Abriss: Schornstein vom ehemaligen Walzwerk wird abgerissen

Schicht für Schicht kleiner: Ein Kran trägt den Schornstein auf dem Areal des frühen Walzwerks ab.
MOZ/Thomas BurckhardtWalzwerk Finow steht in Großbuchstaben aus weißer Farbe auf dem leeren Kessel aus Stahl, der den Ziegelstein–Turm beinahe an dessen Spitze umschließt und einst als Wasserspeicher diente. Schicht für Schicht wird der Gebäudeteil abgetragen, der aus einer vermieteten Halle herausragt.
„Wir hoffen, dass wir den Rückbau bis Ende März kommenden Jahres abschließen können“, sagt Christian Satlow, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Theo Steil mit Hauptsitz in Trier (Rheinland–Pfalz), die an der Angermünder Straße in Eberswalde eine Niederlassung betreibt, in der Schrott verwertet wird. Seine Firma hatte die Liegenschaft 2012 aus der Insolvenzmasse der Walzwerk Finow GmbH erworben.
Dem eigentlichen Abriss von Schornstein und Wasserspeicher werde sich dann noch die fachgerechte Entsorgung der von Baggerschaufeln abgetragenen Materialien anschließen, fügt der Vertreter des Eigentümers hinzu.
Das momentan täglich kleiner werdende Wahrzeichen von Finow sei in einem bedenklichen baulichen Zustand gewesen, betont der Vertreter des Eigentümers. „Aus der Fassade sind vereinzelt sogar schon Ziegelsteine abgebröckelt und hinabgefallen — zum Glück, ohne dabei Schaden anzurichten“, berichtet der Geschäftsführer, der darauf hinweist, dass es einen enormen technischen und finanziellen Aufwand kosten würde, Schornstein und Wasserspeicher so zu sanieren, dass sie für die Nachwelt erhalten bleiben.
„Doch wozu?“, fragt Christian Satlow. Denn der Gebäudeteil werde wirtschaftlich nicht mehr benötigt. Der Unternehmensgruppe sei natürlich klar, dass der Turm vor allem für die Finower eine hohe Symbolkraft besitze. Deshalb sei die Entscheidung zum Abriss alles andere als leichtfertig getroffen und längere Zeit hinausgeschoben worden.
Die Sicherheit gehe vor, gibt der Geschäftsführer als Devise aus. Weil Schornstein und Turm von einer in Nutzung befindlichen Halle umgeben seien und es in der unmittelbaren Umgebung weitere Gebäude gebe, sei der Einsatz von Sprengstoff nicht in Frage gekommen.
Zweites Gebäude im Fokus
Auf dem Grundstück gibt es noch einen weiteren Schornstein, der etwa die gleiche Höhe aufweist, aber besser in Schuss ist. Deswegen gehe es diesem Turm fürs Erste nicht an die Ziegelsteine, kündigt der Vertreter des Eigentümers an, ohne eine Bestandsgarantie auszusprechen. Denn benötigt werde das zweite Gebäude, auf dem nach der Wende länger eine Mobilfunkantenne installiert war, ebenfalls nicht mehr. „Wir behalten die Statik im Auge und sind wachsam“, betont der Geschäftsführer.
Wie alt der im Verschwinden begriffene Schornstein ist, kann Christian Satlow nur vermuten. "Vielleicht so alt wie das Walzwerk?“, spekuliert er.
Wasser aus dem Finowkanal
Einer, der es genauer wissen dürfte, ist Andreas Mroß. Der Finower hat jahrzehntelang im Walzwerk gearbeitet und geht davon aus, dass beide Türme kurz nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden. „Der Schornstein, der jetzt verloren geht, gehörte zum Ofen der Warmbadstraße“, berichtet er. Der Speicher sei mit Wasser aus dem Finowkanal gefüllt gewesen, das wegen des im Schornstein aufsteigenden Dampfes selbst bei klirrendem Frost nie einfror, erzählt Andreas Mroß.
Auf Facebook sorgt der voranschreitende Abriss für Ärger und Verdruss. „Finow wird alles genommen, was es einmal ausgemacht hat“, heißt es da unter anderem. „Schade. So verschwindet nach und nach Geschichte“, lautet ein anderer Kommentar.
