Eberswalderin wieder zuhause
: Corona unterbricht Weltreise für Klimaschutz

Monatelang war Hannah Wiemers, Studierende an der HNE, im Projekt Sail to the COP für den Klimaschutz unterwegs.
Von
Hannah Wiemers
Eberswalde
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  • Auf engstem Raum: Die Klimaschützer, rechts Hannah Wiemers, verbringen viel Zeit miteinander.  Privatsphäre gibt es da kaum.

    Auf engstem Raum: Die Klimaschützer, rechts Hannah Wiemers, verbringen viel Zeit miteinander.  Privatsphäre gibt es da kaum.

    Hannah Wiemers
  • Mit dem Wind übers Meer: Der Dreimastschoner "Regina Maris" sticht im November in Amsterdam in See. Noch weiß die Crew nicht, dass die Weltklimakonferenz von Chile nach Spanien verlegt und sie ihr eigentliches Ziel nicht erreichen wird.

    Mit dem Wind übers Meer: Der Dreimastschoner "Regina Maris" sticht im November in Amsterdam in See. Noch weiß die Crew nicht, dass die Weltklimakonferenz von Chile nach Spanien verlegt und sie ihr eigentliches Ziel nicht erreichen wird.

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  • Tankmanöver im Wasser: Für Phasen der Flaute wird von einem Schiff aus Venezuela Diesel abgezapft.

    Tankmanöver im Wasser: Für Phasen der Flaute wird von einem Schiff aus Venezuela Diesel abgezapft.

    Hannah Wiemers
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Ende November waren 35 andere Klimaaktivisten und ich mit dem Dreimastschoner „Regina Maris“ und Koffern voller Ideen und Konzepten für eine faire und nachhaltige Reiseindustrie auf Martinique angekommen. Unsere Vorschläge schickten wir auf virtuellem Wege zu unseren Repräsentanten in Madrid als Werkzeuge für deren Teilnahme an der UN–Klimakonferenz. Am 2. Dezember begann die Weltklimakonferenz –  und wir verfolgten diese online aus der Ferne.

Unsere virtuelle Teilnahme an der COP25 erforderte, ähnlich wie unser gesellschaftliches Zusammenleben in Zeiten von Corona, viel Kreativität. Die morgendlichen Videokonferenzen mit unseren Repräsentanten gaben uns die Möglichkeit, auch über den Atlantik hinweg eng als Team zusammenzuarbeiten. Aufgrund der Zeitverschiebung begann, zumindest für einen Teil von uns, der Tag bereits um 3 Uhr morgens. Zu Wort meldeten wir uns bei einigen Veranstaltungen per Video.

Als besonders erfolgreich ist sicherlich unsere Kampagne #railtothecop zu werten. Wir riefen Teilnehmende aus Europa dazu auf, mit dem Zug zur Klimakonferenz zu reisen und damit auf eine Flugreise zu verzichten. Wir verteilten 250 gleichnamige Buttons an diejenigen, die dies bereits in diesem Jahr umsetzten und zum anderen an diejenigen, die sich dazu für die kommende Klimakonferenz bekannten. Ein prominentes Beispiel der Buttonträger ist der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der sich die Zugreise zur COP26 in Glasgow zum Vorsatz machte.

Stunden der Entspannung

Nach vielen intensiven Arbeitswochen machten wir uns gegen Ende der Klimakonferenz schließlich auf den Weg nach Cartagena, Kolumbien, wo unser Projekt ein Ende finden würde. Die Laptops blieben zugeklappt und die Umstände auf dem Meer boten ausreichend Zeit zur Entspannung und Reflexion. Fast 80 Tage lang haben wir uns rund um die Uhr mit nur kleineren Zwischenstopps an Land in einer Art Gruppenisolation befunden. Schwierige Situationen, wie beispielsweise die Absage der chilenischen Ausrichtung der Klimakonferenz, brachten uns als Gruppe näher zusammen. Der Umfang der Privatsphäre an Bord beschränkte sich auf ein Minimum. Wir lernten uns gegenseitig mit all unseren Verletzlichkeiten kennen und schätzen und ich bin überzeugt davon, dass all dies zu einem höheren Einfühlungsvermögen innerhalb unserer Gruppe führte.

Am 21. Dezember erreichten wir am frühen Morgen Cartagena und so hieß es Abschiednehmen — von der Gemeinschaft, von stetiger Bewegung und doch einem stabilen Zuhause der vergangenen elf Wochen. Weihnachten verbrachten wir noch als größere Gruppe in der Natur.

Und dann, nach etwa drei Wochen an der kolumbianischen Karibikküste, hieß es bereits die Rückreise anzutreten. Gemeinsam mit drei anderen Teilnehmenden hatte ich schon im Sommer ein Containerschiff von Natal aus, einer Stadt an der nördlichen Ostküste Brasiliens, gebucht; damals noch mit der Aussicht, aus Chile zurück zu reisen.

Nun blieben uns etwa fünf Wochen, um knapp 9000 Kilometer über Land zu bewältigen. Wirft man einen Blick auf die Landkarte, sieht man vor allem Regenwald zwischen Cartagena und Natal. Unsere ausgiebige Recherche hatte ergeben, dass es möglich war, einen Teil der Reise per Boot über die Flüsse des Amazonas zurückzulegen. Nach einigen Zweifeln zu Beginn wollte ich mir dieses Abenteuer schließlich nicht entgehen lassen.

Fast 100 Stunden im Bus

Um zunächst in den Amazonas und schließlich nach unserer Bootsreise an der Ostküste Brasiliens zu unserem Containerschiff zu gelangen, legten wir insgesamt 4500 km zurück und verbrachten so fast 100 Stunden im Bus. Wir lernten, die Buspreise in Kolumbien zu verhandeln, waren auf der immerwährenden Suche nach einer bequemen Schlafposition und gewöhnten uns daran, uns bis unter die Nase warm einzupacken, da die Klimaanlagen stets auf Hochtouren liefen.

Von Puerto Francisco de Orellana in Ecuador nach Belém in Brasilien reisten wir per Boot. Zunächst ging es über den Rio Napo, einen Nebenfluss des Amazonas, nach Nuevo Rocafuerte an der Grenze zu Peru. Von dort brachte uns ein Einheimischer mit seinem Kanu über die Grenze, nach Pantoja. (Fortsetzung folgt!)