Jüdisches Filmfestival: Diese Filme sind in Eberswalde zu sehen

In Not und Elend gebombt: Die Zivilbevölkerung in Gaza leidet unter dem von der Terrororganisation Hamas angezettelten Krieg am meisten. Die grausamen Bilder treiben auch die Mitglieder des Freundeskreises Eberswalde in Israel um.
Abed Rahim Khatib/dpaVom 18. bis zum 24. Juni wird in Berlin und Brandenburg das 30. Deutsch-Jüdische Filmfestival ausgerichtet. Die Kreisstadt des Barnims ist zum zweiten Mal als Veranstaltungsort dabei. Dies geschieht auf Betreiben des Freundeskreises Israel in Eberswalde, der seit Anfang 2021 den Status eines eingetragenen Vereines hat. Keines der aktuell elf Vereinsmitglieder bleibt davon unberührt, was seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 in Gaza und in Israel geschieht.
„Dabei sehen wir es eigentlich nicht als unsere primäre Aufgabe an, das politische Weltgeschehen zu kommentieren“, sagt Götz Trieloff, der Vorsitzende des Freundeskreises Israel in Eberswalde. Im Vereinsvorstand wirken zudem Ariane von Loew als Stellvertreterin, Friedemann Gillert als Schatzmeister sowie Esther Weitzel-Polzer und Günter Matthies als Mitglieder mit.
Vereinsvorsitzende träumt vom Schüleraustausch mit Israel
Es habe im Wesentlichen zwei Motive gegeben, sich schon 2018 zu der Initiative zusammenzufinden, aus der wenig später der Verein hervorgegangen sei, berichtet der Vorsitzende. Zum einen gehe es darum, dass der Staat Israel in der öffentlichen Wahrnehmung auch in Eberswalde zu selten als die einzige stabile Demokratie in dieser Weltgegend anerkannt werde. Zum anderen gerate die gemeinsame europäisch-jüdische Geschichte zu oft in Vergessenheit, die erst mit dem Holocaust abrupt abgerissen sei.

Vorfreude aufs Deutsch-Jüdische Filmfestival: Friedemann Gillert vom Freundeskreis Israel in Eberswalde ist froh darüber, dass zwei Filme auch in der Kreisstadt des Barnim gezeigt werden können.
Sven Klamann„Wir sehen es als unsere wichtigste Aufgabe an, im kleinen Eberswalde einen bescheidenen Beitrag dafür zu leisten, dass Europa und Israel eine gemeinsame Zukunft in Frieden und Demokratie haben“, betont der Vorsitzende des Freundeskreises. Es sei daher ein Traum von ihm, dass der Verein irgendwann Schüleraustausche zwischen Deutschland und Israel organisieren könne.
Die Gastgeberrolle beim Deutsch-Jüdischen Filmfestival ist bei Weitem nicht die einzige Aktivität des Vereins aus Eberswalde, mit der seinen Satzungszielen entsprochen werden soll. Unter anderem war schon 2019, noch vor der offiziellen Gründung, das erste Mal zu Israeltagen in die Kreisstadt des Barnims eingeladen worden. 2023 war Eberswalde das erste Mal beim Filmfestival für Berlin und Brandenburg dabei. Zudem gibt es immer wieder Gesprächskreise - gerade erst Mitte April dieses Jahres unter dem Motto „Israel, um Himmels willen Israel“ mit dem israelischen Reiseführer Chaim Lavi über sein Heimatland.
Diese beiden Filme des Deutsch-Jüdischen Festivals sind in Eberswalde zu sehen
Home
Benny Fredman, IL 2023, 111 min
In einem ultra-orthodoxen Viertel Jerusalems verwirklicht Yair seinen Traum vom eigenen Computergeschäft. Dieser droht zu platzen, als zwischen ihm und der skrupellosen lokalen religiösen Autorität ein gewaltvoller Konflikt entflammt, der auch Yairs junge Familie in Gefahr bringt.
Benny Fredmans packendes Drama basiert auf persönlichen Erlebnissen des Regisseurs und erzählt von der inneren Zerrissenheit der Hauptfigur. Zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und den Verpflichtungen gegenüber seiner Familie kämpft Yair gegen alle Widrigkeiten an – und riskiert dafür, einen hohen Preis zahlen zu müssen. Liebe trifft auf Korruption und Gewalt, moderne Technologie auf religiöse Vorschriften, schwiegerelterliche Erwartungen auf Enttäuschungen und individuelle Selbstbestimmung auf Konformität. HOME erhielt für die Ophir Awards 2023, den ‚israelischen Oscars‘, neun Nominierungen und gewann in den Kategorien Bester Hauptdarsteller – Roy Nik (spielt Yair), sowie Bester Nebendarsteller – Dror Keren (spielt Avrum Davidovich, den Vorsitzenden der Gemeinde).
Less Than Kosher
Daniel am Rosenberg, CA 2023, 67 min
Kosher essen, Traditionen oder ein gottgefälliges Leben sind der Sängerin Viv völlig egal. Aber ihre Karriere gerät ins Stocken und zwingt sie zurück ins Haus ihrer Mutter und deren Patchwork-Familie. Schlimmer noch: Sie soll in der Synagoge als Kantorin einspringen, die sie nicht mehr betreten hat, seit sie von ihrer eigenen Bat Mizwa wegrannte.
Nur widerwillig besucht Viv einen Gottesdienst – und wirkt dort wie ein Fremdkörper: im Band-Shirt, übernächtigt, lustlos. Aber sobald sie anfängt zu singen, merken alle sofort: Sie hat „rûaḥ“ – eine besondere Energie, göttlichen Atem. Und ehe sie „nein“ sagen kann, wird die tätowierte Frau mit einer Vorliebe für Schinken, die kaum Hebräisch spricht, vom Rabbi für religiöse Feste als Sängerin eingespannt. Beim Singen blüht sie auf, das Leben – der Film – wird zum Musical.
In Höchstgeschwindigkeit landet Viv in einer neuen Lebenssituation, in der die vorübergehende Haltlosigkeit so beängstigend wie berauschend ist. Von ihrer kleinen Schwester bekommt sie den Weg zum Social-Media-Star geebnet, sie bandelt mit dem Sohn des Rabbis an und entdeckt nach und nach bei Brit Mila und Schiwa, dass ihr Gesang mehr ist, als aneinander gereihte Töne. Besonders, wenn Viv traditionelle Lieder singt, überschreitet die Szenerie in vielerlei Hinsicht die Grenze zum Metaphysischen.
Auch wenn sich der Freundeskreis Israel in Eberswalde nicht dazu befugt und veranlasst sieht, mit eigenen Stellungnahmen in den israelisch-palästinensischen Konflikt einzugreifen, wird im Vorstand und im Verein mit unterschiedlichen Perspektiven diskutiert, was in Gaza und in Israel seit dem 7. Oktober 2023 passiert. „Der furchtbare Krieg berührt uns, wie dies bei jedem Krieg der Fall ist. Die Bilder von den Opfern in der Zivilbevölkerung gehen doch jedem nah, der auch nur halbwegs zu Mitgefühl fähig ist“, sagt Götz Trieloff.
Juden in aller Welt sprechen vom „Stich ins Herz“
Es dürfe jedoch keineswegs vergessen werden, dass der Staat Israel seit seiner von der UNO verfügten Gründung 1948 der weltweit einzige Zufluchtsort für alle Juden sei, fügt der Vorsitzende des Freundeskreises Israel in Eberswalde hinzu. Es sei eine Folge der grausamen geschichtlichen Ereignisse, dass die Israelis bis in die Gegenwart ein kollektives Trauma zu verarbeiten hätten. „Den bestialischen Terrorakt der Hamas haben nicht nur die Einwohner dieses Landes, sondern Juden überall auf der Erde, deshalb als Stich ins Herz empfunden“, urteilt Götz Trieloff. Genau das trage dazu bei, dass die kriegerische Auseinandersetzung besonders unbarmherzig geführt werde. Und diese Unbarmherzigkeit führe auf allen beteiligten Seiten nur noch zu mehr Elend.
„Natürlich werden wir jetzt verstärkt auf den sich verschärfenden Nahost-Konflikt angesprochen“, sagt der Vorsitzende des Freundeskreises Israel in Eberswalde. Die Vereinsmitglieder würden sich bemühen, nicht die Politik, sondern die Menschen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen zu stellen. Auch am Rande des Deutsch-Jüdischen Filmfestivals in der Kreisstadt des Barnims werde dazu Gelegenheit sein.
Unter dem Motto Jewcy Movies sind zwei Filme in Eberswalde zu sehen. Am 20. Juni läuft ab 18 Uhr der Streifen „Home“, am 22. Juni ab 18 Uhr dann „Less Than Kosher“. Beide Male wird der Saal des Bürgerbildungszentrums an der Puschkinstraße 13 dafür zum Lichtspieltheater. Eintritt wird nicht erhoben. Die Veranstalter bitten aber um Anmeldungen an die Mailadresse Info@FreundeskreisIsrael.de.


