Corona-Krise: Wildfleisch im Barnim muss zu niedrigen Preisen verkauft werden
Trockenheit und Borkenkäfer
2000 Stück Wild werden im Gebiet der Landeswaldoberförsterei Groß Schönebeck jedes Jahr geschossen, also auf 20 000 Hektar Wald vom Schorfheide-Dorf bis an die polnische und mecklenburgische Grenze. Mehr als 150 Jäger gehen dort ständig zur Jagd. Im November und Dezember werden Drückjagden veranstaltet. Dann schauen zwischen 700 und 800 zusätzlich durchs Zielfernrohr.
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Eine unbedingte Notwendigkeit, wie Michael Schmiedel meint. „Wir haben riesige Probleme mit dem Wald. Zum einen durch die Trockenheit, zum anderen durch den Borkenkäfer“, so der Leiter der Landeswaldoberförsterei. Wenn dann noch Wild die jungen Bäume verbeißt, wird das nichts mit der Waldverjüngung. „Eine Abschussbremse können wir uns nicht leisten“, sagt Schmiedel.
Nur sei man eben auch drauf angewiesen, das Wild loswerden. Dafür gibt es Verträge mit Großhändlern, die alles aufkaufen und das Fleisch für die komplette Linie an Endabnehmern aufbereiten vom Restaurant bis zum Hundefutterhersteller. Die Händler steuern die Kühlkammern an und nehmen die aufgebrochenen Stücke mit. Diese sind noch nicht „aus der Decke geschlagen“, wie der Waidmann sagt, nicht küchenfertig, sondern samt Fell.
Wild von der Farm
Die großen Vertragspartner fehlten bis vor kurzem. „Deshalb haben wir unseren Jägern geraten, ihr Umfeld juckig auf Wildfleisch zu machen“, so Schmiedel. Mittlerweile gebe es wieder einen Vertrag mit einem Händler „Allerdings zu schlechten Konditionen“, sagt der Forstleiter aus Groß Schönebeck. Dabei drückt seit Jahren ein weiteres Problem den Preis: Wildfleisch von großen Farmen aus Neuseeland und Australien. Ökologisch unverständlich und unnötig, aus Schmiedels Sicht. Regionale Wälder böten beste Bio-Qualität.
Gemeinsame Absatzkette
Doch es fehlt das Konzept, Wildbret aus Brandenburg zu vermarkten und eine gemeinsame Absatzkette zu organisieren, kritisiert Claus Quahl, Vorsitzender des Jagdverbandes Eberswalde. Zwar gebe es gerade mit der nahen Schweinepest die Forderung, mehr Schwarzwild zu schießen. Doch was den Absatz von Wildbret angeht, keine Unterstützung für die Jäger. „Wir kümmern uns“, habe ihm Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel gesagt, als Quahl ihn kürzlich im Wildpark Schorfheide auf das Thema angesprochen hatte.
Auch im Eberswalder Verband, der 240 Jäger zählt, wurde zuletzt versucht, Wild auf privater Ebene zu verkaufen. Keine Dauerlösung, wie Quahl verdeutlicht, der Wildhändler nicht verzichtbar. „Was meine eigene Pacht betrifft, werden im Jahr 120 bis 160 Schweine geschossen und 120 Leute, die mir ein ganzes Schwein abnehmen, kenne ich auch nicht“.
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