Querdenker: Aus Liebe zur Muttersprache

Autor mit Sendungsbewusstsein: Burkhard Sprang hat die Bücher "Sprechen Sie etwa noch Deutsch?" und "Gott und die Welt und ein bisschen ich" verfasst. Ein drittes Werk plane er nicht, sagt er.
Sven KlamannWie einst der Augustinermönch, Theologieprofessor und Reformator Martin Luther hat Burkhard Sprang die Schlosskirche zu Wittenberg (Sachsen–Anhalt) benutzt, um öffentlichkeitswirksam eine Botschaft zu platzieren. Im Unterschied zu seinem berühmten Vorgänger, dessen Wirken die Kirche in ihren Grundfesten erschütterte und die Welt veränderte, hat der pensionierten Diplom–Ingenieur für Eisenbahnbau eher wenig Aufmerksamkeit erregt. Während von Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel angeschlagen worden waren, hat sich Burkhard Sprang 501 Jahre später damit begnügt, einen Stoffbeutel an den Türknauf des Gotteshauses zu hängen, in dem sich je ein Exemplar der von ihm verfassten beiden Bücher befand.
Die ungewöhnliche Aktion sagt viel über den Ruheständler aus, der nach mehr als 30 Jahren in Berlin 2002 nach Melchow gezogen ist und sich nur schwer politisch einordnen lässt. Schon oft hat sich Burkhard Sprang gegen den Vorwurf wehren müssen, er sei von extrem rechter Gesinnung. „In Wahrheit bin ich eher links eingestellt. Aber darum geht es gar nicht“, sagt der Autor, dessen Erstlingswerk „Sprechen Sie etwa noch Deutsch“ — Über die Angst unserer Politik, sich für den Schutz der deutschen Sprache einzusetzen“, das 2016 im kleinen IFB Verlag Deutsche Sprache GmbH in Paderborn erschienen ist. Der Name des Buches ist Programm — und so etwas wie das selbst gewählte Lebensthema von Burkhard Sprang. Ihn schmerzt, dass seiner Ansicht nach ohne erkennbaren Sinn Anglizismen unseren Alltag überfluten. Und zum Beispiel mit Halloween, dem aus Amerika übernommenen Gruselfest, kritiklos der eigentliche Reformationstag in den Hintergrund gedrängt wird. „Soll sich Martin Luther vor einem halben Jahrtausend umsonst bemüht und geplagt haben, um die Sprache der Deutschen populärer und die Bibel für alle Deutschen lesbar zu machen“, fragt der Autor in dem Brief, den er seinen im Stoffbeutel an der Wittenberger Kirchentür angehängten Büchern beigelegt hat. Statt alljährlich am Reformationstag Luther zu gedenken, werde mit schleimender Unterwürfigkeit dem Halloween–Wahn gefrönt, der ausschließlich kommerzielle Ziele verfolge, urteilt Burkhard Sprang.
Mitgliedschaft gekündigt
Es sind Sätze wie diese, die selbst den Wohlmeinenden aufschrecken lassen. Der selbst ernannte Sprachwahrer argumentiert eher mit dem Holzhammer als mit dem Florett. „Ja, ich will zum Disput anregen und freue mich über ernst gemeinte Entgegnungen, auch wenn sie kritisch sind“, betont der Autor, der traurig darüber ist, dass seine bisherigen Bemühungen, die Gesellschaft zu einem bewussteren Umgang mit ihrer Muttersprache zu motivieren, nahezu sang– und klanglos verpufft sind. Seine Mitgliedschaft im Verein Deutscher Sprache, dem er seit Anfang 2006 angehörte, hat er aus tiefer Enttäuschung über deren Wirkungslosigkeit Ende vorigen Jahres beendet.
Aus dem für den Druck viel zu umfangreichen Manuskript seines Erstlingswerkes hat Burkhard Sprang Stoff für ein zweites Buch abgezweigt, das „Gott und die Welt und ein bisschen ich“ heißt und 2017 im PS–Verlag in Britz erschien und schon im Untertitel provoziert. „Über das Unvermögen der Politik im Allgemeinen und der deutschen Politik im Besonderen“, heißt es da. Auch diesmal hätte sich der Autor eine spürbarere Reaktion der Öffentlichkeit gewünscht.
Bücher in der S–Bahn verteilt
An Bemühungen, auf seine Bücher aufmerksam zu machen, hat es der Melchower nicht fehlen lassen. Neben seinem spektakulären, aber nahezu geheim gebliebenen Besuch Wittenbergs hat sich Burkhard Sprang noch manches einfallen lassen, um seine Werke unters Volk zu bringen. So hat er einige der frisch gedruckten Bücher absichtlich in der Berliner S–Bahn vergessen. Mit unbekanntem Erfolg.
Kontakt: Tel. 03337 450552, E–Mail: bc-sprang@t-online.de
