Komponist David Robert Coleman realisiert die besondere musikalische Darbietung: "Das Stück klingt wie aus dem 18. Jahrhundert und ist dabei gleichzeitig hochmodern. Magie und Surrealität haben mich schon seit der Kindheit fasziniert und legten die Wurzeln für meine Kreativität. Ich möchte, dass das Publikum durch die Musik in den Bann gezogen und sinnlich berührt wird."
Mit dem Ziel eine Kammeroper zu komponieren, erschuf er gemeinsam mit der österreichisch-amerikanischen Autorin Irene Dische deshalb einen Struwwelpeter unserer Zeit. "Beim Schreiben des Librettos habe ich mich auf das konzentriert, was mich interessiert und bewegt. Und das sind einerseits die vielen mexikanischen Kinder, die an der Grenze von ihren Eltern getrennt wurden und andererseits die syrischen Kinder, die in der Türkei hart arbeiten müssen und ebenfalls weit weg von ihren Eltern ihr Dasein fristen. Also habe ich die Figuren des Stückes in ein Geflüchtetenheim gesetzt und die Geschichte so in die heutige Zeit verortet. Und in dieser Geschichte ist Struwwelpeter wirklich mal ein Held!", erläutert Irene Dische.
In ihrer Version trägt der geflüchtete Junge Peter aufgrund seiner wilden Frisur den Spitznamen "Struwwelpeter" und weigert sich strikt dagegen, die Haare zu schneiden. Vom Psychiater Dr. Hoffmann wird er in einer typisch westlichen Familie untergebracht, die von außen glücklich erscheint, bei genauerem Hinsehen aber desolate Zustände durchblicken lässt.
"Das Stück betreibt eine harsche Gesellschafts- und Systemkritik. Gepaart mit einem gekonnten Sprachwitz entsteht eine schillernde Show neben der bitterbösen Farce",  beschreibt Regisseurin Sofia Simitzis. Dische interpretiert dabei alle bekannten Charaktere der 200 Jahre alten Geschichte vom Struwwelpeter neu und erschafft eine fantasievolle Welt die mit der heutigen Realität verwurzelt ist.
In Kooperation mit dem Ensemble Quillo, ein Zusammenschluss internationaler Künstler für die Verbreitung zeitgenössischer Musik und Künste aus der Uckermark, und den Brandenburger Symphonikern wird das märchenhafte aber moderne Stück jedoch nur zweimal im Brandenburger Theater aufgeführt.Anschließend wird es im Kleistforum Frankfurt/Oder und den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt gezeigt. Im Jahr 2020 folgen weitere Aufführungen in der Northern Ireland Opera in Belfast, Irland. "Das ist erst einmal der Beginn und wir hoffen auf viele weitere Aufführungen in der Zukunft", berichtet Ursula Weiler, künstlerische Leiterin des Ensemble Quillo "Wir freuen uns sehr, dem Publikum so ein facettenreiches und schillerndes Team präsentieren zu können!"
Geeignet ist das 80-minütige Stück für alle Generationen, die sich gern in Musik verlieren und gern zugucken und verweilen. Die kunstfertigen Liedtexte sind in englischer Reimform geschrieben, daher haben die Organisatoren dafür gesorgt, dass es Untertitelungen in ausreichender Form gibt. Wer möchte, kann sich dazu bereits Zuhause mit der deutschen Übersetzung auseinandersetzen. "Genauso, wie man es bei einer italienischen Oper tun würde", empfiehlt Weiler und weiter: "Andererseits ist es überhaupt nicht dramatisch, wenn man nicht alles versteht und sich streckenweise der musikalischen Realisierung, dem Rhythmus, den bunten Kostümen oder der glasklaren Stimme Nicolas hingibt."
So dreht sich an den Abenden Mittwoch, 30. Oktober, und Freitag, 1. November, alles um die Frage, ob es für den modernen Struwwelpeter eine Zukunft gibt. "Wir wollen, dass die Zukunft vor den Kindern liegt und nicht schon im Voraus festgelegt ist", betont Weiler abschließend.
Wer einen Vorgeschmack auf das Stück bekommen möchte, kann ab Mitte der Woche den Teaser online auf der Theaterwebseite anschauen und auch gern in den sozialen Medien teilen.