Geschichte in Eberswalde
: Warum dieses Buch ein Muss für Eberswalder Familien ist

Heute undenkbar - ein Einwohnerbuch. Aufgelistet alle Bürger mit Name, Adresse, Beruf. 1939 kam ein solches heraus. Jetzt gibt es einen Nachdruck der Rarität. Mit Bestseller-Potenzial.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Adressbuch 1939

Pflichtlektüre für Eberswalder, die in Sachen Ahnenforschung unterwegs sind: der Nachdruck eines Einwohnerbuches aus dem Jahr 1939.

Viola Petersson
  • Andreas Peter veröffentlicht das Einwohnerbuch Eberswalde von 1939 neu; 316 Seiten lokale Geschichte.
  • Buch ist wichtig für Ahnenforschung, enthält Name, Adresse und Beruf aller Bürger.
  • Original im Antiquariat gefunden, seltene Vorkriegspublikation.
  • Drei Teile: Einwohnerverzeichnis, Straßenliste, Gewerbeverzeichnis.
  • Buch ab sofort im örtlichen Handel erhältlich; Vorstellung geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Heute wäre eine derartige Publikation undenkbar. Wegen der Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO. Namen, Anschriften, Eigentümerschaft – alles unterliegt dem Datenschutz. Obgleich so mancher in Social-Media-Zeiten mit sensiblen Daten großzügig umzugehen scheint. Auch deshalb dürfte die jüngste Veröffentlichung von Andreas Peter das Potenzial zum Bestseller haben. Jedenfalls in Eberswalde.

Der Inhaber des Niederlausitzer Verlages hat soeben in einem Reprint das Einwohnerbuch der Stadt Eberswalde von 1939 herausgegeben. 316 Seiten geballte Information zur Lokalgeschichte zwischen zwei Buchdeckel gepresst. Inklusive Original-Vorwort von Rudolf Schmidt. In der heutigen Barnimer Kreisstadt bestens als Ortschronist bekannt. Und quasi als Bestseller-Autor.

Original per Zufall in einem Antiquariat entdeckt

Das Einwohnerbuch, im Untertitel Adressbuch genannt, war 1939 auf der Basis „behördlicher Quellenangaben“ entstanden. Mehrfach sei er von Eberswaldern angesprochen worden, ob er diese Publikation nicht in einer Neuauflage herausbringen könne bzw. wolle, erzählt Andreas Peter. Das Problem: „Sich ein Original zu beschaffen, ist so einfach nicht.“ Meist könne man das nur antiquarisch erwerben. So auch in diesem Fall. Trotz umfangreicher Recherchen, letztlich sei ihm per Zufall in einem Antiquariat im Ruhrgebiet das Nachschlagewerk, eine echte Rarität, in die Hände gefallen.

Das war Anfang dieses Jahres. Der 61-jährige Peter konnte sein Glück kaum fassen. „Ich war diesem Einwohnerbuch eigentlich seit Jahren hinterhergerannt.“ Dazu müsse man wissen, dass Vorkriegsbücher extrem selten geworden sind. Die Nazizeit sei gewissermaßen ein fast weißer Fleck.

Andreas Peter machte sich sogleich an die Arbeit, um für den Nachdruck alles vorzubereiten. Dieses Einwohnerbuch, davon ist der Herausgeber überzeugt, sei ein „wichtiges Handbuch“ für die lokale Geschichtsforschung, aber vor allem auch für die Familienforschung. Wo genau lebten die Vorfahren? Mögliche Lücken in der Familiengeschichte können so vielleicht geschlossen werden.

Adressbuch 1939

Das Adressbuch war offensichtlich noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erschienen. Gedruckt wurde es damals in der Buchdruckerei Arendt in Eberswalde. Das Vorwort stammte aus der Feder des Ortschronisten Rudolf Schmidt.

Viola Petersson

Das Einwohnerbuch gliedert sich im Wesentlichen in drei Teile, die die Lektüre so informativ und spannend machen. Der erste Teil ist das Einwohnerverzeichnis in alphabetischer Reihenfolge. Mit jeweiliger Wohnadresse des Bürgers und Beruf. Der zweite Teil listet nach Straßennamen sortiert alle Bewohner unter dieser Anschrift auf.

Wobei der Hauseigentümer markiert ist. Beim dritten Abschnitt schließlich handelt es sich um ein „Verzeichnis der Gewerbetreibenden und freien Berufe“, geordnet nach Branchen, Fabrikations- und Handelszweigen. Eine Übersicht der damaligen Behörden und Dienststellen in Eberswalde (vom Eichamt bis zum Städtischen Schlachthof) sowie der Vereine mit ihrem jeweiligen Vorsitzenden komplettiert das Werk.

Dieses Nachrichtenportal macht sogleich die Probe auf Exempel. Der Großvater der Autorin, Jahrgang 1905, hatte Anfang der 1930er Jahre in Westend ein Haus bzw. eine Doppelhaushälfte gebaut. Dort lebte er 1939. Prompt ist er unter seinem Namen im Einwohnerverzeichnis zu finden. Im zweiten Teil sind unter seiner Adresse zwei weitere Namen zu lesen: der seines Vaters, also des Urgroßvaters, und der eines Kraftfahrers, der Autorin unbekannt. Ein Mieter? Die Großeltern sind längst verstorben. Sodass sie nicht mehr befragt werden können. Auch deren Kinder sind nicht mehr am Leben. Blieben also nur weitere Recherchen in Archiven.

Adressbuch

Auch damals gab es schon Werbung: hier Reklame der Tierpark-Gaststätte. Der Zoo war 1929 als Wildpark mit Lokalität von Bruno Schulz gegründet worden. Weshalb in vier Jahren der 100. Geburtstag groß gefeiert werden soll.

Viola Petersson

Doch zurück zu Andreas Peter und seiner aktuellen Veröffentlichung. Es ist die vierte Publikation für Eberswalde. Nach dem Reprint von Rudolf Schmidts Frühwerk „Eberswalde in Sage und Geschichten, Sitte und Brauch“, dem Nachdruck von Schmidts „Eberswalder Handwerkerbuch“ sowie einer Neuauflage des Stadtplanes von 1926. Damit, so Peter mit einem Schmunzeln, sei ein vierblättriges Kleeblatt für die Barnimer Kreisstadt faktisch komplett.

Aktuell Werk aus seiner Heimat in Arbeit

Aktuell beschäftigt er sich gerade mit einem Werk in seiner Heimat: „Idylle mit Schatten – Eine Kindheit im Spreewald“ von Editha von Münchhausen, das 1987 in einer ersten Auflage erschienen war und das er jetzt neu herausgeben wolle. Und kommt für Eberswalde ein weiteres, ein fünftes Buch? Wer weiß. Vielleicht stößt der frühere Geschichtslehrer, der seit knapp 20 Jahren als Autor und Verleger in Guben tätig ist, in irgendeinem Antiquariat ja wieder mal auf ein historisches Schätzchen.

Das „Einwohnerbuch der Stadt Eberswalde“ ist ab sofort im örtlichen Buchhandel erhältlich. Das Werk kann außerdem direkt beim Verlag per E-Mail bestellung@niederlausitzerverlag.de geordert werden. Eine Buchvorstellung im Eberswalder Heimatkundeverein ist noch geplant.