Materialprüfanstalt: Wo in Eberswalde Hausbocklarven und Termiten nagen
Über das Holzstück krabbeln Australische Termiten. „Die sind noch mal ein Stück größer als die Arten, die es in Spanien oder Frankreich gibt. Mit denen testen wir hier die Wirksamkeit von Holzschutzmitteln“, erklärt Thomas Kolling. Nebenan fressen sich Hausbocklarven, der gefährlichste Bauholzschädling in Deutschland, durch Testhölzer.
Der 43–jährige Biologe ist einer von 22 Mitarbeitern der Materialprüfanstalt Brandenburg. Seit mehr als 30 Jahren existiert die Einrichtung schon. Erst als staatliche Institution, seit 2004 als GmbH. Hier dreht sich alles um ein Material: Holz. „Unsere Kunden sind Möbelhersteller, Ingenieurbüros, staatliche Institutionen, aber auch Privatpersonen. 40 Prozent der Aufträge erhalten wir aus dem Ausland. Auch Ikea gehört dazu“, erzählt Robby Wegner, der MPA–Vizechef. „Mit unserer Akkreditierung als zertifiziertes Labor erfüllen wir die derzeit gültigen internationalen Standards, auch die der US–amerikanischen Umweltbehörde.“ Schwerpunkt ist der Holzschutz. „Will eine Firma ein neues Holzschutzmittel auf den Markt bringen, dann kommen die zu uns. Die Zulassung eines Holzschutzmittels ist heute kostenaufwendig geworden. Das können schon mal mehr als 100 000 Euro werden“, so Wegner.
Es gibt Prüfungen, die nur ein bis zwei Tage dauern, aber auch einige, die erst nach zehn Jahren beendet sind. Die übliche Dauer sind drei Jahre. Auf dem Gelände des Waldcampus Eberswalde betreibt die MPA dafür auch eine Freiland–Versuchsfläche. Hunderte Holztafeln sind an Trägern befestigt und werden der Witterung ausgesetzt. Regenwasser, welches auf die Testflächen fällt, wird in Flaschen aufgefangen und anschließend auf seine Bestandteile hin analysiert.
Biosystemtechniker Steven Berndt ist für die Freilandversuche zuständig. Im Abstand von zwei Wochen tauscht er die Flaschen aus. Für die physikalischen Tests sind Klaus–Dieter Dewitz und Rafael Kielczewski verantwortlich. Tag für Tag prüfen sie bis zu 100 Proben von Span– und Sperrholzplatten sowie Holzprofile physikalisch. Dafür werden die Proben in eine Zug–Druck–Prüfmaschine eingespannt.
Langsam senkt sich der Biegedorn auf das Holz, bis es bricht. Ein angeschlossener Rechner zeichnet den Prüfvorgang auf. In einem weiteren Raum stehen silberfarbene Boxen, Kühlschränken zum verwechseln ähnlich, in hohen Regalen. „Das sind Prüfkammern, in denen wir Holzwerkstoffproben von Möbelherstellern und andere Baustoffe auf Formaldehyd–Emission untersuchen“, verrät Jan Murr. „Formaldehyd ist ein wichtiger und weit verbreiteter Bestandteil von Klebstoffen. Der Grund ist einfach: Es ist billig.“
Das Prüfverfahren verläuft nach strengen Vorgaben: 28 Tage lang werden die Holzplatten bei einer Temperatur von 23 Grad in luftdichten Prüfkammern eingeschlossen. Mit Pumpen wird die Luft in mit Wasser gefüllte Flaschen abgesaugt. Das Formaldehyd löst sich im Wasser, welches später analysiert wird. „Ist der Versuch beendet, erkennt man schon an der Wasserfarbe wie hoch etwa die Konzentration im Probenmaterial gewesen ist“, erläutert Murr den Ablauf.
Auch bei der Erstellung von Holzgutachten, wie z.B bei Bauholzschäden durch Pilze, sind die Eberswalder inzwischesn ein stark nachgefragtes Labor. Selbst Holzpfähle aus der Bucht von Venedig, Sarkophage aus dem Berliner Dom oder in Thailand gefertigte Bambushütten für Tsunamiopfer in Indonesien haben die Eberswalder Materialprüfer untersucht.







