Hinter den Kulissen: Zwei Brandenburger in der Sachsenklinik

"In aller Freundschaft": Gewinner und Fan Nico Prillwitz (l.) posiert in einer Drehpause mit Andrea Kathrin Loewig (Dr. Kathrin Globisch) und "Notarzt" Markus Neumann, der nach zehn Jahren von den Fans einen Serien-Namen bekommen hat.
Sebastian Kiss/MDR/Saxonia MediaWenn in der Sachsenklinik die Türen der Notaufnahme auffliegen und wieder ein Schwerverletzter per Trage in einen der Not–OPs geschoben wird, hat Markus Neumann seinen Auftritt. Seit zehn Jahren spielt der gebürtige Cottbuser den Notarzt in der ARD–Soap „In aller Freundschaft“. Zu seinem Jubiläum will ihm das Team nun einen Serien–Namen schenken. Den durften die Fans aussuchen. Unter den besten Vorschlägen wurde ein Tag am Set verlost. „Ich konnte es gar nicht glauben, als ich die Nachricht bekam, dass ich gewonnen habe“, sagt Nico Prillwitz.
An einem sonnigen Juni–Tag sitzt der Eberswalder nun im weißen Arztkittel in der TV–Cafeteria der nachgebauten Sachsenklinik, als die erste Klappe fällt. „Kamera läuft, Ton ab. Ruhe bitte“, ruft der Regie–Assistent, und der 35–Jährige fängt an, bei einer Tasse Kaffee eine medizinische Studie durchzublättern. Prillwitz darf als Statist in der Cafeteria–Szene mitspielen, in der der Notarzt erstmals mit „Daniel“ angesprochen wird und sich nach dem Dialog mit Dr. Philipp Brentano (Thomas Koch) erstmals mit „Dr. Lorenz“ am Handy meldet.
„Männerfreundschaft“ heißt die Folge, die am 8. Oktober ausgestrahlt wird. Und auch Prillwitz und Neumann sind sofort ein Kick und ein Ei. „Du warst ganz groß im Bild“, sagt der Kleindarsteller und erzählt dem Neuling, wie nervös er selbst war, als er 2009 bei "In aller Freundschaft“ anfing. Im wahren Leben arbeitet Neumann als freier Nachrichtenredakteur und Sprecher beim MDR. „Die Notarztrolle ist für mich ein Hobby. Andere gehen ins Fitnessstudio, ich zum Dreh“, sagt der 43–Jährige, der im kleinen Örtchen Ilmenau bei Drebkau aufwuchs und heute in Leipzig lebt. Richtig in das Schauspielfach wechseln will er nicht. „Schon jetzt sind die Dreharbeiten aufregend genug“, sagt Neumann lachend. „Ich hatte schon Sky du Mont auf der Trage, die viel zu kurz war. Nina Bott habe ich im OP–Saal den Puls gefühlt. Und Marianne Sägebrecht ist unter meinen beruhigenden Streicheleinheiten als Anästhesist eingeschlummert“, erzählt er von den Highlights.
Plausch mit seinen Helden
Auch Nico Prillwitz trifft bei seinem Set–Besuch die Helden seiner Lieblingssendung, die er seit 15 Jahren schaut. Andrea Kathrin Loewig alias Dr. Kathrin Globisch kommt in einer Drehpause sofort zum Plausch zu den beiden Brandenburgern und stellt sich für ein Foto in die Mitte. Ob TV–Star, Drehbuchautor oder Maskenbildnerin: Trotz streng durchgetakteten Drehplans: Alle schütteln dem Besucher die Hand und erzählen ihm von ihrer Arbeit. Die Stimmung in den TV–Studios der Leiziger Media–City ist familiär.
Und so darf der Eberswalder auch auf der TV–Couch im Wohnzimmer des Chefarztes Platz nehmen. Die Kulissen in der Media–City wirken wie die Räume in einem echten Klinikum. In den OP–Sälen liegen mit Kunstblut besudelte Schläuche und Tupfer. Das echte Besteck, mit dem hier Schweine– und Kunsthaut aufgeschnitten werden, ist aber stumpfer als in einem richtigen Krankenhaus, damit sich die Schauspieler nicht verletzen, erfährt Prillwitz.
Selbst vom Fach
Er ist selbst vom Fach. Als Codierungs–Assistent bearbeitet er im Eberswalder Forßmannkrankenhaus Patientenakten. „Das hier ist mein Arbeitsplatz“, ruft der 35–Jährige erstaunt, als er vor einem Visitenwagen mit mobilem PC steht, und berichtet den Schauspielern ebenfalls aus seinem Arbeitsalltag. „Ich finde schon, dass die Serie sehr realitätsnah ist“, sagt Prillwitz nach seinem ausführlichen Rundgang durch die Krankenzimmer. Im Fundus, eine Etage höher, hängen alleine 200 Schlafanzüge für Patienten. Neben einem eigenen Nähraum befindet sich die Maske, wo nicht nur das HD–perfekte Makeup, sondern in stundenlanger Arbeit schwere Brandwunden oder Tattoos geschminkt werden.
Auch die anderthalbminütige Szene, in der der neue Serien–Name "Dr. Daniel Lorenz“ eingeführt wird, muss mehrfach gedreht und umgebaut werden. Einmal scheint plötzlich die Sonne durch das Fenster, obwohl es in der ersten Einstellung bewölkt war.
Dann muss der Zopf von Oberschwester Arzu gerichtet werden. „Die Fans schauen ganz genau hin und bekommen jeden Fehler mit“, erklärt Markus Neumann, als nach anderthalb Stunden alles im Kasten ist.
„Das ist wirklich viel mehr Arbeit, als man nachher sieht“, sagt Nico Prillwitz anerkennend. Auch er wird nun jeden Dienstagabend um 21 Uhr noch genauer hinschauen: Besonders dann, wenn sein neuer Freund Notarzt Dr. Lorenz kommt.
