Ärgernis
: Motorradfahrer oft zu laut - und das ganz legal

Der Landkreis Barnim widmet sich dem Motorradlärm – doch in puncto Lautstärke fehlt eine gesetzliche Handhabe.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
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Alles in Ordnung? In einer landesweiten Aktion werden im Mai von der Polizei Motorräder kontrolliert. Ein Polizist weist zwei Fahrern auf ihren Maschinen die Richtung. Überprüft wurden dabei auch unerlaubte Modifikationen.

Florian Granzow

Landrat Daniel Kurth, Barnims Polizeichef Jens Starigk und Britz-Chorin-Oderbergs Amtsdirektor Jörg Matthes haben etwas gemeinsam. Sie sind bekennende Motorradfahrer.

Und sie alle haben sich nun auf die Fahnen geschrieben, etwas  gegen den von Anwohnern beklagten Motorradlärm im Landkreis zu tun. Nicht nur die drei allein. Zu einer Konferenz zu diesem Thema waren am Dienstag auch Vertreter anderer Kommunen ins Paul-Wunderlich-Haus nach Eberswalde gekommen. Eingeladen hatte man sich zudem Experten der Dekra.

Die Erkenntnisse aus dem Gehörten präsentierten die eingangs Genannten im Anschluss im Beratungsraum des Landrats. Eine Erkenntnis: Es gibt keine gerichtsfeste Methode, um den Lärm der Krafträder zu messen. Einen Grenzwert gebe es durchaus. Dieser besage aber nur, dass die Fahrzeuge bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern nicht lauter als 77 Dezibel sein dürfen. Sind sie schneller, dürfen sie auch lauter sein.

Gemessen werde die Dezibelzahl bereits. So verwies Jörg Matthes auf das Dialogdisplay in Niederfinow, das nicht nur die Lautstärke der vorbeifahrenden Fahrzeuge erfasse und die Fahrer auf zu laute Pegel hinweist, sondern auch zwischen Pkw, Lkw und Krad unterscheiden kann. Die Ergebnisse sollen demnächst im Gemeinderat vorgestellt werden. Sie liefern Argumente für verkehrsrechtliche Maßnahmen. Aber auch sie sind kein Mittel um Fahrer zu lauter Maschinen zu sanktionieren. Gerade im touristischen Hotspot Niederfinow, das mit dem Schiffshebewerk lockt, sei der Lärmpegel durch Motorräder laut Matthes in jeder Gemeindevertretersitzung Thema. Der Amtsdirektor selbst habe das Problem an einem Mai-Wochenende erlebt. „Die Lärmbelastung ist subjektiv schon sehr hoch“, berichtet er.

Streckensperrung letztes Mittel

Die Niederfinower sind nicht die einzigen Lärmgeplagten. Auch in der Joachimsthaler Stadtverordnetenversammlung ist die Geräuschbelästigung durch Motorradfahrer häufig Thema. Die Seerandstraße entlang des Werbellinsees ist eine beliebte Strecke. Dort wurden in der Vergangenheit stärkere Geschwindigkeitskontrollen gefordert. Und zwar dann, wenn die Motorradfahrer unterwegs sind: am Wochenende. Doch könne die Barnimer Polizei nicht jeden Sonnabend und Sonntag präsent sein, so Inspektionsleiter Starigk dazu. Einmal im Monat gebe es eine Großkontrolle  zu einem bestimmten Themenschwerpunkt und je nach Personal, das zur Verfügung steht. Die Besetzung sei unter der Woche tatsächlich stärker, auch deshalb, weil das Unfallgeschehen dann höher sei. Jörg Matthes aber wies in diesem Zusammenhang nochmal auf die Bedeutung einer standardisierten, legalisierten Lautstärkemessung hin. „Wir müssen die Polizei zunächst in die Lage versetzen, gegen die schwarzen Schafe vorzugehen“, betonte er.

Die schwarzen Schafe sprach auch Landrat Daniel Kurth an. Geschätzte 80 oder auch 99 Prozent seien nämlich gute Motorradfahrer und es seien nicht allein die Gäste von außerhalb der Kreisgrenzen, die ihre Maschinen aufdrehen würden, stellte er klar. Deshalb soll dem Problem zunächst mit weniger drastischen Mitteln begegnet werden: Geschwindigkeitsbegrenzungen, Dialogdisplays mit Geräuschmessung und, wie Jörg Matthes es ausdrückte, den Fahrern partnerschaftlich die Hand zu reichen, an Motorradverbände heranzutreten und so eine Verhaltensänderung herbeizuführen.

Das drastische Mittel hieße Streckensperrung für Motorräder. Die zieht Landrat Daniel Kurth zwar nicht in Erwägung, schloss aber ein Nachdenken über eine solche Sperrung ab 21 Uhr nicht aus. Fest steht nach der Konferenz zum Motorradlärm: Es soll eine Wiederholung geben. Und das noch vor Saisonstart im nächsten Frühjahr.