Kampfsport
: Auf dem Sprung in den A-Kader

Eberswalde.  Achtmal Gold, sechsmal Silber und zweimal Bronze waren die Ausbeute des Eberswalder Kick Box Team bei seinem eigenen Turnier, dem Eberpokal. Unter den elf Startern der Gastgeber war auch eines der größten Kickbox-Talente Deutschlands, Bruno Bohn.
Von
Britta Gallrein
Eberswalde
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  • Nicht aufzuhalten: Bruno Bohn gewann den Grandchampion-Okal und holte dazu noch Gold in seiner Gewichtsklasse.

    Nicht aufzuhalten: Bruno Bohn gewann den Grandchampion-Okal und holte dazu noch Gold in seiner Gewichtsklasse.

    Britta Gallrein
  • Auch der Eberswalder Nachwuchs war am Start: Till Köhn vom Kick Box Team Eberswalde (links)

    Auch der Eberswalder Nachwuchs war am Start: Till Köhn vom Kick Box Team Eberswalde (links)

    Britta Gallrein
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Fußball, das mochte er noch nie, erinnert sich der heute 20-jährige an seine Anfänge im Sport. Der Vater war Judoka – da lag die Idee nahe, sich im Kampfsport zu versuchen. Auch Karate  fand der damals Fünfjährige nicht so überzeugend. Aber beim Kickboxen, da fühlte er sich sofort wohl. „Das war einfach gleich mein Ding“, erklärt Bruno, der gerade das Finale in der Grandchampion Klasse im Point Fight gewonnen hat. Dort wird nicht nach Gewichtsklassen unterteilt, hier darf jeder über 16 Jahre kämpfen – egal, ob er 50 oder 100 Kilo wiegt. Unter „Point Fight“ versteht man bei den Kickboxern, dass nach jedem Punkt der Kampf gestoppt wird und es keine Härteeinschränkung gibt, gekämpft wird im Vollkontakt. „Früher habe ich auch im Leichtkontakt gekämpft, aber das hat nicht so den Reiz für mich. Im Leichtkontakt kann man Fehler wieder ausbügeln, im Point Fighting muss man immer wach sein, immer 100 Prozent geben und es entscheiden Kleinigkeiten“, erklärt der 20-Jährige.

Besonders freut sich Bruno, dass er diesmal seinen langjährigen Freund Sascha Gräske besiegt hat. „Das war auf jeden Fall der schwerste Gegner.  Sascha ist schon seit zehn Jahren im Nationalteam und wir trainieren oft zusammen. Ich habe aber noch nie gegen ihn gewonnen“, strahlt er.

Für einen Laien ist der Sport schnell zu verstehen. Wer den Gegner mit der Hand oder dem Fuß trifft, bekommt einen Punkt. Erlaubt ist hier vieles, anders als beim Judo oder Boxen. Verboten sind lediglich Tiefschläge oder Schläge gegen den Rücken,  Ellenbogen- und Kniegelenke. Aber es darf getreten werden – auch und gerade gegen den Kopf. Geschützt sind die Kämpfer nur durch den dünnen Kopfschutz. „Der ist auch eigentlich nur dazu da, den Kopf zu schützen, wenn man umfällt und auf den Boden prallt. Die meisten Dinger kriegt man eh ins Gesicht und das ist ja frei“, erklärt Bruno Bohn. Keine Angst, das Gegenüber ernsthaft zu verletzen? „Nö“, erklärt der 20-Jährige, der in Berlin Betriebswirtschaftslehre studiert. „Das blendet man aus. Im Training ist man natürlich vorsichtiger, aber im Kampf nicht. Man will ja punkten.“

Wie schmerzhaft der Sport sein kann, erfährt Bruno Bohn an diesem Tag in seinem Finalkampf. Der Gegner Batolomiej Miencink trifft ihn mit einem Tiefschlag, Bohn geht zu Boden und windet sich, kann erst mit Hilfe der Sanitäter wieder aufstehen. Kaum einer am Ring reagiert schockiert – Verletzungen sind hier normal. „Ich hab mir mal die Augenhöhle gebrochen. Das gehört dazu. Man darf kein Weichei sein“, erklärt Bruno später. „Wenn man es gewohnt ist, getroffen zu werden, geht das. Meistens tut es sowieso erst am nächsten Tag weh.“ Er selbst beweist nach dem Tiefschlag Härte. Da er im Finalkampf mit 8:2 führt, macht er trotz Schmerzen weiter. Zum Glück gelingen ihm schnell zwei weitere Treffer und so gewinnt er das Finale durch technischen K.o.

Für ihn ist Kickboxen ein toller Sport. „Es ist sehr viel Taktik, was man von außen vielleicht gar nicht so sieht.  Jeder Kampf ist anders. Das Training ist sehr unterschiedlich und man lernt viel fürs Leben. Man wird selbstbewusst, ist diszipliniert. Im Sommer, wenn alle baden gehen, muss ich trotzdem zum Training gehen. Ich trainiere sechsmal pro Woche, auch Samstag und Sonntag. Wenn ich feiern gehe, ist das hart, denn dann geht es vom Club direkt zum Training.“

Seine Wochenenden – ausgebucht. Dublin, München, Budapest,  Mailand. Schon jetzt ist er bis zum Mai verplant.

Im Alter von elf bis 18 Jahren war Bohn im Nationalteam der Jugend.  Aktuell ist er im Aufbauteam für das Erwachsenen-Nationalteam. Die Nominierungen werden bald bekannt gegeben. Er hat gute Chancen, dabei zu sein. Beim Eberpokal wird er erfolgreichster Kämpfer. Titel hat der Eberswalder auch schon reichlich. Bohn ist mehrmaliger Deutscher Meister, 2012 war er Vize-Weltmeister in der Jugend. Im vergangenen Jahr gewann er zum ersten Mal den World Cup bei den Erwachsenen. Das Ziel in diesem Jahr ist also klar: die Aufnahme in den Nationalkader und die Europameisterschaft.