Kirche bei Oderberg
: Wie ein Stammtisch in Neuendorf für Gemeinschaft im Ort sorgt

Wer sich treffen wollte, ging früher in die Kirche oder zum Stammtisch. Wie in Neuendorf diese Tradition neu belebt wird.
Von
Stephan Backert
Neuendorf
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Eine unscheinbare Holzhütte in Neuendorf seit kurzem eine große Rolle. Das Dorfleben wurde durch sie bereichert.

Eine unscheinbare Holzhütte neben der Kirche spielt in Neuendorf seit kurzem eine große Rolle. Das Dorfleben wurde durch sie bereichert.

Stephan Backert

Der Gang zur Kirche und zum Stammtisch zählte früher zu den normalen Gepflogenheiten.  Stammtisch und Kirche hatten dabei die wichtige Funktion, miteinander über den Alltag sprechen zu können. Doch die größte Gaststätte in Neuendorf hat seit langem geschlossen.

Neuendorf, welches seit 1961 zur Stadt Oderberg zählt, ist vor allem durch seine Wehrkirche bekannt, die, und das ist ungewöhnlich, etwas abseits des Dorfmittelpunktes in einem ehemaligen Gutspark gelegen ist. Der Förderverein und die evangelische Kirche stecken viel Engagement in den Erhalt des Bauwerkes, welches hier seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts steht.

Hütte zog von Oderberg nach Neuendorf

Doch der Förderverein Wehrkirche Neuendorf widmet sich nicht nur dem Erhalt der historischen Bausubstanz. Eine Holzhütte, die im vorigen Jahr noch am Pfarrhaus in Oderberg am Albrechtsberg stand, wurde im Frühjahr neben der Kirche in Neuendorf wieder neu aufgebaut, sagte Rudolf Hintze, erster Vorsitzender und Gründungsmitglied des Fördervereins.

Kanzel und Altar in der Neuendorfer Kirche. Sie wurden aufwändig restauriert. Der Förderverein hat dafür Finanzmittel akquiriert.

Kanzel und Altar in der Neuendorfer Kirche. Sie wurden aufwändig restauriert. Der Förderverein hat dafür Finanzmittel akquiriert.

Stephan Backert

Der Förderverein ist ein gemeinnütziger Verein, in dem sowohl Kirchenmitglieder als auch Atheisten wie Rudolf Hintze Mitglied sind.

Gemeinsam mit der Kirchengemeinde wird seitdem vergangenen Jahr mit Erfolg ein monatlicher Stammtisch in dem kleinen Ort organisiert, an dem bisher immer zwischen 15 und 20 Leute teilgenommen haben.

Taufbecken und Stühle im Innenraum der Kirche. Auch die Stühle wurden über Spendengelder finanziert.

Taufbecken und Stühle im Innenraum der Kirche. Auch die Stühle wurden über Spendengelder finanziert.

Stephan Backert

Die neu aufgebaute Holzhütte vereinfacht die Organisation des Stammtisches deutlich. Sie ermöglicht auch, dass man sich im Winter treffen kann, wenn es in der Kirche zu kalt ist. Außerdem hat sie eine Funktion als Lagerraum für Dinge, die nicht unbedingt in einer Kirche gelagert werden sollten.

Gespräche in lockerer Atmosphäre

„Wer dann kommt und mit welchen Gedanken kommt, ist seine Sache“, macht Rudolf Hintze die offene Herangehensweise deutlich. Jeder kann den Stammtisch ohne Anmeldung einfach besuchen. Ihn freut es, dass viele junge Menschen sowie Alteingesessene und Zugezogene auf diese Weise miteinander ins Gespräch kommen. „Leute, mit denen man sonst kaum in Kontakt kommt. Im Laufe des Abends sitzt jeder mal irgendwo. Wie in der Kneipe“, so der Neuendorfer mit einem Augenzwinkern. Auch einige Oderberger sind mit dabei.

Alles läuft auf freiwilliger Spendenbasis, Fördermittel gibt es für dieses Angebot nicht. Der eine bringt etwas zum Knabbern mit, der andere einen Kasten Bier. Manch einer legt auch fünf oder zehn Euro in den Sammeltopf. Das Wichtigste ist jedoch, dass man sich trifft, um unkompliziert miteinander zu reden.

Stammtisch mit Vorläufern

Der Stammtisch, der sich seit Anfang des Jahres trifft, hat verschiedene Vorläufer. Zum einen hat es das Café im Turm gegeben, welches zunächst ein Frühstücksangebot als Treffpunkt beinhaltete.

Die Wehrkirche in Neuendorf. Links im Vordergrund ein Teil der aus Oderberg umgesetzten Holzhütte.

Die Wehrkirche in Neuendorf. Links im Vordergrund ein Teil der aus Oderberg umgesetzten Holzhütte.

Stephan Backert

Damit habe man aber nur Leute erreicht, die vormittags nicht arbeiten mussten. Später fanden die Veranstaltungen nachmittags statt und hatten auch ein Thema, welches beispielsweise mit Lesungen, Vorträgen oder auch eigenen Gedichten begleitet wurde.

„Das war dann im vorigen Jahr zu Ende, ganz einfach, weil uns die Mitglieder ausgestorben sind“, so das Fazit von Rudolf Hintze. Es musste umgedacht werden. Bei einer Weihnachtsfeier in der Neuendorfer Gartenklause kam dann die Idee zum Stammtisch auf. „Es ging erstmal nur ums Treffen und Reden“, so Rudolf Hintze.  Zur Vereinfachung der Organisation wurde eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen. Die Versetzung der Hütte von Oderberg nach Neuendorf ermöglicht weitere Gedankenspiele. Es wird überlegt, auch Angebote für Kinder in der Hütte stattfinden zu lassen.

Hier trifft sich der Stammtisch:

Wann: jeden letzten Dienstag im Monat um 19 Uhr                                                                                      ● Wo: Wehrkirche Neuendorf, Neuendorf 6b, 16248 Oderberg

So kann der gemeinnützige Förderverein unterstützt werden:

Förderverein Wehrkirche Neuendorf, Sparkasse Barnim,                                                                                IBAN: DE13 1705 2000 3000 0280 63, BIC: WELADEDIGZE

Seit seiner Gründung im Jahr 2006 hat der Förderverein laut Rudolf Hintze etwa 50.000 Euro an Spendengeldern zum Erhalt der Kirche, die sogar den 30-jährigen Krieg überstanden hat, gesammelt. Beispielsweise wurden der Altar und die Kanzel restauriert.

Aber auch in neue Stühle, eine Infrarotheizung sowie in eine neue elektrische Steuerung der Kirchenglocke wurde investiert. Das sei durch Einzelspenden, aber auch renommierte Institutionen, wie zum Beispiel die Kreissparkasse Barnim oder die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ermöglicht worden.