Um 15.30 Uhr sollten sie am Samstag (11. September) eintreffen, doch knapp eine halbe Stunde später ist noch niemand zu sehen auf dem Marktplatz. Am extra aufgebauten Backstand von Märkisch Edel werden Kaffee und Kuchen für die Teilnehmer der 20. Tour de Tolérance bereitgehalten. Doch niemand radelt die Breite Straße hinab. Wo sind Radfahrer? Dann kurz nach 16 Uhr biegt ein Kleinbus der Polizei auf den Markt ein, dahinter ein Pkw mit Lautsprechern und schließlich 100 Radfahrer der diesjährigen Tour.

Angermünde und Falkenberger Berg halten auf

„15 Minuten haben wir am Falkenberger Berg verloren und in Angermünde 15 Minuten länger Pause gemacht“, sagt Günter Grützner. Der Mann aus Bad Freienwalde ist zusammen mit Bodo Böhlemann aus Strausberg und Petra Bierwirth aus Basdorf Initiator der alljährlichen Tour, die im 20. Jahr an ihrem Geburtsort stattfand. Mit genau 1002 Fahrern war man 2001 nach Potsdam geradelt, um Eberswalde als tolerante Stadt zu präsentieren und dem Image nach der rechtsextremen Gewalttat, die im Dezember 1990 zum Tod des Angolaners Amadeu Antonio führte, etwas entgegen zusetzen.
Seitdem wird mit Startpunkt in verschiedenen Städten Brandenburgs geradelt. Nach 2001 und 2010 war diesmal erneut Eberswalde der Ausgangspunkt. Die 75 Kilometer lange Tour startete um 9 Uhr auf dem Marktplatz und führte die Radfahrer über Chorin, Angermünde, Oderberg, Bad Freienwalde und Falkenberg zurück in die Barnimer Kreisstadt.