Nach all den Hiobsbotschaften der vergangenen Jahre, in denen es eine Entlassungswelle nach der anderen gab und der Traditionsbetrieb in den schlimmsten Zeiten nur noch 120 Mitarbeiter zählte, ist jetzt der Aufschwung unübersehbar: Die Produktionshalle, in der gähnende Leere vorherrschte, steht voller Kranteile, die unter anderem für Marokko, Vietnam, Rumänien und Russland bestimmt sind. Von den 250 Beschäftigten, die bei der Kocks Ardelt Kranbau GmbH in Lohn stehen, kümmern sich um die 200 in Eberswalde um Konstruktion, Montage, Vertrieb und eben um die Fertigung.
"Der Rest verteilt sich auf die Standorte in Bremen und Oberhausen im Ruhrgebiet", sagt Klaus Papendick, der seit 46 Jahren im Werk arbeitet und inzwischen für die Prozesskoordination verantwortlich ist. "Das heißt, ich kümmere mich darum, das die vielen tausend Teile, die für die Montage eines Kranes benötigt werden, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge bestellt, gefertigt oder eingekauft werden", sagt der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur, der als Maschinen- und Anlagenmonteur angefangen hat.
Allein der Umschlagkran, für den das Maschinenhaus bestimmt ist, das am Freitag auf einen Schwerlasttransporter verfrachtet wurde, besteht aus gut 7000 Teilen. Knapp drei Monate haben die Schlosser und Schweißer gebraucht, die Pläne zu verwirklichen. Das 10,20 Meter lange, fünf Meter breite und 4,20 Meter hohe Maschinenhaus wiegt sage und schreibe 63,6 Tonnen. Der mit dem Herzstück des Kranes beladende Sattelschlepper wird voraussichtlich am Sonntagabend unter Polizeibegleitung nach Gydnia, Polen, aufbrechen und dort mit weiteren, zum Teil ebenfalls in Eberswalde produzierten Kran-Bestandteilen verschifft. Auf der Ostsee geht es dann an den Bestimmungsort Kaliningrad.
Der eigentliche Akt des Verladens ist nach einer guten halben Stunde erledigt und wird von Winfried Holz geleitet, der den Hallenkran über ein Steuerungselement bedient, das einer Spielkonsole gleicht. In der Folge schwebt das Maschinenhaus förmlich auf den Transporter herunter. "Ich bin Kranbauer aus Leidenschaft", sagt der Mann am Hebel.
Mittlerweile verlassen zehn bis zwölf Kranteile vergleichbarer Größenordnung pro Jahr das Eberswalder Werk, in dem wieder Schlosser und Schweißer eingestellt werden.  Die Bücher für 2019 sind prall gefüllt, die Auslastung reicht bis fast Ende 2020. "Und wir haben bereits jetzt schon Aufträge für 2022", betont Klaus Papendick.
Das am Freitag verladende Maschinenhaus wird in Kaliningrad einen Kran komplettieren, der 63 Meter in die Höhe reicht und mit Ausleger, Zug- und Drucklenker 52 Meter lang ist.