Gespräch: Vogelsänger im Rampenlicht

Spot an: Scheinwerfer und Kameras sind beim Gespräch mit Jörg Vogelsänger im Café Kleinschmidt auf den Minister und Moderatorin Sophie-Marie Heidenreich gerichtet. Aus mehreren Perspektiven wird die Situation gefilmt. Das verrät auch der Monitor unten links. Der leere Stuhl auf der Bühne und die Gitarre zu dessen Füßen sind für Singersongwriterin Leona Heine reserviert.
MOZ/Thomas BurckhardtDer Mitschnitt wird später Teil eines Films von mehreren Talkrunden, heißt es auf die Frage der MOZ nach der Veranstaltung. „Sag doch mal“ nennt die SPD das Format, in dem Ministerpräsident Dietmar Woidke, SPD-Minister und Staatssekretäre vielerorts in Brandenburg mit Bürgern plaudern dürfen. Diesmal ist es eben Vogelsänger, der, nachdem er Eberswalde und den Zoo gelobt hat, von schönen Terminen seines Arbeitsalltags erzählt, über seine politischen Anfänge im Gemeinderat von Erkner und darüber, ob er im Auto singt. Befragt wird er von Moderatorin Sophie-Marie Heidenreich im SPD-roten Dress.
Alkoholfreies Hefeweizen
Vogelsänger bestellt alkoholfreies Hefeweizen. „Ich bin heute Abend Selbstfahrer“, begründet er. Auch als die Moderatorin spontan Lust auf Eierlikör bekommt, bleibt er standhaft, erwähnt aber, dass er in Senftenberg mal eine Eierlikörfabrik miteröffnen durfte. Singersongwriterin Leona Heine trinkt Wasser. Die Musikerin aus Fredersdorf ist nach einem live performten Song aus eigener Feder Teil des Talks und darf, wie der Minister, unter anderem ihre Meinung zur beitragsfreien Kita kundtun. Beide sind im Grunde dafür. Vogelsänger macht einschränkend deutlich, dass das auch finanziert sein muss und Besserverdiener dadurch mitbegünstigt werden. Leona Heine ist die Qualität in den Kitas wichtiger als die Beitragsfreiheit, sagt sie. Dann spielt die Frohnatur ihren zweiten Song des Abends und animiert das Publikum erfolgreich, die Stelle mit dem „Lalalala“ mitzusingen.
Ganz so beschaulich bleibt es im Kleinschmidt nicht. Bei den Publikumsfragen meldet sich Förster Martin Krüger, Gewerkschafter beim Bund Deutscher Forstleute, zu Wort und spart nicht mit Kritik. Die Politik der SPD richte sich permanent gegen die Forst. Der Krankenstand bei Brandenburgs Forstleuten betrage im Durchschnitt 60 Tage im Jahr, das Durchschnittsalter liege bei 57. Schon den Lehrermangel in Brandenburg habe die Landesregierung verpennt. Bei der Forst seien die Stellen permanent zurückgeschraubt worden. Auch den Umzug des Landesbetriebes nach Eberswalde sieht Krüger kritisch, da sich die Wege der in Potsdam Angestellten verlängern.
Jörg Vogelsänger benennt eine Zielzahl von 1150 Forstleuten und verkündet einen Einstellungskorridor von zehn Leuten pro Jahr. Aus Krügers Sicht zu wenig. Wie der Minister beruhigt, müsse niemand umziehen. Den Beschäftigten in Potsdam würden ortsnah Stellen angeboten. Die Forst sei der Regierung wichtig. Millionen seien in den Waldumbau investiert worden, so Vogelsänger.
Kritik gibt es auch an der Monokultur auf den Feldern der Mark und am Insektensterben. Vogelsänger spricht von geplanten Blühstreifen an den Feldern und 28 Millionen Euro für den ökologischen Landbau. Was das Insektensterben betrifft, könne jeder im eigenen Garten einen Beitrag leisten.
Nach knapp 90 Minuten endet der Talk. Fragen aus dem Publikum gibt es nicht mehr. Erfahren hat es am Abend übrigens auch, dass der Minister mit zweitem Vornamen Willi heißt.
2019 im Kleinschmidt
Ein Puhdy kommt am Sonntag in einer Woche ins Café Kleinschmidt in der Eisenbahnstraße. Ab 20 Uhr wird am 18. Mai zu Musik und Talk mit Peter Meyer eingeladen. Karten gibt es für 20 Euro in der Bar, die ab 16 Uhr öffnet. Er ist das P im Bandnamen und war schon 1965 Mitbegründer der Ur-Puhdys, bevor die erfolgreichste Rockband der DDR-Musikgeschichte sich 1969 durch den damals neuen Sänger, Dieter "Maschine" Birr, so formierte, wie sie bis zu ihrer Auflösung vor drei Jahren bei über 3000 Konzerten vor etwa zehn Millionen Konzertbesuchern spielte und bis zum Schluss erfolgreiche Alben veröffentlichte.
Am 17. November folgt auf den Puhdy ein Prinz. Sebastian Krumbiegel besucht das Kleinschmidt mit seinem Soloprogramm "Ein Mann, sein Klavier und ihr". Karten gibt es ebenfalls für 20 Euro in der Bar. Mit seiner Band Die Prinzen hat Krumbiegel 16 Alben und doppelt so viele Hit-Singles veröffentlicht. Im September geben sie ein Konzert in der Eberswalder Maria-Magdalenen-Kirche. Das allerdings ist seit Dezember ausverkauft. Krumbiegels Album "Solo am Piano" erschien 2011. "Ein Mann, sein Klavier und ihr" kam drei Jahre später heraus.⇥red
