CSD in Eberswalde 2026: Queere Demo zieht durch die Stadt, Gegenproteste geplant

Der Christopher Street Day (CSD) verlief 2025 in Eberswalde friedlich. Teilnehmer schirmten sich unter anderem durch bunte Regenbogenschirme gegen ein AfD-Sommerfest auf dem Marktplatz ab. (Archivbild)
Pamela Kaethner- CSD in Eberswalde demonstriert für Rechte und Sichtbarkeit queerer Menschen.
- Route: ab 13 Uhr vom Bahnhof durch die Innenstadt bis zur Abschlusskundgebung am Kirchhang.
- Organisatoren warnen vor rechten Störungen, Polizei ist informiert – Sicherheitsratschläge gegeben.
- Dieses Jahr findet parallel ein Familienfest auf dem Marktplatz statt, nicht die AfD.
- Im Vorjahr kamen nach Angriffen in Bad Freienwalde viele Unterstützer, die Demo blieb friedlich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Noch ist nicht klar, wie viele Menschen am Sonnabend zum dritten Christopher Street Day (CSD) in Eberswalde kommen werden. „Wir hoffen auf 1000 bis 1500, es könnten aber auch nur 500 sein“, sagt Maximilian Armonies vom Organisationkomitee.
Ziel der Veranstaltung sei es, unter dem Motto „Viele Farben, ein Wir“ für die Rechte und Sichtbarkeit von queeren Menschen zu demonstrieren. Der Zug soll ab 13 Uhr vom Bahnhof über die Eisenbahnstraße, Grabowstraße, Rudolf-Breitscheid-Straße, wieder Eisenbahnstraße, Breite Straße zum Marktplatz und zum Kirchhang gehen.
Neonazistische Kleinstgruppen würden schon gegen die Veranstaltung mobilisieren, sagt Armonies. „Die Polizei weiß Bescheid.“
Angriff beim CSD in Bad Freienwalde sorgte für Entsetzen
Die Chancen stehen aber gut, dass die Veranstaltung nicht so konfliktträchtig wird wie im vergangenen Jahr. Damals hatte die Partei Alternative für Deutschland (AfD) zeitgleich auf dem Eberswalder Marktplatz ihr Sommerfest veranstaltet. Eine Woche vorher hatten zudem in Bad Freienwalde Vermummte mit Schlagstöcken und Quarzhandschuhen Teilnehmer eines bunten Familienfestes angegriffen.
Das hatte bundesweit für Entsetzen und Empörung sowie eine breite Solidaritätsbewegung gesorgt. Zum CSD in Eberswalde waren danach laut Veranstalterangaben 2000 Teilnehmende gekommen. Es reisten auch viele Unterstützerinnen und Unterstützer von außerhalb an. Die Veranstaltung verlief damals unter starker Polizeipräsenz friedlich.
Dieses Jahr findet auf dem Marktplatz von 14 bis 17 Uhr ein Fest des lokalen Bündnisses für Familie statt, wie Stadtsprecher Markus Mirschel berichtet. Dieses sei ein Zusammenschluss sozialer Einrichtungen, es gebe Spielstände und einen Familienparcours. Auch könne ein Einsatzwagen der Freiwilligen Feuerwehr Eberswalde erkundet werden.

Maximilian Armonies gehörte schon 2024 zu den Organisatoren des ersten CSD in Eberswalde.
Stephan BackertDas Familienfest findet somit in unmittelbarer Nachbarschaft zur Abschlusskundgebung des CSD auf dem Kirchhang statt. Was vermutlich nicht annähernd so viel Spannung hervorrufen dürfte wie das Stadtfest der AfD im vorigen Jahr. „Wir gehen vorbei und freuen uns, wenn von dem Fest welche dazukommen“, sagt CSD-Mitorganisator Armonies.
AfD-Politiker mobilisierten 2025 gegen den CSD in Eberswalde
Die AfD in Brandenburg wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Viele Anhänger machen keinen Hehl aus ihrer Ablehnung queerer Lebensweisen. Der Eberswalder AfD-Politiker und Stadtverordnete Maximilian Fritsche hatte im letzten Jahr auch versucht, für die Gegenveranstaltung zum CSD in Eberswalde zu mobilisieren.
Die Organisatoren rufen die Teilnehmenden des CSD dazu auf, nicht alleine anzureisen, das Handy aufzuladen und Notfallkontakte einzuspeichern sowie sich Treffpunkte und den Heimweg vorab einzuprägen. Sie werden zudem aufgefordert, Pride-Flaggen, Demoschilder mit queerem Bezug, Seifenblasen, Sonnen- oder Regenschutz sowie Getränke (nicht in Glasflaschen) mitzubringen.
Alkohol und andere Drogen, Stolzmonatflaggen und andere Symbole der rechten Szene sollen dagegen, wenig verwunderlich, zu Hause bleiben. Das Sicherheitskonzept entspricht generellen Vorsichtsmaßnahmen, so Armonies. „Better safe than sorry“, sagt Armonies. Also besser Vorsicht als Nachsicht.
Armonies, der an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde Holzingenieur studiert, war schon von Anfang an bei der Organisation des CSD in Eberswalde dabei. Er versteht sich selbst als transmaskulin – also als Person, die bei ihrer Geburt nicht dem männlichen Geschlecht zugeordnet wurde.
Queeres Zentrum in Eberswalde geplant
In Eberswalde ist Armonies meistens offen queer unterwegs, also beispielsweise durch einen Regenbogenanstecker am Rucksack. Durch diese Sichtbarkeit will er unter anderem auch anderen queeren Personen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Zu 80 Prozent fühle er sich in Eberswalde sicher, sagt Armonies. Er wird aber bisweilen auch beschimpft oder angepöbelt, wenn er mit seinem Partner über die Straße geht.
Inzwischen werde er auch immer wieder darauf angesprochen, sagt Armonies, der in den letzten Jahren viel in der Öffentlichkeit stand. Auch in seiner Nachbarschaft. Im Stadtbild von Eberswalde ist mittlerweile häufiger die Regenbogenflagge zu sehen. Mit anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern ist Armonies dabei, ein queeres Zentrum aufzubauen.
Es fehlen aber immer noch Räumlichkeiten, auch die Finanzierung ist noch nicht geklärt. Die Initiative hat zwar Geld aus dem Bürgerbudget erhalten, das ist aber bei weitem nicht ausreichend. Im Juni laufen in Eberswalde zudem die queeren Wochen mit vielen Veranstaltungen vom Fußballtraining bis hin zur queeren Wiesenmahd und einem Vortrag zur DDR aus queerer Perspektive.



