„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass trotz der Corona-Pandemie die Klimakrise noch nicht vorbei ist. Und das darf nicht vergessen werden“, sagt die 19-jährige Svea am Rande des Klimastreiks auf dem Eberswalder Bahnhofsplatz. Es ist bereits der zweite Klimaprotest, für den die Joachimsthalerin in die Kreisstadt gekommen ist. Auch in anderen Städten sei sie bereits fürs Klima auf die Straße gegangen.
Erste Fridays for Future Demo in Eberswalde nach Corona-Pause

Demonstration Erste Fridays for Future Demo in Eberswalde nach Corona-Pause

Nach Monaten digitaler Aktionen und Versammlungen im Internet riefen die Klimaktivisten von Fridays for Future erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder zum Streik im globalen Maßstab auf. Weltweit fanden am Freitag Demonstrationen statt. Allein für Deutschland kündigte die Protestbewegung knapp 400 Stück an. Am frühen Abend verkündete der deutsche Ableger der Protestbewegung per Twitter, dass bundesweit gut 200.000 Menschen teilgenommen haben.

Demo zog von Bernau nach Eberswalde

Auch im Barnim wurde die Forderung nach einer Klimawende nicht nur in Eberswalde auf die Straße getragen. Bereits gegen 13 Uhr startete eine Zubringerdemo am Rathaus Zepernick, von wo aus sich die Teilnehmer mit dem Fahrrad nach Bernau aufmachten. Von dort ging es mit Zug weiter zum Bahnhof in Eberswalde, auf dessen Vorplatz der Hauptteil der Demonstration stattfand.
Trotz schlechten Wetters zählten die Veranstalter dort bereits kurz nach dem Start um 15 Uhr knapp 300 Demonstrationsteilnehmer. „Das ist schon mal eine sehr gute Anzahl an Leuten“, meinte Lillian Branding von der Fridays for Future Ortsgruppe Barnim. Auch mit Blick auf die Einhaltung des Infektionsschutzes sei dies eine Zahl, die noch gut zu kontrollieren sei, befand die 18-jährige angehende Studentin.

Organisatoren pochen auf Corona-Schutzmaßnahmen

Dass den Organisatoren an einem Risiko-armen Verlauf der Aktion gelegen war, machten sie bereits im Vorfeld deutlich. Auf den sozialen Medien hat die Barnimer Ortsgruppe von Fridays for Future auf das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sowie die Einhaltung von 1,5 Abstand verwiesen. Auch auf der Veranstaltung selbst wiesen Schilder und auch immer wieder die Moderatoren auf die Maßnahmen hin.
Es waren keineswegs nur Schüler, die sich auf dem Eberswalder Bahnhofsvorplatz versammelten. Neben zahlreichen Senioren befanden sich auch viele Familien mit Kindern dort. Die Vielfalt der Generationen war auch in Form selbstgestalteter Schilder zu erkennen. „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“, war zu lesen. „Ich lerne nicht für eine zerstörte Zukunft“ stand auf einem Banner geschrieben. Viele kamen mit ihren Fahrrädern – im Anschluss an die Demo hatte noch die unmotorisierte Protestbewegung „Critical Mass“ zu einer gemeinsamen Fahrt aufgerufen

Kritik an der Klimapolitik der Landesregierung Brandenburg

Die verschiedenen Rednerinnen und Redner, die von einer Bühne zu den Teilnehmern sprachen, thematisierten unterschiedliche klimapolitische Aspekte, darunter Energie, Verkehr und Klimagerechtigkeit. Ihren Reden war allen die gleiche Warnung zu eigen: Die Zeit wird knapp. Dabei wurde auch immer wieder die brandenburgische Landesregierung in die Pflicht genommen. Deren bisherige Verkehrspolitik sei nicht zukunftsfähig, betonte eine der Rednerinnen und forderte ein umfassendes, klimafreundliches Mobilitätskonzept.

Aktivisten fordern Aus für Braunkohleabbau

Auch beim Thema Braunkohletagebau passiere viel zu wenig, meinte etwa Fillibert Heim, der in der Fridays for Future Ortsgruppe Barnim aktiv ist. „Wir müssen spätestens 2030 alle Kohlekraftwerke in Brandenburg abschalten.“ Anderenfalls könne die Einhaltung des im Übereinkommen von Paris festgeschriebenen 1,5 Grad-Zieles nicht gewährleistet werden, meint der 19-jährige. Ein Ziel, auf dass sich auch die rot-schwarz-grüne Landesregierung beruft.
Für die Aktivisten hat insofern auch der mittlerweile sechste globale Klimastreik, dessen erste Ausgabe am 15. März 2019 stattfand, nichts an Dringlichkeit eingebüßt. „Die Demonstrationen finden nach wie vor statt, um auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen“, erklärt Klimaaktivistin Lillian Branding. Man wolle weiter Druck ausüben. „Dass endlich einmal gehandelt wird“, sagt sie.