Zwischen 50 und 100 Menschen haben am 13. April 2021 an einer Kundgebung vor der Ausländerbehörde in Eberswalde teilgenommen. Aufgerufen hatte die Gruppe „Barnim für alle“. Sie kritisiert die Ungerechtigkeiten, denen Asylsuchende im Landkreis Barnim und in ganz Brandenburg systematisch ausgesetzt seien. „Aufgrund des bewussten Drucks von Ausländerbehörden gab es in letzter Zeit mehrere Selbstmorde“, schreibt die Initiative auf der Internetseite www.b-asyl-barnim.de. Geflüchtete würden teilweise jahrelang keine Lebensperspektiven, keine Beschäftigungsmöglichkeiten und keine Aufenthaltsberechtigung bekommen, lautet der Vorwurf.

Im März große Kundgebung am Bahnhof Eberswalde

Erst vor drei Wochen hatte „Barnim für alle“ den Selbstmord des 35-jährigen Salah Tayyar aus dem Tschad zum Anlass einer großen Demonstration am Eberswalder Bahnhof genommen. Der Asylantrag des Geflüchteten, der in Eberswalde wohnte, war abgelehnt worden. Noch vor einem Gerichtstermin im April, der sein Bleiberecht endgültig klären sollte, nahm sich der Afrikaner das Leben.
Wie bei der Demo Ende März lauteten auch am Dienstag einige der Forderungen, Abschiebungen zu stoppen und Geflüchtete in Wohnungen statt in Lagern unterzubringen. Erneut richtete sich die Veranstaltung, die von 12 bis 17 Uhr angemeldet war, auch gegen den Rassismus, mit dem geflüchteten Menschen begegnet werde.
2020 sind im Barnim acht Menschen abgeschoben worden. Wie die Kreisverwaltung Barnim auf eine Anfrage der MOZ weiter mitteilte, waren bis zum 31. Januar 1110 der knapp 9184 ausländischen Personen im Barnim in einem laufenden Asylverfahren, weitere 557 im Besitz einer Duldung. Eine befristete Aufenthaltserlaubnis aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen besaßen 1033 ausländische Personen. Hauptherkunftsländer: Syrien, die Russische Föderation, Afghanistan, Iran, Irak, Pakistan, Kamerun sowie Somalia.