1. Mai: Arbeitskampf auf Volksfest

"Wann wir schreiten Seit’ an Seit’": Der Demonstrationszug bewegt sich vom Karl-Marx-Platz bis zum Markt. Ganz vorn mit dabei sind auch Beschäftigte der Gesellschaft für Leben und Gesundheit, die später einen der Rettungsringe an die Ministerin übergeben.
Sven KlamannVon den elf Tochterfirmen der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG) ist nicht einmal die Hälfte tarifgebunden. Eine Arzthelferin, die in den Medizinischen Versorgungszentren in Eberswalde oder Finowfurt arbeitet, gehe mit monatlich 1000 Euro netto nach Hause. Auf diese Umstände, die sie für einen Misstand, sogar einen Skandal halten, haben Marco Stropp, der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates und für die Arbeitnehmervertretung des Martin-Gropius-Krankenhauses, sowie seine für das Werner-Forßmann-Krankenhaus tätige Kollegin Ursula Kregel auf dem Marktplatz hingewiesen.
Ministerin wünscht viel Erfolg
Ihre Botschaft erreichte am Mittwochmittag mehr als 300 Zuhörer. Sie war vor allem an Susanna Karawanskij (Linke), Brandenburgs Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, gerichtet, die auf der vom Kreisverband Barnim des Deutschen Gewerkschaftsbundes ausgerichteten Kundgebung die Mai-Rede gehalten hatte. Und sie war noch deutlicher für Barnims Landrat Daniel Kurth (SPD) bestimmt, der zu den Besuchern auf dem Marktplatz zählte und dem Aufsichtsrat des kommunalen Gesundheitskonzernes vorsteht, in dem es mehr als 3500 Beschäftigte gibt. „Fürs Werner-Formann-Krankenhaus, in dem mehr als 1000 Leute arbeiten, und fürs Martin-Gropius-Krankenhaus mit 800 Leuten haben wir Haustarifverträge“, berichtete Marco Stropp. Die dort Beschäftigten seien 25 bis 30 Prozent schlechter gestellt als die Kollegen im öffentlichen Dienst. Der Konzernbetriebsrat kämpfe für einen GLG-einheitlichen Tarifvertrag, der auch der Nachwuchskräftesicherung diene. Derzeit würden Berufsanfänger lieber in Berlin arbeiten, weil sie dort monatlich 500 bis 600 Euro mehr verdienen.
Der Landrat zeigte sich am Rande der Kundgebung gesprächsbereit, die Ministerin wünschte den Betriebsräten „einen langen Atem und viel Erfolg“.
Kleiner Demonstrationszug
In ihrer Ansprache hatte Susanna Karawanskij, dezent im Wahlkampfmodus, die Brandenburger aufgefordert, ihr und ihren Kabinettskollegen direkt zu sagen, wo sie der Schuh drückt, auf jeden Fall wählen zu gehen und selbst politisch aktiv zu werden.
Im Vorfeld der Mai-Kundgebung hatte es eine Demonstration mit vielleicht 70 Teilnehmern gegeben, die am Karl-Marx-Platz begann. Auf dem Markt gab es dann neben den flammenden Reden viel Musik und Tanz.
GLG-Struktur undTarifautonomie
Die GLG gehört zu 71,1 Prozent dem Landkreis Barnim, zu 25,1 Prozent dem Landkreis Uckermark und zu 3,8 Prozent der Stadt Eberswalde. Aktuell laufen Tarifverhandlungen am Werner-Forßmann-Krankenhaus. Verhandlungspartner sind die Geschäftsführung und die Dienstleistungsgewerkschaft. In Deutschland gilt die Tarifautonomie, die jede staatliche Einflussnahme ausschließt.⇥sk
