Ehrenamt: 80-Jähriger aus Finow kümmert sich ums Stadtgrün
Die 40 Liter aus seinem VW Golf plus sind vor allem für zehn Bäume im Innenhof an der Ringstraße 106 in Finow bestimmt, die der Rentner selbst angepflanzt hat. „Natürlich kommt aus den paar Kanistern nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Dieter Scheller. Aber jedes bisschen Wasser könne den Bäumen helfen, die Trockenperiode zu überstehen. Und selbst 40 Liter Wasser müssten erst einmal getragen werden.
Seit 1979 sind der ehrenamtliche Naturschützer und seine Frau Heidrun (79) in der Mietwohnung an der Ringstraße in Finow zu Hause. Die ersten Bäume hat Dieter Scheller bereits kurz nach dem Umzug gepflanzt, um sein Umfeld etwas wohnlicher zu gestalten. Nicht unbedingt in erster Linie für sich, sondern für seine Herzallerliebste, die aus Finowfurt stammt und im Neubau anfangs Sehnsucht nach dem dörflichen Leben verspürte.
Leben im Kranbau
Inzwischen ragen die sieben Birken, die zwei Lärchen und die eine Kiefer bis zu 20 Meter in die Höhe. Alle Bäume wirken vital. Und sind als Sauerstoff- und Schattenspender nicht mehr wegzudenken. „Die Bäume brauchen Pflege, weil der Boden nur aus Sand besteht“, berichtet der Rentner, der an besonders heißen Tagen bedauert, dass Finows Untergrund fast nur aus der berüchtigten märkischen Streusandbüchse gebildet zu sein scheint.
Mindestens genauso lange engagiert sich Dieter Scheller in der Interessengemeinschaft Wohngrün, die ein loser Zusammenschluss von Finowern ist, die um das Stadtgrün kämpfen. Im vorigen Jahr war die Gruppe durch die stadteigene Wohnungsbau- und Hausverwaltungs GmbH für ihre ehrenamtliche Arbeit mit einer Anerkennung bedacht worden, die sich auf 250 Euro belief. Seit 2019 schreibt die WHG jährlich ihren Umweltpreis aus. „Es war nie mein Wunsch, im Licht der Öffentlichkeit zu stehen und dafür gelobt zu werden, was ich aus eigenem Antrieb und freiwillig mache“, sagt der Rentner, der sein Berufsleben im Kranbau verbracht hat. „Von 1959 bis 1990 war der Betrieb mein zweites zu Hause“, blickt Dieter Scheller ohne Wehmut zurück. Vor allem an die Jahre als Gütekontrolleur in der Zerspannungsabteilung erinnert sich Dieter Scheller mit Freuden, der Maschinenbau- und Feinmechaniker-Meister ist.
Auch wenn das Mitglied der Interessengemeinschaft Wohngrün zunächst vor allem aus Liebe zum Baumpaten auf Lebenszeit wurde, handelt der 80-Jährige natürlich aus eigenem Antrieb. Und belässt es bei Weitem nicht nur bei seinen regelmäßigen Gieß-Einsätzen. Zum Beispiel hat er vor etwa zehn Jahren die Außenwand seiner Garage mit einer Ligusterhecke begrünt. „Ich freue mich jedes Mal, wenn dort Bienen, Wespen oder Schmetterlinge landen“, verrät der Rentner. Die Garagenwand habe sich zu einem natürlichen Insektenhotel gemausert. An der Hecke steht eine Schale, in die Dieter Scheller regelmäßig Wasser schüttet.
Mitglied bei Stahl Finow
„Das kühle Nass wird sogar von Eidechsen angenommen“, sagt der ehrenamtliche Naturschützer, der selbst im Keller seiner Mietwohnung begeistert Tiere und Pflanzen beobachtet. Dort steht ein kleines Aquarium, in dem Guppys und ein Wels schwimmen. „Das Becken wird meist von meiner Tochter gepflegt, die im gleichen Haus lebt“, berichtet er.
Seinen Mini-Wald im Innenhof kann Dieter Scheller vom Küchenfenster aus sehen. Mehr als einen flüchtigen Kontrollblick aufs selbstgeschaffene Stadtgrün gönnt sich der Rentner aber selten. Dazu hat er viel zu viele Hobbys. Der 80-Jährige bastelt für sein Leben gern. Und er ist immer noch Mitglied bei Stahl Finow. „Als junger Mann bin ich gepaddelt. Später war ich lange als Segler aktiv. Die Kontakte sind geblieben“, sagt er.
So oft es geht, verbringen Heidrun und Dieter Scheller ihre Zeit im Kleingartenverein am Mäckersee, wo sie sich seit 1975 um eine Parzelle kümmern. „Wir bauen noch Gemüse und Obst an, wie es einst Vorschrift war“, betont der Rentner. Dies sei zwar gerade im Hochsommer mit jeder Menge Arbeit verbunden. „Doch Bewegung hält gesund. Und einen Garten natürlich zu bewirtschaften, ist praktizierter Naturschutz“, urteilt Dieter Scheller, der in Kreuz/Ostbahn, heute Woiwodschaft Großpolen, geboren wurde und als Sechsjähriger mit seiner Familie nach Finow kam.



