Innenstädte
: Rückzug vom Land

Der Strukturwandel im Einzelhandel wird derzeit in Joachimsthal sichtbar: Ein Fleischer und ein Discounter schließen ihre Pforten.
Von
Susan Hasse
Joachimsthal
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  • Letzte Einkäufe: Die Aldi-Filiale in Joachimsthal schließt am 31. Juli für immer ihre Pforten. Die Regale im Markt leeren sich bereits sichtbar. Ein Nachmieter für die große Gewerbefläche in der Töpferstraße ist derzeit noch nicht in Sicht.

    Letzte Einkäufe: Die Aldi-Filiale in Joachimsthal schließt am 31. Juli für immer ihre Pforten. Die Regale im Markt leeren sich bereits sichtbar. Ein Nachmieter für die große Gewerbefläche in der Töpferstraße ist derzeit noch nicht in Sicht.

    susan hasse
  • Geschlossen: Ortlieb verkauft seine Produkte künftig nur noch in Althüttendorf. Der letzte handwerklich arbeitende Fleischer geht.

    Geschlossen: Ortlieb verkauft seine Produkte künftig nur noch in Althüttendorf. Der letzte handwerklich arbeitende Fleischer geht.

    susan hasse
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Wieder einer weniger: Statt vier Supermärkten gibt es ab August in Joachimsthal nur noch drei Märkte für die Nahversorgung. Der Discounter Aldi, der nach der Wende einer der Ersten im Ort war,  schließt am 31. Juli und verlässt den Ort. Als die Nachricht vor einigen Wochen bekannt wurde, ging einen Erstaunen durch den Ort. Ausgerechnet Aldi?!, fragten sich viele Bürger. Und dabei war seit Monaten zu beobachten, dass der Parkplatz beim Discount–Marktführer leerer als an den anderen Supermärkten in der Stadt war. Auch die Warenbestände in den Regalen sind entsprechend der geringeren Nachfrage stetig reduziert worden. Dennoch kam das Aus für die Mitarbeiter überraschend: Ihnen wurden nun Jobs in den Filialen Eberswalde, Templin und Prenzlau angeboten. Bis auf eine Mitarbeiterin hätten alle etwas Neues gefunden, heißt es.

Umsatz stagniert bei Aldi Nord

Der Discounter Aldi Nord hat seit einiger Zeit Probleme: Das Wachstum des Konzerns stagnierte zuletzt bei 11,75 Milliarden Euro, während andere Konzerne wie Edeka, Lidl und Rewe wachsen konnten. Vor allem im Osten tut sich Aldi Nord schwer. So liegen die durchschnittlichen Umsätze einer Filiale im Nordosten Brandenburgs mit 4,5 Millionen Euro unter dem Durchschnittsumsatz im Aldi–Reich. Der Standort Joachimsthal dürfte sogar deutlich darunter gelegen haben. Aldi steuert mit einem neuen Konzept gegen und schließt unrentable Märkte.

Künftig gibt es damit nur noch drei Einkaufsmöglichkeiten in der 3000–Einwohner–Stadt Joachimsthal — einen Edeka–Markt in der Innenstadt sowie den ebenfalls zum Edeka–Konzern gehörenden roten Netto Marken–Discount und den dänischen Discounter Netto (schwarz), die beide am Rand der Stadt liegen. Da die beiden zu Edeka gehörenden Märkte ihre Sortimente und auch Rezepturen der Eigenmarken weiter angleichen, wird somit auch die Angebotsvielfalt weniger.

Zusätzlich hat auch der letzte handwerklich arbeitende Fleischer, der in der Marktstraße eine Filiale betrieben hat, seit Juli geschlossen. Aus familiären Gründen kann der Familienbetrieb Ortlieb aus Althüttendorf die Filiale in Joachimsthal nicht mehr weiter betreiben, heißt es. Was künftig aus dem Standort wird, ist noch offen. Auch was im Aldi–Markt mit dazugehörigem Parkplatz in der Töpferstraße werden soll, steht in den Sternen. Gerüchte gibt es viele, bestätigte Informationen keine. Hartnäckig hält sich etwa das Gerücht, dass die Johanniter oder der Landkreis eine Rettungsstelle dort aufmachen wollen. Auf dem großen Areal könnte ein Hubschrauber stehen. „Das ist Quatsch“, meint dazu Johanniter–Regionalchef Ralf Opitz gegenüber der MOZ. Vonseiten der Johanniter gäbe es keinerlei Pläne. Wegen der strengen Vorschriften zum Schallschutz und zu notwendigen Abstandsflächen sei der Standort völlig ungeeignet, so seine Einschätzung. Auch der Rettungsdienst des Landkreis Barnims winkt ab. Der Aldi–Standort käme nicht infrage, um eine größere Rettungswache zu bauen.

Einzugsgebiet ist zu klein

Als unwahrscheinlich gilt ebenfalls, dass in die Immobilie, die Aldi gehört, ein anderer Einzelhändler einzieht. Textil– und sogenannte Non–Food–Händler wie Kik, Takko oder Ernsting´s Family benötigen, um rentabel arbeiten zu können, ein Einzugsgebiet von 10.000 Einwohner. Joachimsthal und die umliegenden Dörfer kommen gerade mal auf 5.000 Einwohner. Der ländliche Raum ist für große Händler per se ein schwieriges Pflaster. Im Norden des Barnims haben die Menschen zudem noch eine deutlich geringere Kaufkraft als anderswo.

Doch es gibt auch Lichtblicke im 3000–Einwohner Ort Joachimsthal. Kleinere Unternehmer wagen den Schritt in die Selbständigkeit und öffnen Geschäfte. Kürzlich hat etwa ein neuer Blumenladen in der Zorndorfer Straße eröffnet und in ein lange Zeit leerstehendes Ladengeschäft in der Marktstraße ist eine Physiotherapeutin eingezogen.