Waldnutzung: Der kleine Wunderwald in Elstal

Auch die Kinder hatten ein Geschenk dabei und überreichen es Nicole Neugebauer als Dank für Spiel & Spaß im Wald.
Silvia Passow„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln & Flügel“. So soll es Johann Wolfgang von Goethe gesagt haben und manch alte Weisheit gilt noch heute. „Wir sollten alles daransetzen, dass unsere Kinder einen Bezug zur Natur haben“, sagt die Naturpädagogin der Kita Kinderland, Nicole Schmidtsdorf. Rund 50 Kinder werden in der Kita Kinderland betreut, 18 von ihnen sind in der Waldgruppe. Nur hatten die Waldkinder zuletzt keinen Wald mehr. Schuld daran war Xavier, jener Sturm, der vor zwei Jahren vielen Bäumen den Garaus machte, dicke Bäume wie Streichhölzer kippen ließ. Xavier hatte den Wald der Kinder in einen gefährlichen Ort verwandelt, spielen und toben waren hier nicht mehr möglich. Dass die Waldkinder ohne Wald bleiben sollten, war aus Sicht des parteilosen Bürgermeisters Holger Schreiber, nicht hinnehmbar. Er erklärte die Suche nach einem neuen Waldgrundstück zur Chefsache.
Es standen zunächst einige Waldgrundstücke in Elstal zur Auswahl. Eines der wichtigsten Kriterien für die Auswahl war die Nähe zur Kita. An das Waldgrundstück in der Rosa–Luxemburg–Allee kann Bürgermeister Schreiber sich noch aus Kindheitstagen erinnern, sagt er. 12.000 Quadratmeter groß, etwa 500 Meter von der Kita entfernt schien das Waldstück optimal. Nur wem gehört der Wald? Die Eigentümer, eine Erbengemeinschaft, musste erst ermittelt werden, wurde aber alsbald gefunden. Für die Idee, das Grundstück den Kindern zur Nutzung zu überlassen, konnten sich die vier Erben schnell erwärmen. Die Gemeinde veranlasste die Beräumung und Sicherung des Waldes. Für die Sicherheit und Pflege will die Gemeinde auch weiterhin Sorge tragen.
„Das Waldgrundstück hier ist die perfekte Lösung“, sagt Bürgermeister Schreiber. „Wir sind von Herzen dafür dankbar“, sagt Naturpädagogin Schmidtsdorf. Am Dienstag übergab die Erbengemeinschaft das Waldgrundstück zur Nutzung an die Kita Kinderland. Einer der Erben ist Hans–Peter Falk und er ist extra für diesen Termin aus Lüneburg angereist. Mitte der 1990er Jahre hatte er das Grundstück geerbt. Von der Großmutter ging es an die Mutter, diese hatte es an die Tante vererbt und schließlich auch an ihn. „Ich freue mich sehr über diese Nutzung des Waldes“, sagt er. Auch dabei, Erbin Nicole Neugebauer. Beide übergaben nicht nur den Wald zur Nutzung, sondern auch allerhand Spielgerät. Auch Schreiber hat Geschenke dabei und überreicht zwei Tretroller.
„Die Erinnerung an die Kindheit hält ein Leben lang“, sagt Schmidtsdorf, die mit diesem Wald viele, schöne Erinnerungen fürs ganze Leben mitgeben will. Die Kinder der Waldgruppe werden wieder mit Ästen, Eicheln und mitgebrachten Werkzeugen spielen, bauen, entdecken, Ideen verwirklichen. Mit Seilen werden Klettergerüste und Schaukeln gebaut. Sie werden den Verlauf der Jahreszeiten ganz anders wahrnehmen, sagt die Naturpädagogin. Sie lernen die Waldbewohner kennen und begegnen jedem Tag neuen Abenteuern. Schmidtsdorf geht mit den Kindern jeden Tag in den Wald, schlechtes Wetter kennt man hier nicht. Es sei denn, es wäre zu gefährlich.
Nebeneffekt, die Kinder sind seltener krank und sie bewegen sich sicherer, sagt sie. Seit 14 Jahren geht sie mit den Kindern in den Wald, wirklich schwere Verletzungen gab es dabei nie, sagt sie. Mal ein Splitter im Finger, blaue Flecke oder eine Zecke als Mitbringsel, sind die üblichen Beiwerke. Flecken in der Kleidung gehören zum Standard, so wie bei Nils, der kurz erklärt, wie toll er den Wald findet und gleich wieder im Geäst verschwunden ist. Seine Mutter sieht ihm nach. Sie hält Nils kleine Schwester an der Hand. „Ich freue mich sehr, dass Nils wieder in den Wald kann“, sagt sie. Nicht mehr lange und dann wird auch seine Schwester ein „Waldkind“ der Kita Kinderland werden. Und nicht nur dem Namen nach, sie wird dann auch täglich im Wald spielen dürfen.