Forstbotanischer Garten: Zwischen Forschung und Spaziergang in Eberswalde
Die Gründung im Jahr 1830, also vor genau 190 Jahren, geht auf Forstwissenschaftler zurück. Auch Bernhard Götz selbst war ursprünglich Förster, bevor er sich der Forschung widmete und schon vor Jahren Stress von Pflanzen in extremen Klimaphasen untersuchte, vor allem an der heimischen Fichte. Er hat keinen Liebling im Garten, gibt er zu. Dennoch kann er zu jedem Baum oder Strauch viel Wissenswertes berichten.
Acht Hektar groß ist das heutige Areal, das Besuchern vom Hellwerden bis zum Einbruch der Dunkelheit offensteht. „Wir beobachten einen Wandel, ein neues Publikum seit Corona“, berichtet der 55-Jährige, der das R leicht über die Zunge rollt und so seinen süddeutschen Dialekt erkennen lässt. 1500 verschiedene Arten wachsen unter schattigen Bäumen oder an sonnigen Trockenstandorten. Ostasiatische Pflanzen gibt es ebenso wie afrikanische oder amerikanische. Durch den Kräutergarten oder die Farne geht es von den Alpen bis in die Savanne. Gerade in diesen Zeiten lockt der romantische Waldgarten viele Gäste an, die es nicht in andere Gefilde ziehen kann.
Bis zu 10 000 Besucher sind jährlich zu zählen. Zwölf feste Mitarbeiter und zahlreiche ehrenamtliche Helfer ackern zwischen Beeten und Wegen. Und das alles für die Forschung. So gibt es einen Klimawandelwald, der anzeigt, welche Veränderungen Trockenheit oder Nässe an den Pflanzen und Bäumen hinterlassen. Dabei muss man als Forstwissenschaftler sehr geduldig sein, wie der Mitarbeiter der Hochschule für nachhaltige Entwicklung einräumt. Vieles sei auszuprobieren, einiges zu revidieren.
So habe sich herausgestellt, dass zum Beispiel die heimische Kiefer durchaus auch an sehr trockenen Standorten bestehen könne. Die aus dem Mittelmeer stammenden Portugiesischen oder Korkeichen, die türkische Tanne und Panzerkiefer haben über die Jahre sogar mehr zu kämpfen, weil Gräser, die es in ihrer Heimat nicht gibt, am Standort wachsen. Die viel gelobte Douglasie mit dem schnell wachsenden Holz, beliebt bei Waldbesitzern, indes lässt Biotope am Boden nicht hochkommen. Dass die Korkeiche wiederum seit sieben Jahren die Brandenburger Winter überlebt, ist ebenso Forschungsgegenstand. Gemessen werden die Höhen, die Blätteranzahl, kahle Stellen oder Veränderungen am Stammholz.
Dabei werde, berichtet Bernhard Götz immer den Gründervätern gefolgt. Pfeil ging davon aus, das Prinzip des Standörtlichen zu bewerten, führt der Wissenschaftler aus. „Das behalten wir bei“, sagt der Leiter des Botanischen Gartens ruhig. Schattenstaudenbeete, afrikanische, sonnenhungrige Pflanzen oder die Hainbuche verdeutlichten das. Die dreht ihre Rinde wie beim Tanz um den Stamm – auch die daraus geschnittenen Bretter tun das.
In einem Forschungsprojekt werden seltene heimische Baumarten wie Elsbeere, Eibe, Holzapfel und Wildbirne untersucht. Diese wenig beachteten Bäume könnten in Zukunft sogar noch an Bedeutung gewinnen, weil sie gut mit Trockenheit umgehen können. „Wir probieren einfach aus“, fasst es Bernhard Götz zusammen. So habe sich die Resistenz der Gelbkiefer 40 Jahre nach Anpflanzung in den 1930er-Jahren anders dargestellt als heute. Gemeinsam mit Studierenden der HNEE, dem Landeskompetenzzentrum Forst, der Stiftung Waldwelten und weiterer Institutionen werde kooperiert. Der Forstbotanische Garten ist eben nicht nur zum Flanieren da. Zwei Hektar Fläche stehen auch im Gewächshaus zur Verfügung, das noch immer saniert wird. Der Grund: Bereits eingebaute neue Scheiben, alle maßangefertigt, würden nun wieder reißen.
Aktuell werden einige Wege erneuert, die der Regen unterspült hat, für die vielen Besucher gibt es neue Orientierungstafeln. Bald folgen wieder Lehrveranstaltungen, hofft der Forscher mit dem großen Herzen für alles Grüne.
Geschichtedes Wachsens
Der Forstbotanische Garten entstand ab 1830, zugehörig zur Königlichen Preußischen Höheren Forstlehranstalt in Eberswalde, maßgeblich durch Wilhelm Leopold Pfeil (1783-1859). Durch die Herauslösung der forstlichen Ausbildung aus der Universität Berlin nach Eberswalde konnte mehr Praxisnähe einfließen. Julius Theodor Christian Ratzeburg (1801-1871) verwies schon auf mehr als 600 Gehölzarten. Unter dem Einfluss von Forstinspektor Bernhard Danckelmann (1831-1901) als Direktor der Forstakademie wuchs der Garten stetig. Seither ist auf der Nordseite der Straße am Zainhammer das heute acht Hektar große Areal mit Arboretum entstanden. In Eberswalde zeugen zahlreiche Straßennamen vom Einfluss der Wissenschaftler.⇥li






