufen gleich noch runter.“