Ausgetüftelt
: Eberswalder produzieren Corona-Schutz aus dem 3D-Drucker

100 Visiere hat der Hebewerkverein in Eberswalde verteilt. Auch Unternehmen reagieren auf Nachfrage.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
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  • Durchblick in der Krise: Heinz Ristenbieter zeigt in Eberswalde eines der fertigen Visiere, während Mitstreiter Daniel Ratzel am 3D-Drucker steht. Durchs Visier ist zu sehen, wie die Düsen der Maschine den nächsten Satz der Stirnhalterungen fertigen.

    Durchblick in der Krise: Heinz Ristenbieter zeigt in Eberswalde eines der fertigen Visiere, während Mitstreiter Daniel Ratzel am 3D-Drucker steht. Durchs Visier ist zu sehen, wie die Düsen der Maschine den nächsten Satz der Stirnhalterungen fertigen.

    Marco Marschall
  • Vom Bildschirm in die Eberswalder Realität: Daniel Ratzel ruft das digitale Modell der Halterungen am Computer auf.

    Vom Bildschirm in die Eberswalder Realität: Daniel Ratzel ruft das digitale Modell der Halterungen am Computer auf.

    Marco Marschall
  • Visier vom Optiker: Dietmar Ortel und Auszubildende Jasmin Peper bei der Fertigung ohne 3D-Drucker in der Eberswalder Firmenwerkstatt

    Visier vom Optiker: Dietmar Ortel und Auszubildende Jasmin Peper bei der Fertigung ohne 3D-Drucker in der Eberswalder Firmenwerkstatt

    privat
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Neben Ristenbieter tüftelt auch der 39-jährige Daniel Ratzel an einer immer fehlerfreieren Herstellung. Kostenlos und ehrenamtlich. Die Halterungen werden nach dem Druck mit einer durchsichtigen per Lasercutter zurechtgeschnittenen Plastikfolie und einem Gummiband versehen. Fertig. Alles aus der Hand der 3D-Druck-Enthusiasten im Brandenburgischen Viertel.

Acht bis neun Stunden dauert ein Druckvorgang, bei dem pro Maschinendüse sechs Halterungen entstehen. Produziert wird so lange der Vorrat reicht. Das Rohmaterial, sogenanntes PETG-Filament sieht aus wie auf eine Spule gerollte Wäscheleine. Zwischen 50 und 60 Euro kostet die Ein-bis-Zwei-Kilogrammrolle, aus der dann bis zu 60 Visiere entstehen können. Für die ersten Margen hatten die Barnimer Grünen 360 Euro Spendengelder zusammengetrommelt. Torsten Kleinteich vom Grünenbüro in Eberswalde war es auch, der an den Hebewerkverein herangetreten war, nachdem ein Klinikarzt aus Kassel Ende März Deutschlands 3D-Druck-Szene zur Fertigung der dringend benötigten Schutzvisiere aufgerufen hatte.

Technik dank Förderung

Die Tatsache, dass der Hebewerkverein technisch so gut ausgestattet ist, geht auf Fördermittel der Postcode-Lotterie zurück. Von den 24 800 Euro, die an die Eberswalder Tüftler ausgeschüttet wurden, konnten unter anderem der moderne Sigmax-Drucker und ein Lasercutter mit Umluftfilter angeschafft werden.

Auch die beiden älteren Druckermodelle aber funktionieren und lassen nach und nach die 3D-Gebilde entstehen. „Der hat schon über 10 000 Betriebsstunden hinter sich“, sagt Heinz Ristenbieter über den etwas kleineren Makerbot. Rentner Ristenbieter überwacht die Produktion täglich, war auch Ostern in der Werkstatt. Solange alle Utensilien verfügbar sind, wird gedruckt. „Mittlerweile wird Gummiband knapp. Vielleicht hat ja jemand zuhause noch etwas übrig“, sagt Daniel Ratzel.

Derweil reagiert auch das Eberswalder Gewerbe auf die Nachfrage nach Virenschutz. „Vor einigen Tagen erhielten wir von einer Arztpraxis die Anfrage, ob wir nicht kleine tragbare Schutzvisiere fertigen können“, sagt Optikermeister Dietmar Ortel. Das nötige Know-How sei da. Die Auszubildenden Jasmin Peper und Frederike Wauch haben sich auf die Fertigung der Visiere spezialisiert und schon Dutzende hergestellt.

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