UN-Delegierte: Probleme und Wünsche der Jugend

Draußen Hitze, drinnen wurde ebenfalls heiß diskutiert: Jugendliche im Gespräch mit Josephine Hebling (2.v.re.).
Silvia PassowEs war ein Arbeitsbesuch. Die UN-Delegierte für die Jugend in Deutschland tourt gemeinsam mit Nikolas Karanikolas, ebenfalls UN-Jugenddelegierter, durchs Land. Karanikolas war verhindert, Hebling kam allein. Ziel der Deutschlandtour der beiden ist es, sich bei der Jugend vor Ort über deren Probleme, Forderungen und Wünsche zu informieren. In Workshops werden die Prioritäten der jungen Menschen gesammelt, zu Papier gebracht und mit Forderungen versehen.
Mit dem Aussenden der Jugenddelegierten sollen Jugendthemen einen Weg in die Vereinten Nationen finden. Ende August werden die beiden deutschen Delegierten mit den Jugenddelegierten aus den anderen europäischen Ländern zusammentreffen und sich auf den Herbst vorbereiten. Denn im Oktober geht es nach New York, ins Herzstück der Vereinten Nationen. Dort wird Hebling vor der UN-Generalversammlung und dem Wirtschafts- und Sozialrat reden und so als Stimme der Jugend, deren Forderungen an die Vereinten Nationen weiterreichen.
In jedem Jahr werden neue Jugenddelegierte berufen. Träger des Programms ist das Deutsche Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Im Ministerium, wo sie ihre Arbeit aufnahm, wurde Hebling auf das Jugendforum Falkensee aufmerksam gemacht, als sie nach Gemeinden fragte, in denen engagierte Jugendliche zu finden sind. „Das Jugendforum Falkensee war eine der Top-drei-Empfehlungen“, sagt die 19-jährige Hebling.
60 Bewerber auf die diplomatische Mission im Dienst der UN und der Jugend hatte es für dieses Jahr gegeben. Die aus Freiburg im Breisgau stammende Hebling studiert Politikwissenschaften. Falkensee ist der dritte Stopp auf ihrer Deutschlandtour. Ihre Motivation für die Aufgabe: „Ich merke oft, dass über die Köpfe der Jugend hinweg entschieden wird. Ich möchte mich einsetzen, damit Jugendliche Gehör in der Politik finden“, sagt sie.
Was die Jugend aus Falkensee der Delegierten mit auf die Reise gibt: Mehr gegen den Klimawandel unternehmen, mehr Einsatz für die Umwelt und den Artenschutz. Friedenspolitik ist ein großes Thema. Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit, gelebte Inklusion, gehören zu den Forderungen, die sie noch genauer für Hebling ausarbeiteten.
Viel Raum nahm das Thema Bildung ein. Gleiche Chancen für alle, ganz allgemein. Jeder Jugendlicher sollte Englisch lernen, damit alle miteinander reden können, wird es konkreter. Großer Austausch bei der Frage, was den Schülern im Geschichtsunterricht vermittelt wird. Zu wenig, da herrscht Konsens. Die Kolonialzeit wird als Beispiel genannt. Die Auswirkungen auf die Länder, welche ihrer natürlichen Ressourcen durch die Kolonialmächte beraubt wurden. Erst wenn man die Geschichte kenne, verstehe man das Heute, sagt einer der Jugendlichen.
Die Privatisierung von Trinkwasser verbieten, aber auch keine deutschen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete fordern die anwesenden Jugendlichen. Mehr junge Menschen in die Politik holen. Eher am Rande fällt das Wort Digitalisierung. Hebling wird all dies mitnehmen, sammeln und in New York vortragen.
Sind das die üblichen Themen auf ihrer Tour? Ja, sagt sie, es gibt wiederkehrende Themen. Klimaschutz, Chancengleichheit und Bildung ständen überall zur Diskussion. Ab und an kämen auch neue Ideen dazu. So etwas wie ein Ost/Westgefälle sei ihr bisher noch nicht begegnet, sagt sie. Im Gegenteil: „Ich habe den Eindruck gewonnen, die Jugendlichen, ganz egal wo, ziehen an einem Strang.“