Geschichte bei Eberswalde: Grimnitzer Glastage in Joachimsthal – was Gäste hier erleben

Glasprinzessin und Glaskünstlerin Rachel Vanliere (links) und Michael Drews, Vorsitzender des Fördervereins Grimnitzer Glashütten kommen beide aus Lauscha in Thüringen. Christine Leuscher, Vorstand beim Förderverein, lebt in Mecklenburg und ist seit 2007 im Joachimsthaler Verein tätig.
Stephan Backert- Grimnitzer Glastage in Joachimsthal feiern Tradition der Glasherstellung mit Vorführungen.
- Im 16. Jahrhundert war Joachimsthal ein Zentrum der Glaskunst in Brandenburg.
- Glasbläser und Künstler zeigen historische Techniken, z. B. grünes Waldglas und Glasperlen.
- Der Förderverein Grimnitzer Glashütten bewahrt das Handwerk und bietet Workshops an.
- Glastage laufen bis 10. August, weitere Veranstaltungen von Mai bis Oktober geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Werbellinsee hat vor allem bei Tauchern einen guten Ruf für sein glasklares Wasser. Der nur wenig entfernte Grimnitzsee kann damit nicht punkten, spielt bei der Entwicklung von Joachimsthal aber eine wichtige Rolle. Denn hier gab es einst alle Rohstoffe, die Joachimsthal zu einem frühen Vorreiter bei der Glasherstellung in Brandenburg machten.
Sieben Glashütten gab es einmal in der Nähe des Sees. Glas wurde hier in der Nähe einer Askanierburg etwa in den Jahren von 1575 bis 1792 produziert. Von der Burg von Kurfürst Johann Georg sind nur noch wenige Überreste zu sehen. Und auch die Glasherstellung spielt in der Stadt wirtschaftlich keine Rolle mehr. Der Förderverein Grimnitzer Glashütten hält jedoch die Tradition der Glasherstellung, die für die Entstehung von Joachimsthal prägend war, lebendig.
Joachimsthal war dank Glashütten wirtschaftlicher Vorreiter
Um 1575 nahm hier die erste Glashütte in der gesamten Mark Brandenburg ihre Arbeit auf. 1604 gab es bereits zwei Glashütten in Joachimsthal. Für Glasbläser aus Böhmen, Hüttenmeister und andere Handwerker wurde eine Siedlung geschaffen – eine der Keimzellen der Stadt. Nach Angaben des Fördervereins Grimnitzer Glashütten e.V. ist in historischen Akten aus der Weihnachtszeit 1602 bereits vom „Stedelein Joachimsthal“ die Rede.
Nur wenige Meter von der ehemaligen Burg und somit der Wiege von Joachimsthal und der einst wichtigen Glashütte finden gegenwärtig die 18. Glasmachertage statt.
Besucher können hier Glasbläsern, die man getrost auch als Glaskünstler bezeichnen kann, bei der Herstellung verschiedenster Gläser vom Becher bis hin zu Schmuckstücken beobachten. Christine Leuschner ist Vorstand und Kassenwart beim Förderverein Grimnitzer Glashütten. „Wir ziehen Besucher aus Berlin und ganz Brandenburg an“, sagte sie bei einem Gespräch vor Ort am Rande der 18. Grimnitzer Glastage. 34 Mitglieder hat der Verein, drei neue Mitglieder sind erst am Mittwoch (6. Juli) eingetreten.

Historische Glasmarken aus Grimnitz zeugen von der Zeit der Glasherstellung in Joachimsthal.
Stephan BackertGlasmacherfamilie von Joachimsthal bis nach Holland
Christine Leuschner bezeichnet die Vereinsmitglieder als „Glasmacherfamilie“. Etwa die Hälfte der Vereinsmitglieder sind in Joachimsthal beheimatet. Ein großer Teil der Vereinsmitglieder sind Glasbläser. Und die kommen aus völlig verschiedenen Gegenden, wie zum Beispiel aus Berlin, Hamburg oder der thüringischen Stadt Lauscha, einer Hochburg der Glasherstellung. Auch in Holland gibt es Vereinsmitglieder.
Christian Breßler kommt aus Angermünde und hat vor einigen Jahren einen Wettbewerb der Gemeinde Schorfheide gewonnen. Er hat mit der Schorfheideperle eine Glasperle entworfen, die mit ihren Farben verschiedene Aspekte der Schorfheide in sich trägt. So steht das Grün der Perlen beispielsweise für die ersten Flaschen, die Glasmacher in der Schorfheide vor vielen hundert Jahren herstellten. Es symbolisiert auch die Natur. Das Rot in den kleinen Kunstwerken steht für das Blütenhafte und als Farbe des Lebens.
Wie aus DDR-Glas Schorfheideperlen werden
Das Innere der Perlen, die alle ein Unikat sind, durchzieht ein türkisblaues Band. Symbol für das Wasser der Seen, Bäche und Flüsse in der Schorfheide. Für das Herstellen der Perlen hat Christian Breßler, der auch im Vorstand des Glashütten-Vereins tätig ist, eine eigene Technik entwickelt. Zum Einsatz kommen dabei dünne, farbige Glasstäbe aus Lauscha, die alle noch zur Zeit der DDR hergestellt wurden.

Christian Breßler aus Angermünde ist bei der Herstellung von Schorfheide-Perlen konzentriert bei der Sache. Sowohl die Perlen als auch die Arbeitsschritte zu ihrer Herstellung hat er selbst entwickelt.
Stephan BackertDer Angermünder Glaskünstler kann die filigranen Stäbe, die sonst entsorgt worden wären, heute gut für die Perlenherstellung verwenden.
Die Herstellung einer einzelnen Perle benötigt ruhige und geübte Hände, einen Gasbrenner und etwa 30 Minuten Arbeitszeit. Hinzu kommen etwa 45 Minuten, die eine Perle zum Abkühlen benötigt. Verkauft werden sie in der Tourist-Information im Jagdschloss Schorfheide in Groß Schönebeck.
Eine Glas-Hochburg in Thüringen und Joachimsthal
Michael Drews stammt aus der Glas-Stadt Lauscha, ist Glasmacher und selbständiger Glas-Designer. Seine Verbindungen nach Joachimsthal sind eng, denn er ist der Vorsitzende des Vereins Grimnitzer Glashütten. „Die Glasleute sind eine relativ überschaubare Kommune“, sagte er auf die Frage, wie es dazu kommt, dass er als Thüringer bei einem Verein in Joachimsthal aktiv wurde.
Am Tag der Recherche haben zwei Glasbläser in den großen Öfen Becher aus grünem Glas hergestellt. Damit soll, so sagte es Michael Drews, die Herstellung von sogenanntem grünen Waldglas nachempfunden werden, eine Tradition, die im 17. Jahrhundert hier ihren Ursprung hat.

Interessiert schauen Besucher der Berliner Glasperlenmacherin Marit Schreiber-Bartsch über die Schulter. Die Glaskünstlerin ist Mitglied im Förderverein Grimnitzer Glashütten.
Stephan Backert„Wir machen das mit alten Formen, damit die Leute sehen können, wie so etwas geht“, sagte er auch im Hinblick auf das Wissen, was man mit diesen Vorführungen vermitteln will. Eine schweißtreibende Arbeit. Der Brennofen hat eine Temperatur von etwa 1200 Grad und auch das langsame Abkühlen in einem weiteren Ofen startet bei etwa 500 Grad.
Glas in Joachimsthal selber gestalten
Der Förderverein Grimnitzer Glashütten ist nicht nur für die Glastage bekannt.
● Von Mai bis Oktober gibt es jeden ersten und dritten Sonnabend im Monat den Grimnitzer Glas- und Kultursamstag. Die Werkstatt ist an diesen Tagen von 11:00 bis 17:00 geöffnet, der Eintritt ist frei.
● Am Sonntag, 7. September, gibt es den nächsten Fusing-Kurs. Hier können farbige Fensterbilder von Kindern und Erwachsenen gestaltet werden. Kosten: 40 Euro pro Person, die Materialien sind darin enthalten.
Weitere Informationen auf der Webseite des Vereins unter glashuettegrimnitz.de
Die Grimnitzer Glastage gibt es noch bis Sonntag (10. August). Sie zählen zu den wichtigsten Veranstaltungen nicht nur im Leben des Vereins, sondern auch im Jahreskalender der Stadt Joachimsthal.



