Investition
: Kleinkindschule startet durch

Der evangelische Kindergarten an der Pfeilstraße, gegründet 1832 und damit einer der ältesten der Mark Brandenburg, wird einer Frischzellenkur unterzogen.
Von
Sven Klamann
Eberswalde
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Alltag auf der Baustelle: Im evangelischen Kindergarten, der weiter geöffnet hat, entkernen Mario Schulze (l.) und Rene Scharafin gerade den Waschraum im Erdgeschoss.

MOZ/Thomas Burckhardt

Bohrer fressen sich kreischend in Wände, Hammerschläge fallen im Akkord und Staub rieselt von der Decke. Ab und zu übertönte Kinderlachen hinter einem provisorischem Plastikvorhang den Baulärm. Seit Mai ist die Kita „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ eine Baustelle. Die Stadtkirchengemeinde lässt das Gebäude ertüchtigen, in dem bereits seit 1893 beinahe durchgängig Kinder betreut werden. Die Geschichte der Stätte ist sogar noch älter: Schon 1832 hatte der evangelische Prediger und Schulrektor Ernst Daniel Martin Kirchner (1802 bis 1879) an der Schneiderstraße Räume angemietet, um darin eine Kleinkindschule zu gründen, die berufstätige Mütter entlasten sollte. 61 Jahre später erfolgte der Umzug eines der ältesten Kindergärten der Mark Brandenburg in den Neubau an der Pfeilstraße.

„Unser Haus atmet in jedem Winkel Geschichte. Die Komplettsanierung war überfällig“, sagt Pfarrer Martin Lorenz, der für die Stadtkirchengemeinde das Bauvorhaben betreut, bei dem überdies ein zweistöckiger  Anbau vorgesehen ist. Alles in allem wird mit Kosten um die 2,5 Millionen Euro gerechnet.

Wenig Platz für die Erweiterung

Das Geld kommt von den Evangelischen Landeskirchen für Baden sowie für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz, vom Kirchenkreis Barnim und von der Stadtkirchengemeinde, die im mehr als 40 000 Einwohner zählenden Eberswalde knapp 2600 Mitglieder hat. „Unser Eigenanteil liegt bei um die 600 000 Euro“, sagt Martin Lorenz. Davon würden 400 000 Euro über einen Kredit finanziert.

Auch wenn die Stadtkirchengemeinde wahrlich nicht reich sei, liege es eher weniger am Geld, dass die lange überfällige Sanierung ewig auf sich warten ließ. Vor allem räumlich habe es an der Möglichkeit gefehlt, den Kindergarten wunschgemäß auch zu erweitern, bis 2015 endlich das Nachbargrundstück gekauft werden konnte, berichtet der Pfarrer.

Viel Platz bietet das von der Stadt Eberswalde erworbene Areal allerdings nicht. Immerhin ist die Fläche groß genug, um in dem dort vorgesehenen Anbau 20 zusätzliche Plätze zu schaffen. Die Kapazität wird dadurch auf 136 Plätze erhöht.

„Die Nachfrage ist noch weit höher“, betont Martin Lorenz, dem auch nicht davor bange ist, dass die Zahl der Kinder in den kommenden Jahren wieder sinken könnte. Eberswalde sei eine wachsende Stadt, das sei in allen Bereichen zu spüren. „Wir tragen mit unserer Investition dazu bei, dass auch die Infrastruktur wächst“, sagt der Pfarrer.

Krippenkinder ziehen um

Den elf Erzieherinnen und einem Erzieher sei er enorm dankbar, dass sie die Strapazen während der Bauphase in Kauf nehmen würden, hebt der Bauverantwortliche von der Stadtkirchengemeinde hervor. Erst recht den Eltern, die morgens manchmal schauen müssen, wo denn diesmal ihre Kinder abgegeben werden können. "Dafür werden alle mit einer wunderbaren Kita belohnt, die kaum Wünsche offen lässt“, verspricht Martin Lorenz. Ende Februar/Anfang März soll im Altbau alles fertiggestellt sein. Anfang kommenden Jahres beginnen die Arbeiten am Neubau, die planmäßig bis Ende 2020 dauern.

Den 22 Krippenkindern bleibt das Baustellen–Chaos übrigens erspart. Für die Kleinsten ist der Martin–Luther–Saal im Gemeindezentrum an der Kirchstraße zur Heimat auf Zeit geworden. Auch die Hortkinder sind vorübergehend dort untergebracht.