Auszeichnung: Ehrenamtler im Rampenlicht

Die Ausgezeichneten auf einen Blick: Gruppenbild mit Bürgermeister Friedhelm Boginski (3. v. l.) sowie der Stadtverordneten Monique Schostan (l.). Einige der Geehrten waren verhindert, konnten die Urkunde nicht selbst entgegennehmen.
tbEberswalde. Sie arbeiten unentgeltlich, ihre Motivation ist zumeist allein der „innere Antrieb“. Dennoch sei ihr Engagement „unbezahlbar“. So würdigte Bürgermeister Friedhelm Boginski am Dienstagabend den Einsatz der vielen Ehrenamtler in der Stadt. 33 wurden dafür ausgezeichnet.
Markus Settke ist jung, dynamisch – und so etwas wie Goldstaub. Denn der 27-jährige Eberswalde ist Chorleiter. Seit gut fünf Jahren dirigiert er den Chor der Katholischen Kirche St. Peter und Paul. Als der Chor ohne Leiter dastand, habe ihn Hermann Euler angesprochen, erinnert sich der Bauingenieur, der als Bauüberwacher bei der Deutschen Bahn in Lohn und Brot steht. Es sei einfach „die Freude an der Musik“, die ihn motiviere, erklärt der zweifache Familienvater, der auch zuhause mit seiner Frau und den beiden Söhnen viel singt. Bereits mit sechs Jahren habe er Unterricht im Klavierspiel genommen, später kam die Orgel hinzu. Sodass Markus Settke mitunter auch als Organist im Gotteshaus einspringt.
Markus Settke ist einer von insgesamt 33 Ehrenamtlern, denen Bürgermeister Friedhelm Boginski und die Stadtverordnete Monique Schostan, zugleich Vorsitzende der Arbeitsgruppe Ehrenamt, am Dienstag sozusagen den roten Teppich ausrollen. Oft wirken sie abseits des öffentliches Lichtes. Dabei sei ihr Engagement „unverzichtbar für die Lebendigkeit“ der Stadt. „Sie symbolisieren das bunte Eberswalde“, betont Boginski und verbindet mit der Würdigung die Hoffnung, Lust auf Ehrenamt zu machen. Die Stadt versuche ihrerseits, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, so der Rathauschef, der auf die finanzielle Unterstützung der Freiwilligenagentur und der Akademie Zweite Lebenshälfte verweist.
Das „bunte Eberswalde“ widerspiegelt sich im Spektrum, den unterschiedlichen Gebieten, auf denen sich die Ausgezeichneten für andere und für das Gemeinwohl engagieren. Die Palette reicht vom Sport über die Flüchtlingshilfe und Integration bis hin zur Feuerwehr oder Selbsthilfegruppe. Mit dem Initiativkreis Sternenkinder oder der Betreuung von Insassen im Strafvollzug rücken zudem vermeintliche Tabu- oder schwierige Themen in den Mittelpunkt. Groß ist überdies die Bandbreite in puncto Alter. Unter den Geehrten gibt es viele Junge, wie Markus Settke, aber auch etliche Senioren. Eberswalder, die für Neues und für Innovationen stehen, wie Ingo Frost/Fabian Wulf von "Wandelbar“ oder Farhan Hassan aus Somalia, der ein Zirkusprojekt im Brandenburgischen Viertel leitet, genauso wie für Kontinuität.
Margot Thom ist so eine. Seit immerhin 47 Jahren engagiert sich die frühere Lehrerin auf dem Gebiet des Sports, leitet eine Frauensportgruppe in Finow. Heute unter dem Dach von Motor Eberswalde. „1973 haben wir angefangen. Damals noch über den DFD“, so die 74-Jährige. Also den Demokratischen Frauenbund Deutschlands. Die Gruppe umfasse aktuell etwa 30 Teilnehmer zwischen 42 und 79. Damit sei die Gruppe recht heterogen. Trotzdem schaffe es Margot Thom, allen den Spaß an körperlicher Betätigung zu vermitteln, erklärt Lilli Bracklow, die die Trainerin vorgeschlagen hatte. Zudem lobt sie den großen Zusammenhalt der Truppe, an dem eben auch Thom eine entscheidende Aktie habe. „Es gibt einfach ein sehr persönliches Verhältnis.“
Eine Ehrung liegt Bürgermeister Boginski besonders am Herzen: die Auszeichnung von Gottfried Sponner, der sich nicht nur bei Stahl Finow engagiert, sondern gleichzeitig seit 1996 Stadtverordneter ist. Kommunalpolitik, so das Stadtoberhaupt, sei auch ehrenamtliche Arbeit.
Die Ausgezeichneten erhalten Jahreskarten für den Familiengarten, den Zoo und die Stadtbibliothek, einen Bar-Scheck sowie einen echten Sternberg. Die Eberswalder Künstlerin Catrin Sternberg schuf für 2019 einen handkolorierten Linolschnitt. Dieser zeigt die Papierfabrik Wolfswinkel. Für Sternberg ist dies ein kleines Jubiläum: „Dies ist meine zehnte Arbeit für die Ehrenamtsauszeichnungen.“
Musikalisch umrahmt wird die Ehrung durch das Gitarrenduo der Musikschule, Miriam Lenz und Leonie Weger. Beide gewannen beim Bundesfinale „Jugend musiziert“ bereits einen ersten Preis. Ab heute sind die Zwei wieder beim Landeswettbewerb mit von der Partie.
Ausgezeichnete
■ Kultur: Lars Fischer, Andrea Stapel, Katja Ziebarth vom Team Provinziale; Hans-Rudolf Frölich als Aktiver für Museum und Heimatkundeverein; Markus Settke als Chorleiter; Annerose Gilles, Friederike Creutziger, Andrea und Torsten Stapel von Lesezauber; Reinhard Jacobey vom Leserattencafé
■ Selbsthilfe: Lutz Ramke von der SHG "Mag auch dabei sein"; Eckard Schewe vom Problemkreis Alkohol; Daniel Gerngroß als bevollmächtigter Betreuer; Ingrid Müller als Familienpatin; Katrin Dahms-Dowidat, Lena Settke und Gabriele Haas vom Initiativkreis Sternenkinder
■ Sozialer Zusammenhalt: Karin Stahl und Edeltraud Maeß von der Volkssolidarität; Dieter Arndt vom Bahnsozialwerk
■ Engagement in Ortsteilen: Ines und Mario Ziemke aus Sommerfelde; Gottfried Sponner vom SV Stahl Finow
■ Tierwohl/Nachhaltigkeit: Bärbel Teichmann als Aktive fürs Tierheim Werbellin und den Hundertreff Bellodrom; Ingo Frost und Fabian Wulf von Transition Thrive
■ Sport/Integration: Margot Thom von Motor; Ralf Bloch und Martin Nobelmann vom OSV; Farhan Hassan vom Zirkusprojekt; Hartwin Schulz von "Brot&Hoffnung", Axel Hoffmann, Heide und Sophie Prasse fürs Anfängerschwimmen für Flüchtlingskinder