Neuaufbau eines historischen Instruments
: Englische Orgel zieht in Brandenburger Kirche ein

Eine englische „Hunting“-Orgel wird der katholischen Kirche „Heilige Dreifaltigkeit“ in Brandenburg an der Havel künftig einen romantischen Klang verleihen.
Von
Alexandra Gebhardt
Brandenburg an der Havel
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Seit 1909 war die "Hunter"-Orgel in der Christ Church in Woking bei London zu Hause. Nun wird sie in der katholischen Kirche "Heilige Dreifaltigkeit" einziehen und dort die bisherige Universalorgel ablösen.

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Zuletzt waren von ihr nur noch vier von sechs Registern bespielbar, umfangreiche Sanierungsarbeiten unausweichlich gewesen. Da eine solch große Investitionen in das vorhandene Instrument jedoch nicht wirtschaftlich wäre, „haben wir uns nach eingehender Beratung mit dem Orgelsachverständigen des Erzbistums, Norbert Gembaczka, für die Erneuerung der Orgel entschieden“, ist auf www.orgel–dreifaltigkeit.de nachzulesen. Schon 2018 gind der Bau– und Förderverein Förderverein der Kirche, eine Interessengemeinschaft aus kirchlichen Gemeindemitgliedern sowie haupt– und ehrenamtlichen Mitarbeitern, deshalb auf die Suche — und wurde in Woking bei London fündig.

Die dortige Christ Church wird derzeit zu einem multifunktionalen Gemeindezentrum umgebaut, die Orgel daher nicht mehr benötigt. Dabei verfügt das historische Instrument über einen besonders facettenreichen Klang, der sich von einheimischen Instrumenten abhebt. Die orgel vornehmlich unter der Leitung von Robert Hunter von der englischen Orgelbaufirma Alfred Hunter & Son und wurde Ostern 1909 durch den Bischof von Guilford geweiht.

Bereits im Februar des vergangenen Jahres stellte der Bauverein die für den Ankauf der Orgel benötigten Mittel zur Verfügung. Damit konnte sich die Gemeinde die Orgel unabhängig von den Umbaumaßnahmen in Woking sichern. Mittlerweile wurde die Orgel fachgerecht demontiert und in Deutschland fachgerecht eingelagert. In Kürze steht der Neuaufbau der Orgel an.

Dabei sollen weite Teile der Hunter–Orgel in der Kirche ein neues Zuhause finden. Aus 13 der 15 Registern und etwa 1.200 historischen Pfeifen soll in Kombination mit moderner technischer Ausstattung ein neues Instrument mit Romantischer Intonation entstehen. Damit verbunden ist das Anliegen, für die heranwachsende Generation die Möglichkeiten eines lebendigen Gemeindelebens auszubauen und die Kirche noch weiter für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zu öffnen und zu Konzerten und Veranstaltungen einzuladen.

Die Kosten für das Projekt liegen bei ca.  230.000 Euro. Getragen werden sollen sie unter anderem durch Benefizkonzerte, Kuchenbasare und Patenschaften für Orgelpfeifen, wie sie vom Verein bereits im vergangenen Jahr zur Adventszeit ausgerichtet wurden (BRAWO berichtete). Zusätzlich unterstützt das Land die Ausführungsplanung in diesem Jahr mit insgesamt 25.000 Euro. Weitere 10.000 Euro kommen aus Lottomitteln des Ministerpräsidenten, 15.000 Euro aus Haushaltsmitteln der Kulturministerin.

„Die Vereinsmitglieder setzen sich seit Jahren für ihre Kirche, das Gemeindeleben und ihre Stadt ein. Dieses bürgerschaftliche Engagement ist beachtlich. Ich unterstütze dieses Projekt gern. Zumal es in den schweren Zeiten der Corona–Krise Motivation und Zuversicht gibt und den Zusammenhalt stärkt — allein schon durch den Gedanken, die Orgel gemeinsam wieder zum Klingen zu bringen und Konzerte zu genießen“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke. Kulturministerin Manja Schüle betonte zudem, dass der Bau– und Förderverein der Dreifaltigkeitskirche eindrucksvoll zeige, wie man regionale Identität bewahren und mit Modernität verbinden könne. „Er steht symbolisch für unzählige Vereine, Initiativen und Privatpersonen, die sich landesweit mit Leidenschaft, Beharrlichkeit, Kreativität und Erfolg für die Erhaltung historischer Bausubstanz einsetzen. Damit ist der Denkmalschutz eine der größten Bürgerbewegungen in Brandenburg. Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement wären viele Kleinode in den Dörfern und Städten nicht zu erhalten, ohne dieses Engagement wäre unser Land ärmer“, würdigte Schüle.