Sechs Wochen lang werden Hannah Wiemers und 35 Mitstreiter auf hoher See unterwegs sein. Der Dreimastschoner "Regina Maris" ist zwar alles andere als ein Papierfaltboot. Und doch dürften vor allem Wind und Wasser hautnah zu spüren sein. Die Wahl-Eberswalderin, die im vierten Semester Nachhaltige Unternehmensführung an der Hochschule der Barnimer Kreisstadt studiert und eigentlich aus Pfaffenhofen an der Ilm in Oberbayern stammt, freut sich auf das Abenteuer ihres Lebens, vor dem sie allerdings auch etwas Muffensausen hat. "Ich verfüge zwar schon über ein wenig Segel-Erfahrung. Aber jetzt wird alles ein wenig größer und heftiger, als ich es bisher kannte", sagt Hannah Wiemers, die beim Surfen in den sozialen Medien eher zufällig auf das Projekt "Sail to the COP" gestoßen ist, sich beworben hat und ausgewählt wurde. Das Kürzel COP steht für Conference of the Parties, englisch für Vertragsstaatenkonferenz. Das diesjährige Gipfeltreffen in Sachen Klimaschutz findet vom 2. bis 13. Dezember in Santiago de Chile statt.
Dass die Studentin aus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung und alle anderen Projektteilnehmer mit ihrem Segeltörn auf den Spuren von Greta Thunberg wandeln, nehmen sie billigend in Kauf. Wie die 16 Jahre junge Umweltaktivistin aus Schweden setzen Hannah Wiemers und ihre Mitstreiter auf die Öffentlichkeit, um für einen wirksameren Klimaschutz zu ringen. "Wir werden, wann immer uns der ehrenamtliche Dienst an Bord dies ermöglicht, unterwegs interdisziplinär an einer Vision für eine faire und nachhaltige Zukunft des Reisens arbeiten", kündigt die Wahl-Eberswalderin an.
Die Schiffsreise führt nach Rio de Janeiro, Brasilien. Wären die jungen Klimaschützer auf dieser Strecke mit dem Flugzeug unterwegs, würden sie dabei jeder für sich mehr als vier Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre blasen. Die "Regina Maris" braucht um ein Vielfaches länger und ist alles andere als komfortabel. Dafür reist das grüne Gewissen mit. Und die Abgeschiedenheit auf dem Atlantik ist der Studentin aus Eberswalde und ihren Mitstreitern willkommen, weil sie ohne Ablenkung an ihren Klimazielen feilen können.
Im Anschluss durch Südamerika
"In der Tat ist es gerade die Aussicht auf zum Erfolg führende gruppendynamische Prozesse, die das Projekt für mich zusätzlich spannend und interessant macht", sagt Hannah Wiemers. Der Alltag an Bord wird zeitlich streng geregelt sein: Die Crew ist in vier Wachen eingeteilt. Jedem Drei-Stunden-Dienst folgen neun Stunden Freizeit, die zum Beispiel fürs gemeinsame Nachdenken genutzt werden können. Auf der Hinreise sind vier Zwischenaufenthalte vorgesehen; in Cassablanca, Teneriffa, Kap Verde und Recife, das bereits zu Brasilien gehört. Nach der Ankunft in Rio de Janeiro setzen sich die Klimaaktivisten in Busse, die sie innerhalb einer Woche nach Santiago de Chile bringen. Dort steigt vom 28. bis 30. November eine Jugendkonferenz, der sich ab dem 2. Dezember der Gipfel anschließt.
"Die Rückreise organisieren wir individuell", berichtet die Studentin aus Eberswalde, die sich noch gründlich in Südamerika umschauen will, bevor sie im Februar vermutlich auf einem Frachtschiff heimkehrt.
Die Kosten für das Abenteuer hat sich Hannah Wiemers erarbeitet und vom Munde abgespart.