Saubere Luft
: HNE-Projekt misst Feinstaubbelastung in Eberswalde

Studenten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) wollen eine digitale Karte zur Feinstaubbelastung in der Eberswalder Innenstadt erstellen.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
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  • Den Partikel auf der Spur: Thoralf Buller steht mit dem Feinstaubmessgerät an der Eisenbahnstraße. Im grünen Feld unten im Gerät sind die Werte für zwei Partikelgrößen angezeigt. Sie werden in Mikrogramm pro Kubikmeter angegeben.

    Den Partikel auf der Spur: Thoralf Buller steht mit dem Feinstaubmessgerät an der Eisenbahnstraße. Im grünen Feld unten im Gerät sind die Werte für zwei Partikelgrößen angezeigt. Sie werden in Mikrogramm pro Kubikmeter angegeben.

    Marco Marschall
  • Grauer Kasten liefert Daten: Die Luftgütemessstation des Brandenburger Umweltministeriums an der Breiten Straße.

    Grauer Kasten liefert Daten: Die Luftgütemessstation des Brandenburger Umweltministeriums an der Breiten Straße.

    Marco Marschall
  • Höhen und Tiefen: Im Diagramm lässt sich ablesen, wann und wo ein Feinstaubgrenzwert überschritten wird.

    Höhen und Tiefen: Im Diagramm lässt sich ablesen, wann und wo ein Feinstaubgrenzwert überschritten wird.

    Thomas Burckhardt
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Bis auf einen Tag schießen die Balken fast durchgehend über die weiße gestrichelte Linie hinaus, die den von der Weltgesundheitsorganisation WHO angegebenen Jahresmittelwert der Feinstaubbelastung markiert. Einmal wird auch die rote Linie überschritten, die den Grenzwert der EU anzeigt.

„Wenn der Wind stärker weht, dann wird der Feinstaub auch schneller weggeblasen. In Eberswalde liegt der gesamte Innenstadtbereich aber in einer Senke. Da ist die Frischluftzufuhr relativ schwierig“, sagt Thoralf Buller, an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Professor für nachhaltige Wirtschaft.

Schon 2018 machte das durch seine Studenten initiierte Projekt „Smells like ...“ von sich reden. Ging es anfangs noch darum, die verschiedenen Gerüche der Stadt in einer Karte darzustellen, um sie beispielsweise fürs Stadtmarketing zu nutzen, wurde der Fokus später auf die winzigen Partikel in der Luft gelenkt. Im Laufe der Überlegungen war festgestellt worden, dass Gerüche sehr subjektiv und außerdem nicht messbar sind. Anders als Feinstaub, der an einer Luftgütemessstation an der Breiten Straße sogar schon erfasst wird. Die kleinen Partikel wandern durch die Atemwege in den Körper und gelten als gesundheitsschädigend.

Gesunde Joggingstrecke

Aus der Idee riechend die Stadt zu erkunden, wurde die Idee möglichst gesund durch Eberswalde zu kommen und dafür eine Vielzahl von Messpunkten zu installieren, die eine interaktive fortlaufend aktualisierte Karte füttern. "Eltern können sich anhand der Karte überlegen, welchen Weg sie wählen, wenn sie ihre Kinder mit dem Fahrrad zur Schule bringen“, erklärt Thoralf Buller. „Oder nehmen wir Freizeitsport und die Frage, wann jogge ich am besten durch die Stadt“.

Den interaktiven Stadtplan, das Netz aus den vielen Messpunkten gibt es noch nicht. Bürger sollten akquiriert werden, um Messstellen an der eigenen Hauswand zu installieren und über ihr WLAN an die Datenbank zu senden. Doch daraus wurde bislang nichts.

„Es gab sehr viele technische Kinderkrankheiten. Ein engmaschiges Netzwerk aufzubauen, braucht zuverlässige Technik, die zudem bezahlbar sein muss sowie Manpower“, erklärt der Prof. 21 Studenten seien weiterhin dran am Projekt. Nachdem anfangs viele Geräte ausfielen, gebe es jetzt zuverlässigere Technik, mit der auch der dreitägige Feldversuch mit den sieben Messpunkten durchgeführt wurde. Ziel sei es, das Ganze auf den gesamten Eberswalder Innenstadtbereich auszudehnen. Das sei schon aufwändig genug. Unterstützung erhält das Team von Mirella Zeidler. Sie kümmert sich im Rahmen der Hochschullehre um alles was digital ist. Für die Umsetzung des Projektes musste viel programmiert werden.

Wiegen ist genauer als zählen

Thoralf Buller ist zuversichtlich, dass das Vorhaben noch umgesetzt wird. Im Unterschied zum Messkasten in der Breiten Straße erfassen die handlichen Geräte die Feinstaubpartikel mit einem Laser und zählen sie. Die Station am einzigen Messpunkt der Stadt hingegen, fängt sie auf und wiegt sie. „Extrem genau, aber teuer“, sagt Buller. An Verwendungsmöglichkeiten für die Forschung zweifelt er nicht. Zwar sei ursprünglich der Gedanke gewesen, die Messungen für touristische Zwecke zu nutzen. Doch seien die Daten letztlich auch für die Verkehrsplanung interessant.