Seit 50 Jahren: Fernwärme beschert Eberswalde kuschelige Stunden

Einsatz im Blockheizkraftwerk an der Neuen Straße: Frank Büttner gehört zu den EWE-Mitarbeitern, die für Fernwärme auch im Eberswalder Stadtteil Nordend sorgen.
Thomas BurckhardtIn dieser Zeit ist es besonders schön, wenn die heimische Stube kuschelig warm ist. In Eberswalde können immerhin rund 8000 Haushalte diesen Service nutzen. Sie werden nunmehr seit 50 Jahren mit Fernwärme versorgt.
Der Dienstleister EWE, der inzwischen die Versorgung übernommen hat, betreibt in Eberswalde ein 35 Kilometer langes Fernwärmenetz. Versorgt werden die Eberswalder Stadtteile Brandenburgisches Viertel, Leibnizviertel, Nordend und Finow.
Mit 30 Gästen aus Politik und Wirtschaft sowie Kollegen und Mitstreitern der ersten Stunde feierte der Lieferant nun gemeinsam mit Landrat Daniel Kurth (SPD) und Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) dieses historische Datum. Beide erinnerten sich an ihre ersten Erfahrungen mit der Fernwärme.
Start im Kopernikusring
1973 ging der Wohnkomplex „Kopernikusring“ ans Netz, wo die Eltern von Landrat Daniel Kurth lebten. Bürgermeister Friedhelm Boginski blickte zurück auf das Jahr 1983, als er seine Wohnung im Brandenburgischen Viertel bezog. „Die Heizung funktionierte, Warmwasser kam aus der Wand, und das Kohlen schleppen fiel weg“, erinnert sich der Bürgermeister. „Ich war total glücklich“, gibt er zu.
Die Geschichte der Fernwärmeversorgung begann in Eberswalde, wie in vielen anderen Städten auch, im Rahmen des Wohnungsbauprogramms der DDR. „In diesem Zusammenhang gab es von der Bezirksverwaltung den Auftrag, die Wärmeversorgung zu organisieren“, erinnert sich Jürgen Steltz, ein Experte der Anfangsjahre, der einen umfangreichen Rückblick auf die 50–jährige Geschichte der Fernwärme in Eberswalde geben kann. Unter anderem erzählt er, dass in den 1970er–Jahren die Kollegen zweimal täglich durch das Wohngebiet „Kopernikusring“ gingen, um die Heizung in den Blöcken zu entlüften. Zu einer Versorgungsstörung sei es in all den Jahren nie gekommen. Ausnahme war der Winter 1977/78. „Der setzte uns zeitweise außer Gefecht“, musste Jürgen Stelz auch rückblickend noch zugeben. Aber daran hat wohl jeder Barnimer seine ganz besonderen Erinnerungen.
Höherer Wirkungsgrad
Das EWE–Heizhaus in Nordend, beherbergt heute unter anderem ein modernes Blockheizkraftwerk. 2015 wurde dieses mit einer Investitionssumme von 1,2 Millionen Euro errichtet. Der rund acht Meter langen Anlage sieht man auf den ersten Blick nicht an, welche Power in ihr steckt. Ist sie in Betrieb, dröhnt sie laut wie ein Lkw oder ein Trecker, sagt Thomas Schelk.
Er ist Projektleiter Fernwärme bei der EWE und kann auch die Funktionsweise eines solchen Blockheizkraftwerks gut erklären. Wichtigster Punkt: In einem Blockheizkraftwerk werden sowohl Strom als auch Wärmeenergie erzeugt. Das macht ein Blockheizkraftwerk, das einen Wirkungsgrad von 90 Prozent hat, viel effektiver als große Kraftwerke, bei denen der Wirkungsgrad nur zwischen 35 und 60 Prozent liegt. Folglich lässt sich mit einem Blockheizkraftwerk Kohlendioxid einsparen.
Wie aber kommt die Wärmeenergie in die Haushalte? In Form von heißem Wasser wird die Energie über das Fernwärmenetz in Eberswalde verteilt. Das Wasser läuft durch isolierte, überwiegend unterirdisch verlegte Rohre zu den Verbrauchern. Das Heizhaus in Nordend versorgt dabei das Martin–Gropius–Krankenhaus mit, das Leibnizviertel und Nordend selbst.
Im Winter läuft die Anlage rund um die Uhr, sagt Thomas Schelk. Von den 8765 Stunden, die ein Jahr zählt, ist das Nordender Blockheizkraftwerk 7500 Stunden in Betrieb. Im Sommer schaltet es sich stundenweise ab, da dann keine Heizung sondern nur Warmwasser gebraucht wird. Duschen will schließlich auch im Sommer der Eberswalder an sich.