Landwirtschaft: Zwischen Ernährung und Image
„Wie weiter mit der Landwirtschaft in Brandenburg?“ haben die Hochschule für nachhaltige Entwicklung und die Rosa–Luxemburg–Stiftung am Montag gefragt. Fachforen und Diskussionen standen auf dem Plan. Ergebnis: der Wirtschaftszweig steht vor Herausforderungen.
Wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist, konnte auch die abschließende Podiumsdikussion am Montagabend im Hörsaal auf dem Stadtcampus nicht klären. Welche Probleme da sind schon. Da ist zum einen das Image der Landwirtschaft und die Werschätzung für deren Versorgerrolle. „Letztes Jahr gab es eine große Dürre. Und eigentlich hat es keiner richtig gemerkt“, so das Beispiel von Henrik Wendorff vom Landesbauernverband. Da sei es schwierig, dem Verbraucher zu vermitteln, wie wichtig dieser Wirtschaftszweig trotzdem sei.
Die Linken–Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann pflichtete bei. Die urbane Lebenswelt werde von den Menschen stärker wahrgenommen. Dabei sei es auch eine Leistung der Landwirtschaft, dass eine Million Geflüchtete ins Land gekommen sind und es trotzdem an nichts gefehlt hat.
Reinhard Baier vom Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg brachte das Thema Landwirtschaft und Naturschutz auf den Plan. Genau in diesem Spannungsfeld versuche sein Verband zu vermitteln. „Naturschutzbelange berücksichtigen, aber auch den, der sie berücksichtigt entsprechend vergüten“, empfahl er.
Das übertrug die Linken–Abgeordnete im Brandenburger Landtag Anke Schwarzenberg auf die Viehzucht – ein Thema, mit dem sich Brandenburg nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren gegen Massentierhaltung wieder beschäftigen muss. „Mehr Tierwohl ja, aber das muss auch bezahlt werden“, machte sie deutlich. Das aber könne nicht allein in Brandenburg passieren. Landwirtschaftspolitk sei in erster Linie europäische Politik.
Doch jenseits der politischen Entscheidungsträger breche sich nach dem Volksbegehren ein Umdenken in einigen Betrieben selbst Bahn. Das beobachtet Michael Wimmer vom Aktionsbündnis Agrarwende beispielsweise beim Kupierverbot, bei dem es um das Kürzen von Schweineschwänzen geht. „Diejenigen, die den Schuss gehört, müssen gestärkt werden“ findet er. Wimmer nimmt außerdem den Verbraucher in Schutz. Denn dieser sei vom Labeldschungel an der Ladentheke völlig überfordert. Er wünsche sich eine Unterscheidungsmöglichkeit wie sie bei Hühnereiern bereits gut funktioniere. „Dem Verbraucher muss klar sein, wenn du eins, zwei, drei oder vier kaufst, beteiligst du dich an dieser oder jener Produktion.“ Einig schien sich die Runde darüber, dass auch künftig Großbetriebe für die Versorgung nötig seien. „Es muss den kleinen Landwirt geben und den großen“, äußerte sich Thomas Hentschel von der Industriegewerkschaft Bauen–Agrar–Umwelt. In der Öffentlichkeit gebe es ein völlig falsches Bild von Landwirtschaft und dem oft zitierten bäuerlichen Betrieb. Auch Reinhard Baier glaubt nicht, dass die Zukunft der Landwirtschaft in Brandenburg in Ein– bis Zweimann–Betrieben liege.
Der Ruf nach regionalen Produkten, so wurde deutlich, gehe zum Teil ebenfalls an der Realität vorbei. Wie Henrik Wendorff klarmachte, könnte Brandenburg den Berliner Markt nur bis Ende Februar mit Schweinefleisch abdecken. Weiteres Manko im Land sei der Mangel an verarbeitender Industrie. Zudem hätten neue Akteure im Landwirtschaftssektor keinen Zugang zu Boden. Die Flächen seien aufgeteilt, die Strukturen relativ starr. Entweder man übernehme den Familienbetrieb oder komme als Beschäftigter hinein, so Kirsten Tackmann.


