Es gehe darum, unterschiedliche Perspektiven zu hören und gemeinsame Schnittmengen zu finden, sagte der Landtagsabgeordnete Hardy Lux (SPD) zu Beginn der von ihm organisierten Dialogwerkstatt „Der Wald im Klimawandel“. An Perspektiven jedenfalls hat es im Saal des Paul-Wunderlich-Hauses am Donnerstagabend nicht gemangelt.
Die Palette der Teilnehmenden umfasst Forstwissenschaftler und Waldbesitzer, Vertreter von Jagdverbänden und Mitglieder der Stadtverwaltung. Praktiker aus dem Landesforstbetrieb und dem Eberswalder Kommunalwald, genauso wie den Naturschutzverband NABU und Fridays for Future-Aktivisten.

Trockenheit, Schädlinge, Brände

Zusammen mit dem brandenburgischen Umweltminister Axel Vogel (Grüne) diskutierten sie über den aktuellen Zustand und die Nutzung des Waldes und mit welchen Möglichkeiten das Ökosystem Wald an die Folgen des Klimawandels angepasst werden könne. Unstrittig war dabei vor allem eines: die Lage ist dramatisch. Trockenheit, Schädlingsbefall und Brände setzen den Wäldern immer stärker zu. Diesen alarmierenden Entwicklungen zu begegnen, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte Lux, der auch die Moderation der Veranstaltung übernahm. Es gehe jetzt darum, die entsprechenden Weichen zu stellen.

Diskussion um Waldumbau

Soweit das Ziel. Wie der Weg dorthin aussehen könnte, darüber waren selbst die anwesenden Wissenschaftler nicht immer einer Meinung und diskutierten etwa über die Prioritäten in Sachen Waldumbau. Nicht zuletzt mit Hilfe heimischer Baumarten müssten reine Kiefernwälder diverser werden, das Risiko so gestreut werden, erklärte etwa Michael Egidius Luthard, Leiter des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde.
Sein Kollege Pierre Ibisch, der als Professor für Nature Conservation an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde lehrt und forscht, möchte hingegen von der Wahl von Baumarten zunächst noch absehen. Zunächst gehe es darum. den Wald als komplexes Ökosystem zu begreifen und eine entsprechende Diagnose zu stellen.
Intensiver fachlicher Austausch herrschte auch zu Themen wie der Rolle der Jagd, der nachhaltigen Nutzung von Holz oder dem Wasserhaushalt im Wald. Immer wieder wurden dabei auch Forderungen nach mehr finanzieller Unterstützung durch die Landesregierung für die jeweils vertretenen Interessen laut.

93.000 Waldbesitzer mit weniger als zehn Hektar

Auch die Besitzstruktur brandenburgischer Wälder spielte eine prominente Rolle. Beschlossene Gesetze und Verordnungen müssten schließlich auch umgesetzt werden können, sagte der Umweltminister. Eine sehr kleinteilige Besitzstruktur, könne dieser Umsetzung jedoch hinderlich sein. So gebe es allein in Brandenburg knapp 93.500 Waldbesitzer, die weniger als 10 Hektar besitzen. Egal ob per Mail oder Post, konstatiert Vogel, „ein Großteil von denen ist für uns nicht erreichbar.“ Notwendige Eingriffe, etwa nach einem Waldbrand, seien so schwerer durchzuführen.

Kein Weitermachen wie bisher

Insgesamt entfaltete sich eine leidenschaftliche Debatte, die sowohl fachliche Spezifika beinhaltete als auch große Forderung in Richtung Politik. So sieht der Waldbesitzerverband Brandenburg die Zeit für einen Marshall-Plan für den Wald gekommen. Und die Eberswalder Baudezernentin Anne Fellner brachte den Fokus auf eine grüne anstelle einer schwarzen Null ins Gespräch.
Auf einen globalen Blickwinkel wiederum pochten vor allem die beiden Vertreter von Fridays for Future. Insbesondere mit Blick auf das im Pariser Klimaabkommen fixierte 1,5 Grad Ziel, das den globalen Temperaturanstieg begrenzen soll, kritisierten sie die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung als nicht ausreichend an.
Am Ende standen so zahlreiche Impulse und Ideen im Raum. Die brauche es auch, betonte Minister Vogel. Denn eines sei klar: „Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher.“