Hilfe nach Hochwasser: Das THW aus Eberswalde versorgt jeden Tag bis zu 300 Helfer in Ahrweiler
Normalerweise würden zu dieser Jahreszeit Eltern mit ihren Kindern über das Gelände der Sommerrodelbahn in Altenahr wuseln. In diesem Jahr sind stattdessen Rettungskräfte in Blau und Rot zu sehen. Auch das Eberswalder THW hat auf dem kleinen Berg einen Stützpunkt aufgebaut. Durch die Lage war das Gelände rund 15 Kilometer westlich von Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht von den Überschwemmungen betroffen.
Das THW kümmert sich ums Essen und den täglichen Bedarf
„Wir brauchen selbst eine Infrastruktur, die funktioniert“, erklärt Dirk Wagner, stellvertretender Ortsbeauftragter des Eberswalder THW, der vor Ort mit anpackt. Darum konnte der Stützpunkt der ausgerückten Fachgruppe Logistik und Verpflegung nicht direkt im zerstörten Gebiet aufgebaut werden.
Das THW muss den Stützpunkt komplett selbst führen, die Aufgabe ist es, alle Helfer zu verpflegen. Zum einen mit Nahrung, aber ebenso mit den Dingen des alltäglichen Bedarfs: Wasser, Treibstoff, Desinfektionsmittel und Hygieneartikel, jedoch auch auch Banales wie Schreibmaterial werden gebraucht.
Das Essen ist abwechslungsreich
Morgens bauen die Helfer ein kleines Büfett mit Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade und Rührei auf. Mittags gibt es beispielsweise Reis mit Cevapcici und auch abends wird wieder warm gekocht. Da gibt es dann Schnitzel oder sogar mal Burger, berichtet Wagner. Pro Mahlzeit kommen bis zu 300 Portionen zusammen.
Das THW verzichtet dabei weitgehend auf Dosenmahlzeiten und versucht, abwechslungsreich zu kochen. Das ist gut für die Moral der Helfer, und ihre Laune steigert sich nach den schweißtreibenden Einsätzen merklich.

Wiederverwendbar: Auch eine eigene Spülküche für das Geschirr hat das THW aus Eberswalde mitgebracht.
Dirk Wagner/THWDabei hilft laut Wagner auch ein kleines Detail: Serviert wird nicht auf billigen Papptellern, sondern auf stabilem Geschirr aus Melamin, einem porzellanähnlichen Material. Jeder sei froh, von ordentlichen Tellern mit gutem Besteck zu essen.
Die Helfer erfahren viel Dankbarkeit
Wenn es nötig ist, fährt das THW Essen und Material auch direkt zu den Helfern in die zerstörten Gebiete, erzählt Wagner. Dort seien die Menschen, die fast alles verloren hätten, rund um die Uhr damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. Sie freuten sich über jede Versorgung, denn auch das war nach der Katastrophe eine zeitlang schwierig.
Euphorisch sei aber natürlich niemand. „Sie sind einfach froh, dass jemand zum Helfen da ist“, erzählt Wagner. Ansonsten bekommen die Eberswalder THW-Kräfte selbst wenig direkt aus den zerstörten Gebieten mit.
Das Meiste erfahren sie, wenn die Retter ihnen beim Essen von der Arbeit erzählen. Von Angriffen, über die THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner kürzlich berichtete, erfuhr Wagner aus Ahrweiler noch nichts. „Aber das heißt nicht, dass das nicht andernorts passiert“, sagt er.
Wie lange sie bleiben, steht noch nicht fest
Generell gebe es jedoch eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Helfern vor Ort – egal ob professionell oder freiwillig. THW, Bundeswehr, Polizei, Sanitätsdienste, Feuerwehren und die Zivilisten unterstützen sich, wo immer es geht.
Das Lob für ein gutes Miteinander spricht Wagner auch den Arbeitgebern der ehrenamtlichen Helfer aus. Die zeigten viel Verständnis und ermöglichten eine flexible Abstimmung mit den Hilfskräften. „Wenn jemand sagt, er kann erst eine Woche später, dann organisieren wir das so“, erklärt Wagner. Und wenn doch Mal jemand dringend auf der Arbeit gebraucht wird, wird auch das geregelt.
So konnten bisher aus Eberswalde im Wechsel insgesamt schon 21 Männer und Frauen ins Ahrtal fahren. Vor Ort haben sich die Barnimer mit Kräften aus Berlin und Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen, sodass stets 24 THWler im Einsatz sind. Wie lange sie das noch sein müssen, steht nicht fest, denn die Lage ist immer noch dynamisch, erklärt Wagner. Solange jedoch keine neue Information von der Einsatzleitung ankommt, werden die Eberswalder weiter für die Einsatzkräfte in Ahrweiler kochen.
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Spendenaktion der MOZ
Die Spendenaktion „Wir helfen“, zu der die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau in Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland aufrufen, nimmt Spenden auf folgendem Konto des Landkreises Märkisch-Oderland entgegen:
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