Raus aus der Grauzone
: Fridays for Future am Da-Vinci-Campus in Nauen

Fridays-for-Future-Aktionen werden am Leonardo-da-Vinci-Campus in Nauen mit Hilfe von Projekten in den Unterricht integriert.
Von
Silvia Passow
Nauen
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Prof. Dr. Dieter Neher, Mitglied bei Scientists for Future, referierte am Da-Vinci-Campus in Nauen über Umweltthemen.

Silvia Passow

Am 20. August genau vor einem Jahr hatte die schwedische Aktivistin Greta Thunberg ihre Botschaft „Skolstrejk För Klimatet“ (Schulstreik für das Klima) auf ein Plakat gemalt und sich damit vor den schwedischen Reichstag gesetzt. Seitdem folgten ihrem Vorbild Woche für Woche weltweit Jugendliche. Das amerikanische Magazin „Time“ zählte Thunberg 2019 zu den 100 weltweit einflussreichsten Menschen. „Und auch bei den Schülern und Schülerinnen am Campus ist die Resonanz ungebrochen“, steht es in einer Pressemitteilung des Da-Vinci-Campus’. Man möchte die Schüler und Schülerinnen von Seiten der Schule unterstützen.

Gründel schätzt, dass etwa ein Drittel seiner Schüler an den Klimastreiks teilnehmen. „Wir schätzen den Einsatz unserer Schüler und möchten die Klima-Demos deshalb bei uns legalisieren“, sagt Gündel. Petrovic-Wettstädt stimmt zu. „Bisher brauchte es immer Entschuldigungen durch die Eltern oder Krankmeldungen. Wir möchten hier Sicherheit schaffen und führen Standards ein“, sagt sie.

Seit diesem Schuljahr können die Schüler ab den 10. Klassen die Demos als Teil des Unterrichtes besuchen. Die Demos werden mit Projekten, die sich der Förderung der Nachhaltigkeit widmen, verbunden. Diese Projekte werden von Tutoren und Schülern geplant und umgesetzt. Damit werden die Fridays-for-Future-Aktionen Teil des regulären Unterrichts, einschließlich einer Benotung.

Schüler finden Bekenntnis

der Schule klasse

„Das ist eine bemerkenswerte Aktion“, sagt Adrian. „Damit gibt die Schule auch ein gutes Bild nach Außen ab. Es zeigt, wie sehr man hier hinter uns und unserem Anliegen steht. Unsere Stimme hat nun noch mehr Gewicht“, fügt er hinzu. „Ich fühle mich mit dieser Entscheidung der Schulleitung sehr viel besser. Meine Eltern finden es sehr gut, wenn ich mich politisch einsetze. Doch jetzt geht es ans Abi schreiben, da wurde demonstrieren und gleichzeitig in der Schule nichts versäumen schon schwierig“, erzählt Serafin. „Ich finde es sehr gut, dass die Schule sich hier klar positioniert. Und das motiviert mich auch, weiter für das Klima demonstrieren zu gehen“, sagt Eveline, die sich besonders auf die Projekte freue, wie sie hinzufügt. „Ich fühle mich damit gut von der Schule unterstützt. Es ist unser Leben und ja, Entschuldigung, aber wir werden viel länger mit den heute getroffenen Entscheidungen leben müssen. Wir bekommen die Konsequenzen am deutlichsten zu spüren. Ganz klar, die Haltung unserer Schule sollte anderen Schulen als Beispiel dienen“, sagt Hannah. „Für mich sind die Projekte wichtig und auch die Kontrolle durch die Lehrer. Die hatten uns bisher auch unterstützt. Jetzt wird es bestimmt noch mehr Gemeinschaft bei den Aktionen geben“, denkt Meryem. „Diese Entscheidung der Schulleitung motiviert junge Leute, sich mit Politik zu beschäftigen. Wir alle werden damit ermutigt. Es gibt uns die Möglichkeit, unsere Persönlichkeit zu entwickeln“, sagt Berit.

Angst davor, dass zukünftig die Lehrer am Campus über die Inhalte auf den Plakaten, die Themen entscheiden, haben all diese Jugendlichen nicht, sagen sie. Und damit auch jedem klar ist, was da künftig im Unterricht folgen könnte, gab Prof. Dr. Dieter Neher von der Universität Potsdam wissenschaftliche Einblicke. Neher, der auch den Scientists for Future angehört, macht die Jugend in Energiegewinnung fit, zeigt Emissionsbilanzen und erklärt die Funktionsweise von Solarzellen. Er erläutert den Unterschied zwischen Wetter und Klima, hat Daten dabei, die besagen, dass es in Potsdam im Jahresmittelwert um 1,5 Grad wärmer geworden ist. Er erläutert den Pro-Kopf- und Jahr-Verbrauch an Energie in Deutschland und stellt Forschungen vor, an denen er selbst beteiligt war, um aus einer Solarzelle mehr Energie herauszuholen.

„Aber welchen Sinn hat es, wenn Deutschland die Emissionen senkt und andere Länder nicht? Wie zum Beispiel China“, will eine Schülerin wissen. „Es macht nicht nur Sinn, es sichert die Zukunft“, sagt Neher. Er plädiert für die umstrittene CO2-Steuer. „Wenn es eine Steuer auf Emissionen gibt, wird jeder bestrebt sein, weniger davon zu verursachen“, ist seine Meinung. Auch der Verbrennungsmotor könnte irgendwann zum Ladenhüter werden, mutmaßt er. „Möglicherweise will in zwanzig Jahren niemand mehr ein Auto mit solch einem Motor kaufen. Wir müssen hier Vorreiter sein, sonst haben wir verloren“, sagt Neher.

Neben den Freitagskundgebungen in vielen Städten und Gemeinden gab es am 20. September eine Globale Veranstaltung. Für die Schüler am Leonardo-da-Vinci-Campus stellte eine Teilnahme dann keinen Gewissenskonflikt mehr dar.