Investition
: Ein Stromfresser weniger im Zoo

Für knapp 400 000 Euro wurden im Tierpark Eberswalde die Kühl- und Kälteanlagen erneuert. Energiekosten sollen dadurch um etwa 20 Prozent sinken.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Futtermittel für Tiger und Co.: Tierpfleger-Azubi  Michael Wilke bringt gerade Fleisch in einer der neuen Kühlzellen unter. Die verschiedenen Futtermittel-Arten sind laut hygienischen Anforderungen separat zu lagern.

MOZ/Thomas Burckhardt

Wie viele Kühl-/Gefrierschränke einer Durchschnittsfamilie passen eigentlich in die beiden riesigen Zellen im Zoo? Ganz exakt konnten das weder Auftraggeber noch Auftragnehmer ad hoc beantworten. Es mögen einige Dutzend sein. Was sie jedoch relativ genau sagen können: Die neue Technik soll etwa 16 645 kWh weniger im Jahr verbrauchen, was etwa dem Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie in vier Jahren entspricht.

Oder anders ausgedrückt: Die alte Anlage hat um die 84 000 kWh Strom im Jahr verschlungen. Erwartet wird eine Ersparnis von um die 20 Prozent. Und damit gleichsam eine deutliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Die Kühl- und Kältetechnik machte bislang zirka 40 Prozent der Gesamtstromkosten für den Zoo aus. Und: Die alte Technik, zum Teil sogar noch aus DDR-Zeiten, sei oft ausgefallen, Reparaturen waren längst an der Tagesordnung, untermauert Zoochef Bernd Hensch bei der offiziellen Übergabe der XXL-Schränke auf dem Wirtschaftshof. Ein frostiger Termin.

Bessere Arbeitsbedingungen

Notwendig ist die Kühlanlage für die Lagerung der Futtermittel. „Wir brauchen allein 500 Kilogramm Rind in der Woche“, nennt der Direktor ein Beispiel. Insgesamt seien es um die 130 verschiedene Futtermittel. Von Fleisch oder Fisch (für Tiger, Pinguin und Co.) bis hin zu Gemüse und Obst für die Vegetarier unter den Zoo-Bewohnern. Den Probelauf haben die Aggregate mit dem Hitzetest jetzt im Sommer bereits bestanden, bestätigen Zoo-Inspektor Matthias Hoff und Hochbau-Amtsleiter Bert Bessel unisono.

Neben der Energiekostenersparnis, die positiv zu Buche schlägt, hätten sich mit der neuen Technik zugleich die hygienischen Bedingungen sowie die Arbeitsbedingungen für die Tierpfleger wesentlich verbessert, ergänzt Hoff. Die Anlagen befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Futtermittelküche. Zudem nutze die neue Technik die Abwärme. Per Wärmerückgewinnung unterstütze sie die Warmwasseraufbereitung, erklärt Martin Grabarz von der Dresdner Kühlanlagenbau GmbH, die das Projekt zwischen Oktober und April umgesetzt hat. Eine Herausforderung, so Grabarz, habe darin gelegen, trotz Winter für die Zeit der Erneuerung provisorische Kühlkapazitäten zu schaffen.

Mit Blick auf die energieeffiziente Technik unter Verwendung eines klimafreundlichen Kältemittels spricht Bessel von einer „Vorzeigeanlage“. Mit der Modernisierung habe der Zoo eine Maßnahme des eigenen wie auch des städtischen Klimaschutzkonzeptes umgesetzt. Möglich wurde dies dank Förderung. Bei Gesamtkosten von 392 000 Euro habe die Stadt einen Zuschuss aus Potsdam und Brüssel von 229 000 Euro erhalten.

Neben der neuen Kühltechnik hat der Zoo in den vergangenen Jahren bereits eine neue, moderne holzbetriebene Heizung installiert, die Fahrzeugflotte werde auf Elektroantrieb umgestellt und es gibt entsprechende Ladesäulen. Auch für Besucher. Damit gehöre die Einrichtung innerhalb der Stadt zu einem Vorreiter, sagt Amtsleiter Bessel.

In den Kühl- und Kältezellen liegt die Temperatur, ähnlich wie in der Familien-Kühl-/Gefrier-Kombination zwischen zwei und vier Grad bzw. bei minus 20 Grad. Mit dem Wechsel der Kühlzellen allein war es freilich nicht getan. Die Erneuerung war mit recht umfangreichen Erd- und Betonarbeiten sowie Elektroarbeiten auf dem Wirtschaftshof verbunden, fügt Liane Hergt hinzu. Für die Mitarbeiterin des städtischen Hochbauamtes war dies das erste Projekt.

Für Besucher ist der Zoo-Kühlschrank zwar tabu. Aber Gäste dürfen bei der Tierfütterung live dabei sein: Zwergotter täglich um 10 und 14 Uhr, Pinguine täglich um 11 und 15 Uhr sowie Lori (im Urwaldhaus) täglich um 13 Uhr.