Mit einer Rekordbesucherzahl von 140 Gästen ging der Diplomatische Salon der Hoeck Stiftung am Dienstagabend in seine elfte Runde. Schweden muss einfach beliebt sein, schlussfolgerte Stiftungsvorsitzender Martin Hoeck bei dem großen Andrang im Saal des Wald-Solar-Heims. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch den Verein Eiche sowie den Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Dass Schweden mehr ist als Astrid Lindgren, Abba und Ikea, davon wollte Per Thöresson, schwedischer Botschafter in Berlin, überzeugen. Begrüßt wurde er neben Martin Hoeck auch von Friedhelm Boginski, Bürgermeister von Eberswalde.
Verbindungen zwischen Deutschland und dem Land im hohen Norden scheint es viele zu geben. In beiden Ländern wird viel auf Holz als Baumaterial gesetzt. In Schweden umgibt es die Menschen überall. Zwar stehe es für mehr als Holzhütten. Thöresson, seit 2017 Botschafter, warb dennoch für das nachwachsende Material. Am Nachmittag eröffnete er zudem im benachbarten Zentrum für Erneuerbare Energien Hermann Scheer die Ausstellung „Woodland Sweden“. Für Boginski ist eine weitere Sache „spannend“ an Schweden. Ab dem Jahr 2030 dürfen dort keine Autos mit Verbrennungsmotor verkauft werden. Das Land will CO2-neutral werden. Allen Schweden voran geht derzeit die 16-jährige Greta Thunberg. Die Klimaaktivistin ist durch ihre „Fridays For Future“-Bewegung längst über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Die deutsch-schwedischen Beziehungen seien nie so eng gewesen wie heute, sagte Per Thöresson, der 1962 in Stockholm geboren wurde. Er zeigte sich überzeugt, dass eine Zusammenarbeit beider Länder sie unschlagbar auf dem Weltmarkt machen werde. Schweden übernehme dabei den innovativen Teil. Denn man sei technischen Vereinfachungen gegenüber aufgeschlossen. Das Zahlen mit Geldkarte etwa habe das Bargeld vielerorts abgelöst. Fortschrittlich ist das Land auch in Bezug auf die Frauenquote. „45 Prozent aller Botschafter Schwedens sind Frauen“, so Thöresson. Ebenfalls viel weiter ist man dort in Sachen Internetverbindung. Bei einem flächenmäßig so großen Land sei diese tadellos, stellte ein Gast fest. Wie man das hinbekomme. „Die Frage ist, warum dauert das in Deutschland so lange?“ Applaus.
In Bezug auf das Verhältnis zu Russland plädierte Thöresson dafür, Sanktionen solange aufrecht zu erhalten, bis es einlenke. Das schwierige Verhältnis mit dem Land sei auch ein Grund gewesen, die Wehrpflicht in Schweden wieder einzuführen. Auch in Schweden kenne man Fachkräftemangel und durch Bürokratie überlastete Ärzte, berichtete der Botschafter.