Arzt in Eberswalde: OP-Roboter und Diagnostik per KI – Ethik in der Medizin

Längst Alltag an deutschen Kliniken: Roboter-assistierte Operationen. Hier ein Prostata-Eingriff.
Christian Charisius/dpa- Symposium 2025 in Eberswalde: KI in der Medizin – Chancen und Grenzen im Fokus.
- Haftungsfragen bei KI-gestützten Behandlungsfehlern werden kontrovers diskutiert.
- Experten berichten über KI in Diagnostik, OP-Robotik und Gesundheits-Apps.
- Fortschritte: KI erkennt Tumore, hilft bei Implantatplanung und Demenzdiagnose.
- Ethikfragen: Kann KI Ärzte ersetzen? Öffentliche Debatte am 15. Oktober in Eberswalde.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eine Ärztin unter Anklage, ein KI-System unter Verdacht. Einer Medizinerin ist bei der Operation ein Behandlungsfehler unterlaufen, der Patient stirbt. Daraufhin wird die Ärztin wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Doch die Operateurin wurde bei dem Eingriff von einem KI-System unterstützt. Gehört deshalb nicht die KI bzw. ihr Entwickler auf die Anklagebank?
Dieser spannenden Frage gehen Rechtsmediziner Michael Tsokos und Strafverteidiger Florian Schwiecker in „Der erste Patient“ nach. In dem 2024 veröffentlichten Justizkrimi gewährt das Duo exklusive Insider-Einblicke in die Medizin der Zukunft, das Justizsystem sowie die Rechtsmedizin. Abseits der Fiktion befassen sie sich mit einem durchaus komplexen Thema: dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin und sich daraus ergebenden Konsequenzen. Beispielsweise Haftungsfragen.
Dr. Malte Schmieding von der Charité als Referent gewonnen
Genau diese Aspekte stehen auch im Fokus des Ethiktages 2025, zu dem der regionale Klinikkonzern GLG am 15. Oktober einlädt: „Künstliche Intelligenz im Krankenhaus – Möglichkeiten und Grenzen“. Für die Veranstaltung konnte das Klinische Ethikkomitee der GLG unter Vorsitz von Viola Franke Dr. Malte Schmieding gewinnen, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Informatik an der Charité Berlin zu Fragen rund um KI forscht. Einer seiner Schwerpunkte sind dabei Gesundheits-Apps, insbesondere sogenannte symptom-checker-apps.
Ferner nehmen teil Prof. Dr. Angelika Keitel, die Datenschutzbeauftragte der GLG, sowie vier Chefärzte aus dem Eberswalder Werner-Forßmann-Krankenhaus: Ralph Schrader (Strahlentherapie), Dr. Dr. Meikel Vesper (Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie), Susanne Hengst (Radiologie und Neuroradiologie) sowie Dr. Stefan Schreiber (Neurochirurgie). Diese vier Mediziner werden konkret über digitale und KI-basierte oder KI- unterstützende Anwendungsbeispiele aus ihrer Praxis berichten. Bei der Operation, bei der OP-Vorbereitung oder in der Diagnostik.
KI aus der Radiologie kaum noch wegzudenken
Längst haben beispielsweise nicht nur in der Reha Robotik-gestützte Trainingsgeräte Einzug gehalten oder auf Stationen Pflege-Roboter, auch im OP-Saal setzen Chirurgen der unterschiedlichsten Fachrichtungen auf Assistenz durch OP-Roboter. Und kommt KI in der Bildgebung zum Einsatz. Zur Auswertung von Bilddaten, von CT- oder MRT-Aufnahmen. Trainierte KI-Systeme erkennen beispielsweise Tumore auf Bildern mit der Genauigkeit eines geschulten Spezialisten und sogar darüber hinaus. Beziehungsweise sehr viel schneller. Mehr noch: Dank eines Abgleichs mit Millionen von Datensätzen können Behandlungsoptionen abgeleitet werden.

Leitet seit vielen Jahren das Klinische Ethikkomitee der GLG: Viola Franke. Sie arbeitet als Logopädin im Werner-Forßmann-Krankenhaus Eberswalde.
Hans Wiedl/GLGWas KI und digitale Medizin können, darüber gibt auch die jüngste Ausgabe des GLG-Magazins „Leben & Gesundheit“ Auskunft. Dort berichtet beispielsweise Dr. Dr. Meikel Vesper, wie die Digitale Volumentomographie zur hochauflösenden 3D-Darstellung des Kiefers und Bohrschablonen aus dem 3D-Drucker die individuelle Implantatplanung verbessern. Und somit auch den postoperativen Heilungsprozess.
Neue Möglichkeiten eröffnen sich ebenso durch den „Digitalen Zwilling“, durch genetische Marker für Erbkrankheiten, die die KI schon bei Föten identifiziert, oder durch den Einsatz der KI zum Erkennen einer beginnenden Demenz. Was gleichsam die Frage nach den Grenzen, nach ethischen Aspekten aufwirft. Und der Frage, ob KI irgendwann den Arzt, den Therapeuten ersetzt. Selbst in der Psychiatrie haben bekanntlich schon KI-Chatbots Einzug gehalten.
Eberswalder Ethikkomitee greift wiederholt brisante Themen auf
Die Frage, die sich nicht nur Philosophen und Medizinethiker stellen, lautet also: Darf KI auch alles, was sie kann? Prof. Julian Nida-Rümelin, bis vor kurzem stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, und Nathalie Weidenfeld setzen sich damit in ihrem Buch „Was kann und darf Künstliche Intelligenz“ auseinander. Und sie sagen: „Denn am Ende sind es wir Menschen, die über den Einsatz der KI entscheiden und die die ethische Verantwortung dafür tragen müssen.“
Das Klinische Ethikkomitee der GLG hofft auf eine spannende Debatte, zu der interessierte Bürger eingeladen sind. Einmal im Jahr veranstaltet das Gremium eine Art öffentliches Symposium zu aktuellen und hochbrisanten Themen. So ging es in der Vergangenheit beispielsweise um selbstbestimmtes Sterben oder Rechte am Anfang des Lebens. Oder auch um das höchst kontrovers diskutierte Thema Organspende.
Öffentlicher Ethiktag der GLG: 15. Oktober von 15 bis 18 Uhr im EBU-Zent (am Forßmann-Krankenhaus), Am Krankenhaus 12 in Eberswalde
