Juden in Eberswalde: Darum wird Ellen Grünwald mit dem Obermayer-Award geehrt

Ellen Grünwald am Standort der ehemaligen Synagoge in Eberswalde: Seit 23 Jahren forscht Grünwald zu jüdischem Leben in Eberswalde.
Stephan Backert- Ellen Grünwald erhält den Obermayer German Jewish History Award für ihr Engagement in Eberswalde.
- Seit 2003 erforscht und bewahrt sie jüdisches Leben, z. B. mit Gedenkbuch und Stolpersteinen.
- Grünwald gründete die Initiative „Al Tishkach“ und pflegt Kontakte zu Holocaust-Überlebenden.
- Ihr Bürgerverzeichnis dokumentiert rund 1.500 jüdische Einwohner Eberswaldes seit dem 18. Jahrhundert.
- Der Obermayer Award würdigt Personen, die jüdisches Erbe in Deutschland bewahren und erinnern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ellen Grünwald ist mittlerweile bekannt in Eberswalde. Die Hortleiterin ist Initiatorin und treibende Kraft hinter einer Vielzahl von Erinnerungsprojekten. Bereits seit 2003 engagiert sie sich für die Erforschung und Bewahrung jüdischen Lebens in der Kreisstadt. Ihre jahrelange Forschungsarbeit hat zur Erstellung eines Gedenkbuchs für die lokale jüdische Gemeinde, zur Einrichtung einer Datenbank, die Generationen von jüdischen Einwohnern in Eberswalde dokumentiert, zur Verlegung von mehr als 60 Stolpersteinen, zur Gründung der lokalen Organisation „Al Tishkach – Spuren jüdischen Lebens in Eberswalde“ und zum Aufbau von Beziehungen zu Holocaust-Überlebenden und deren Nachkommen geführt.
In ihrer Jugend hat sie „Das Tagebuch der Anne Frank“ gelesen. 1988 kam sie nach Eberswalde und fragte sich, wo das jüdische Leben der Stadt geblieben ist. „Das Interesse an dem Thema war schon immer da“, erzählt sie. Ihr Engagement begann aber mit einem Klingeln an der Wohnungstür im September 2003. Lilli Kirsh, die mit ihren Eltern Hertha und Hermann Löwenthal 1938 vor den Nationalsozialisten fliehen musste, war seit dieser Zeit nicht mehr in Eberswalde. „Irrtümlicherweise klingelte sie bei mir, weil sie dachte, es wäre ihr altes Haus“, so Grünwald. Trotz des Irrtums kamen die beiden Frauen ins Gespräch und Ellen Grünwald begann, sich intensiv mit der Geschichte jüdischen Lebens in Eberswalde auseinanderzusetzen.
Ellen Grünwald arbeitet eng mit dem Kreisarchiv zusammen
Was sie seither ehrenamtlich geleistet hat, kann sich sehen lassen: Ihre Forschungsergebnisse bilden die Grundlage für das jüdische Bürgerverzeichnis für die Stadt Eberswalde, in dem bisher Daten zu rund 1.500 jüdischen Menschen in Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv Barnim erfasst sind, die ab dem 18. Jahrhundert in Eberswalde gelebt haben. Das Bürgerverzeichnis ist online auf der Webseite des Kreisarchivs einsehbar. Ihr ist es auch mit zu verdanken, dass heute mehr als 40 Stolpersteine an einstige jüdische Mitbürger in der Stadt erinnern. Bereits 2019 erhielt sie die Verdienstmedaille des Landes Brandenburg und engagiert sich durch Führungen, Veranstaltungen und Ausstellungen für die Erinnerung an jüdisches Leben in Eberswalde.
„Es ist gelebte Geschichte vor Ort, es ist Demokratiebildung und es ist mittlerweile auch eine politische Aufgabe geworden, was Anfangs nie so gedacht war“, sagt Ellen Grünwald. „Das Ziel von Geschichtsaufarbeitung ist es, daraus zu lernen und die Geschehnisse und Ungerechtigkeiten sichtbar und soweit wie möglich erfahrbar zu machen. In der Schule und in Dokumentationen wirken die Ereignisse von damals immer abstrakt. Wir versuchen, das was hier passiert ist, nahbar zu vermitteln. Wir wollen das Bewusstsein schaffen, dass wir eine Verantwortung haben. Es ist der Versuch, das Leben der Menschen damals zu illustrieren.“
Obermayer-Award: Renommierter Preis will Brücken bauen
„Wir“, das sind Ellen Grünwald und einige weitere Mitstreiter ihrer Initiative. „Wir wollen unser Wissen weitergeben und Brücken bauen.“ Eine große Hilfe sei dabei auch das Kreisarchiv gewesen, mit dem man eng zusammenarbeite. „Alleine ist so etwas gar nicht zu stemmen“, bemerkt Grünwald. „Und auch in der Stadt Eberswalde stoßen wir auf offene Ohren.“ Das sei in der Vergangenheit nicht immer so gewesen. Hinzu kommen Kooperationen mit Hochschulen.
Jetzt wird ihr eine weitere Ehrung zuteil. Die renommierte Obermayer Foundation wird sie am 1. Februar mit dem Obermayer German Jewish History Award, auch bekannt als Obermayer Award, auszeichnen. Die Obermayer Foundation ist eine Stiftung mit Sitz in West Newton (Massachusetts) und wurde von Arthur S. Obermayer gegründet, einem Vorstandsmitglied der Amerikanisch-Jüdischen Gesellschaft, dessen Vorfahren aus Deutschland stammten. Seit dem Jahr 2000 verleiht die Stiftung den Preis an Personen, die durch ihre Forschungsarbeit oder durch ihr praktisches Handeln zur Erinnerung oder zum Erhalt jüdischen Erbes in Deutschland beitragen. Das Ziel der Ehrung ist, das historische deutsch-jüdische Zusammenleben in Erinnerung zu rufen und Impulse für eine zukünftige Verständigung zu geben.
Auch Margot Friedländer zählt zu den Preisträgern
Zu den Preisträgern zählen unter anderem Margot Friedländer, Gunter Demnig und ein Fanprojekt der Sportjugend Berlin in Kooperation mit Hertha BSC. Auch der Eberswalder Verein Exil e.V. und der Groß Schönebecker Reiner Klemke gehören zu den Preisträgern in der 25-jährigen Geschichte des Awards. Die jüdische Geschichte sei nach dem Krieg, vor allem im Osten, kaum aufgearbeitet worden. „Eberswalde hat enorm viel zu bieten, was jüdische Geschichte angeht“, hebt Ellen Grünwald hervor. Der Preis sei eine große Anerkennung und zeige, wie groß das Projekt inzwischen geworden sei. Zudem sei es eine tolle Motivation, dass das Engagement auch gesehen wird. „Wir haben noch viele Projekte vor“, sagt Ellen Grünwald.


