Der 21-Jährige hat seinen Weg gemacht im Profi-Fußball, ist beim italienischen Top-Club Atalanta Bergamo unter Vertrag. Seine ersten Schritte auf dem Rasen machte der Blondschopf beim FV Eintracht Wandlitz. In den Ort, in dem seine Familie immer noch lebt, kommt Lennart Czyborra zurück, sofern es seine knappe Zeit erlaubt. Diesmal hatte er ein ganz besonderes Geschenk im Gepäck.

Trikots mit Konterfei

Die F- und E-Junioren des Wandlitzer Vereins spielen künftig in grünen Trikots, auf denen das Konterfei des besten Fußballers prangt, den der Verein je hervor gebracht hat. "Sieht toll aus", findet auch Lennart Czyborra selber.
Der hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Vom niederländischen Verein Heracles Almelo wechselte der gebürtige Berliner im Winter in die Serie A zu Atalanta Bergamo. Bislang kam Czyborra bei dem Verein, der die Saison auf Platz drei hinter Juventus Turin und Inter Mailand beendete, zu Kurzeinsätzen. Er war auf einem guten Weg. Dann kam Corona.
Bergamo liegt in der Lombardei – der am stärksten von Corona betroffenen Region Italiens. Der 21-Jährige verbrachte Wochen in strenger Quarantäne, durfte das Haus nur zum Einkaufen verlassen. "Mein Höhepunkt des Tages ist um 18 Uhr das Singen auf den Balkonen", beschrieb er es damals.

Zum Zuschauen verdammt

Nach 2,5 Monaten im Lockdown ging es langsam wieder los mit Fußball. "Inzwischen trainieren wir ohne Einschränkungen", berichtet Czyborra. In der Champions League schied das Team gegen Paris Saint-Germain durch zwei späte Gegentore erst im Viertelfinale unglücklich aus. "Das war schon sehr hart, das ansehen zu müssen", sagt er.
Er fühlt sich wohl in Italien, sagt Czyborra. "Obwohl ich mir natürlich längere Einsatzzeiten gewünscht hätte. Es war ja von vorneherein der Plan bei Bergamo, mich aufzubauen sechs Monate lang, aber dann kam Corona dazwischen. Das hat die Pläne etwas durchkreuzt. Und wenn man noch Champions League spielt, wird natürlich nicht auf jeden einzelnen Spieler Rücksicht genommen, sondern es zählt der Erfolg des Teams", so Czyborra, der im Kader war, aber auf der Bank Platz nehmen musste.

Viel Druck auf dem Fußball-Platz aushalten

Sich immer wieder beweisen zu müssen, um einen Platz im Team kämpfen zu müssen – es ist ein großer Druck, der auf den jungen Spielern lastet. "Damit kann ich aber gut umgehen", findet der 21-Jährige. "Meinen Teamkollegen helfen mir extrem viel, machen es mir sehr leicht – also Druck verspüre ich gar keinen."
Gut befreundet ist Lennart Czyborra mit Robins Gosens, dem einzigen Deutschen im Team, der gerade von Joachim Löw in den DFB-Kader berufen wurde und der im gleichen Haus wohnt wie er. "Er ist ein super netter Kerl", findet Czyborra, der sich inzwischen aber auch mit den anderen Mannschaftskollegen gut unterhalten kann. "Mein Italienisch hat sich sehr gebessert."
Wohin ihn sein Weg im Fußball führen wird, darüber macht sich der Wandlitzer noch nicht viele Gedanken. "Fußball ist schnelllebig, da kann alles passieren. Ich kann nächste Saison alle Spiele machen oder gar keins oder ich wechsele den Verein – eine Ferndiagnose ist nicht möglich. Das Transferfenster ist ja jetzt erst wieder geöffnet. Es kann auch sein, dass sie noch jemand auf meiner Position verpflichten und ich an einen anderen Verein ausgeliehen oder verkauft werde. Alles ist denkbar."

Bundesliga immer im Blick

Auch zurück nach Deutschland ist für ihn eine Alternative. "Deutschland ist mein Heimatland, von daher wäre es super interessant, in der Bundesliga zu spielen. Das ist ein kleiner Traum, dahin mal zurück zu kehren." Wer anfragen müsste, damit er wechseln würde? "Darüber mache ich mir im Moment noch keine Gedanken", sagt er lachend. "Es kommt sehr auf die sportliche Situation des Vereins an, wie viele Leute da auf deiner Position sind – da kommen mehrere Faktoren zusammen", berichtet Czyborra, der auch in Italien den deutschen Fußball verfolgt und sich für den FC Bayern über den Champions League-Titel gefreut hat.
Am 30. August geht es für ihn zurück nach Italien, einen Tag später startet das Training. Gut zwei Wochen später beginnt die Saison. "Ich denke, wir können in dieser Saison wieder unter den ersten Vier landen", ist der Verteidiger überzeugt. Vorher hätte er gerne bei einem Spiel seines alten Vereins in der Landesklasse Nord zugesehen. Aber die Eintracht spielt am Sonnabend auswärts in Wriezen. "Schade, sonst wäre ich dabei gewesen."

Von Wandlitz über Union und Schalke zur Serie A

Mit seinem großen Bruder Michael, der heute übrigens bei VSG Altglienicke in der Regionalliga spielt, kam Lennart Czyborra einst zu Eintracht Wandlitz, machte dort seine ersten Schritte mit dem Ball. Schnell erkannte man dort sein Talent und es ging für den heute 21-jährigen Linksverteidiger über die Jugend-Stationen Union Berlin, Hertha BSC und Energie Cottbus weiter zu Schalke 04 (U 17 bis U 19). Seine erste Männerstation war dann der holländische Erstligaverein Heracles Almelo und im Januar ging es zu Atalanta Bergamo. bag